Ende nach sechs Jahren

Offiziell: Vettel und Ferrari machen Schluss

12. Mai 2020 - 14:31 Uhr

Vettel verlässt Ferrari

Es ist offiziell: Sebastian Vettel und Ferrari gehen nach 2020 getrennte Wege. Das gaben der Formel-1-Rennstall und der viermalige Weltmeister in einer Pressemitteilung bekannt. Um Geld sei es ihm bei den Vertragsverhandlungen mit der Scuderia nicht gegangen, stellte Vettel klar. Vielmehr habe ihm eine erfolgsversprechende Perspektive bei den Roten gefehlt. RTL-Formel-1-Reporter Felix Görner erklärt im Video die Hintergründe.

"Perfekte Harmonie" nicht mehr gegeben

"Um in diesem Sport die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen, ist es für alle Beteiligten unerlässlich, in perfekter Harmonie zusammenzuarbeiten. Das Team und ich haben gemerkt, dass wir nicht länger den gemeinsamen Wunsch verspüren, auch über 2020 hinaus zusammen zu bleiben. Finanzielle Dinge haben bei dieser gemeinsamen Entscheidung keine Rolle gespielt. So denke ich nicht, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen, und so werde ich auch nie denken", sagte Vettel.

Er werde sich jetzt die Zeit nehmen, um darüber nachzudenken, was für ihn in Zukunft "wirklich zählt", so der 32-Jährige weiter. Nach RTL-Informationen will Vettel seine Formel-1-Karriere aber auf jeden Fall fortsetzen. Wo, das ist ab 2021 allerdings völlig offen.

Vettel dankte der "gesamten Ferrari-Familie und allen Tifosi auf der ganzen Welt" für die Unterstützung während seiner Zeit in Rot. "Mein erstes Ziel ist jetzt, meinen langen Stint mit Ferrari zu beenden, in der Hoffnung, gemeinsam noch ein paar wunderschöne Momente zu erleben - zusätzlich zu denen, die wir schon genossen haben."

Wann Vettel die Chance auf seine letzten Ferrari-Momente bekommt, ist offen. Wegend er Corona-Pandemie steht die Formel 1 momentan still. Die Saison soll Anfang Juli mit einem Doppel-GP in Österreich starten.

F1-Reporter Felix Görner: Darum geht Vettel

Binotto würdigt Vettel

Scuderia-Teamchef Mattia Binotto sagte, es habe keinen spezifischen Grund für die Trennung gegeben, außer dem gemeinsamen Glauben, "dass die Zeit gekommen ist, getrennte Wege zu gehen, um unsere jeweiligen Ziele zu erreichen."

Der Italiener dankte Vettel für seine "menschlichen Qualitäten, die er in diesen fünf Jahren gezeigt hat. Wir haben es noch nicht geschafft, zusammen einen WM-Titel zu gewinnen, wir glauben aber, dass wir aus dieser ungewöhnlichen 2020er Saison noch viel herausholen können".

Wolff hat Vettel auf dem Schirm

Vettel fährt seit 2015 für Ferrari, gewann mit dem Cavallino Rampante in 101 Grand-Prix-Starts 14 Rennen. Mehr Siege in Rot feierten nur F1-Rekordchampion Michael Schumacher (72) und Niki Lauda (15). "Sebastian ist schon jetzt Teil der Scuderia-Geschichte", sagte Binotto.

Vettels Traum, wie sein Vorbild Schumacher mit Ferrari Weltmeister zu werden, blieb in seinen sechs Jahren beim Team aus Maranello unerfüllt. 2017 und 2018 wurde der 32-Jährige mit Ferrari hinter Lewis Hamilton Vize-Weltmeister.

Wie es für Vettel in der Motorsport-Königsklasse weitergeht, ist ungewiss. Angeblich soll er schon Angebote von Renault und McLaren haben. McLaren wollte die Gerüchte nicht kommentieren.

Und dann ist da ja noch das Szenario einer spektakulären Rochade: Vettel wechselt 2021 zu Mercedes, Weltmeister Lewis Hamilton im Gegenzug zu Ferrari. Über einen Wechsel Hamiltons zur Scuderia wird seit dem Saisonfinale 2019 hartnäckig spekuliert. Der Vertrag des Briten bei den Silberpfeilen endet auch 2020.

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff hat das Thema Vettel jedenfalls auf dem Schirm. "Sebastian ist ein großartiger Fahrer, eine große Persönlichkeit und für jedes Formel-1-Team eine Bereicherung. Mit Blick auf die Zukunft sind wir in erster Linie gegenüber unseren aktuellen Mercedes-Fahrern zu Loyalität verpflichtet, aber wir können diese Entwicklung natürlich nicht außer Acht lassen", sagte der Österreicher.