Protest-Drohung

Red Bull will Ferrari 2020 genau auf die Finger schauen

F1 Grand Prix of China
© Getty Images, Bongarts

30. Januar 2020 - 8:53 Uhr

'Bullseye' auf Ferrari

Ferrari konnte 2019 mit Formel-1-Primus Mercedes sprichwörtlich nur streckenweise mithalten. Mercedes dominierte auf kurvenreichen Pisten, einzig Kurse mit vielen Geraden waren Ferrari-Land. Das lag vor allem an der Power-Unit aus Maranello, die laut der Konkurrenz bis zu 50 PS stärker war. Red Bull war das ganze nicht geheuer, der Rennstall vermutete Tricksereien am Ferrari-Motor. Die Ferrari-Ingenieure hätten eine Grauzone in den Regeln zum Benzindurchfluss ausgenutzt, hieß es. Mögliche Schummeleien möchten die 'Bullen' in der anstehenden Saison um jeden Preis verhindern - und drohen vorsorglich schon mal mit Protesten bei der FIA.

Red Bull mit Unverständnis für Ferrari-Strafmaß

Auch beim letzten Rennen der Vorsaison in Abu Dhabi gab es Auffälligkeiten bei Ferrari. Die Scuderia hatte 4,88 Kilogramm Benzin weniger angegeben, als sich im Tank von Charles Leclercs Auto befand. Ferrari kam glimpflich davon: Leclercs dritter Platz wurde nicht aberkannt, die Roten mussten lediglich eine Geldbuße in Höhe von 50.000 Dollar abdrücken.

Red-Bull-Teamchef Christian Horner vermutet, dass die FIA mit den technischen Direktiven zum Motoren-Reglement überfordert ist: "Der Antriebsstrang ist ein sehr komplexer Bereich. Ich denke, dass die FIA nicht jene Expertise hat, die die Teams entwickelt haben", so der Brite. "Für uns war enorm wichtig, dass wir Klarheit für 2020 haben."

Marko: "Wir werden nicht zögern und Protest einlegen"

Im Interview mit 'Motorsport.com' sprach Red-Bull-Berater Helmut Marko von einer "eklatanten Leistungssteigerung", die 2019 bei den Roten stattgefunden habe. Für den Österreicher ergibt sich daraus nur ein Schluss: "Sie (die Extra-Leistung, d. Red.) war immer nur auf gewisse Runden abrufbar. Wenn man eins und eins zusammenzählt und als dann die Direktiven kamen, dann hat das (die Motorentrickserei, d. Red.) sicher was auf sich." Er gehe davon aus, "dass solche Ferrari-Eskapaden in Zukunft nicht mehr stattfinden".

Sollte bei Red Bull jedoch wieder der Verdacht entstehen, dass Ferrari abseits des Reglements fahre, wolle man keinen Moment zögern. Das Team werden dann "definitiv Protest einlegen", sagte Marko.

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto stand dem Thema bis zuletzt sehr gelassen gegenüber: "Ich würde mich freuen, weil wir dann endlich zeigen könnten, wie dumm ihre Vorwürfe sind. Dann würden die Gerüchte aufhören."