Renault, Racing Point, McLaren oder Ferrari

Packender Vierkampf um Platz drei in der Konstrukteurswertung

Oft nah beisammen auf der Strecke: Renault (vorne), Racing Point (Mitte) und Ferrari (hinten)  sind drei der Hauptdarsteller beim Showdown um Rang 3.
© Pool via REUTERS, RAFAEL MARCHANTE, gb

18. November 2020 - 23:09 Uhr

Was passiert eigentlich hinter Mercedes und Verstappen?

Dass Mercedes sich (wieder einmal) die Krone in der Teamwertung aufsetzt, ist schon seit Imola klar. Dahinter folgt Red Bull, das ist ebenfalls so gut wie sicher. Doch um Platz drei in der Teamwertung gibt es drei Rennen vor Schluss einen Showdown, wie ihn die Formel 1 so wohl noch nie gesehen hat. Gleich vier Teams kämpfen um den Platz auf dem Treppchen. Dabei geht es um weit mehr als nur Prestige.

Türkei-GP mischt ordentlich durch

Durch das Podium von Sergio Pérez beim Chaos-GP in Istanbul grüßt aktuell Racing Point von Platz drei. Mit starker Aufholjagd im unvorhersehbaren Rennen am Bosporus brachte sich auch das McLaren-Team aktuell wieder in eine gute Position und liegt nur fünf Punkte hinter den pinken Panthern. Ausruhen darf sich das Team von Teamchef Andreas Seidl aber ebenfalls nicht: Renault lauert nur 13 Punkte hinter dem Traditionsrennstall aus Woking. Für die Franzosen sah die Situation in der Saison schon besser aus, doch mit den Positionen elf und zwölf im Türkei-GP verlor das Werksteam nicht nur Rang drei, sondern mächtig an Boden.

Zu Saisonmitte sah noch alles nach einem Dreikampf aus, doch seit Istanbul wirft sich noch eine vierte Mannschaft ins Getümmel. Die Rede ist von der häufig schon totgesagten Scuderia Ferrari. Kaum bleibt Mattia Binotto mal zuhause, läuft es plötzlich. Mit Sebastian Vettels Podium und Rang vier von Teamkollege Charles Leclerc sammelt die Scuderia nicht nur mehr Zähler als die direkte Konkurrenz, sondern ist am vergangenen Wochenende sogar insgesamt das erfolgreichste Team.

40 Millionen rufen für Platz drei

In diesem Fight ganz oben zu stehen ist aber nicht nur aus Marketing-Sicht enorm wichtig, es geht außerdem um jede Menge Geld. Zwar wurden für das Jahr 2020 noch keine konkreten Zahlen bekanntgegeben, doch die Preisgeldschlüssel vorangegangener Saisons geben dennoch eine grobe Vorstellung. So liegen für Platz drei circa 40 Millionen Euro in der Auslage, während es für Rang vier bereits "nur" noch rund 32 Millionen gibt. Für Position sechs bleiben dann noch ungefähr 25 Millionen übrig.

Ein Unterschied, der auf den ersten Blick nicht so tragisch erscheint, speziell für eine Branchengröße à la Ferrari. Die für 2021 erstmalig gültige Budgetobergrenze erlaubt keine astronomischen Investments mehr, der Faktor Geld grundsätzlich also nicht mehr ganz so gewichtig – wäre da nicht Corona. In Zeiten der Pandemie müssen die Rennställe jeden Cent umdrehen, 15 Millionen mehr auf dem Konto lassen die Beteiligten deutlich besser schlafen.

So stehen die Chancen der Teams

Vorhersagen lässt sich der Ausgang dieses engen Rennens freilich nicht, doch die Erfahrungen der Saison bestätigen, dass die Performance der Teams streckenabhängig ist. Während der Ferrari auf den sogenannten Power-Kursen aufgrund seines schlechten Triebwerks kein Land sieht, liebt der Renault dieses Terrain. Ähnlich sieht es bei McLaren aus, die ebenfalls mit Renault-Motoren unterwegs sind. Am ausgeglichensten zeigt sich der Racing Point, was mit Sicherheit in der 2019er Mercedes-DNA des aktuellen Wagens begründet ist.

Ein Blick auf die ausstehenden Rennen zeigt zumindest eines klar: Regen-Sessions wird es in dieser Saison keinen mehr geben. Bei den zwei Auftritten in der Wüste von Bahrain und dem Abschluss in Abu Dhabi ist sogar ein Sandsturm wahrscheinlicher. Von der Charakteristik sollte Bahrain den beiden Renault angetriebenen entgegenkommen, insbesondere das zweite Wochenende auf der "fast ovalen" Variante. Lange Geraden gibt es in Abu Dhabi ebenfalls, doch der letzte Sektor dort ist einer der verwinkeltsten im gesamten Rennkalender.

Eine Prognose lässt sich also nicht treffen, denn im spannungsgeladenen Mittelfeld der Formel 1 kommt es immer anderes als erwartet. Eine Garantie gibt es hier nur für eines: Spannende Positionskämpfe!