Formel 1: Nico Rosberg zittert sich beim Großen Preis von Singapur zum Sieg

Am Ende einer heißen Nacht wurde es noch einmal ganz eng für Nico Rosberg: Mit einer halben Sekunde Vorsprung rettete der Mercedes-Pilot seinen ersten Sieg beim Formel-1-GP von Singapur ins Ziel und übernahm damit wieder die WM-Führung. Eine beherzte Aufholjagd von Red-Bull-Mann Daniel Ricciardo und die aggressive Strategie seines Teams wurden nur knapp nicht belohnt - der Australier sicherte sich im Lichtermeer von Singapur jedoch souverän Platz 2 vor Rosbergs Teamrivalen Lewis Hamilton.

epa05545828 German Formula One driver Nico Rosberg of Mercedes AMG GP in action during the Singapore Formula One Grand Prix night race in Singapore, 18 September 2016. EPA/DIEGO AZUBEL +++(c) dpa - Bildfunk+++
Nico Rosberg auf dem Weg zu seinem ersten Sieg in Singapur.
da hm, dpa, Diego Azubel

"Wir haben uns wirklich in die Hosen gemacht", kommentierte Mercedes-Teamchef Toto Wolff die nervenaufreibende Schlussphase. Umso größer war Rosbergs Freude über den Triumph im 200. Grand-Prix: "Saugenial, wirklich cool. Umso schöner, wenn es am Ende so eng wird. Da kommen die Emotionen so richtig raus", sagte Rosberg. Hamilton zollte seinem Teamkollegen größten Respekt: "Riesenkompliment an Nico. Er hat den Sieg verdient."

Auch Sebastian Vettel zeigte eine fahrerische Top-Leistung: Der Ferrari-Star pflügte sich vom letzten Startplatz durchs Feld und belegte am Ende einen tollen 5. Platz. "Mehr war nicht drin", meinte der viermalige Weltmeister, den am Vortag im Qualifying ein Defekt an seinem Ferrari ausgebremst hatte: "Hätte, hätte, Fahrradkette - ist nicht", sagte Vettel mit Blick auf das, was ohne die enttäuschende Qualifikation möglich gewesen wäre. Sein Teamkollege Kimi Räikkönen war jedoch nur einen Platz besser. Den Finnen brachte möglicherweise ein Strategiefehler der Scuderia um einen Podiums-Platz.

Nico Hülkenbergs Hoffnungen auf ein Top-Ergebnis zerschelleten dagegen schon wenige Sekunden nach dem Start an der Boxenmauer. Für Manor-Rookie Pascal Wehrlein war nicht mehr als Platz 16 drin.

Die Highlights des Rennens:

Start: Rosberg übernimmt von der Pole Position souverän die Führung, dahinter sortieren sich Ricciardo und Hamilton ein. Ganz schlecht kommt der auf Startplatz 4 stehende Verstappen weg – und löst damit eine Kettenreaktion aus, die am Ende das frühe Aus von Hülkenberg zur Folge hat.

Der deutsche Force-India-Pilot versucht nach einem Traumstart durch das Toro-Rosso-Duo Carlos Sainz jr./Daniil Kvyat zu schlüpfen, die beide gleichzeitig versuchen, dem langsamen Verstappen auszuweichen und dabei Hülkenberg einquetschen. Sainz trifft Hülkenbergs Auto, das daraufhin ausbricht und spektakulär durchs Feld in die Boxenmauer schießt. Hülkenberg bleibt unverletzt, doch sein Force India ist zerstört und das Safety Car wird auf die Strecke geschickt.

Runde 3: Beim fliegenden Neu-Start behauptet Rosberg ungefährdet die Spitze, an der Reihenfolge dahinter ändert sich nichts. Vettel, der beim Rennstart keine Position gut gemacht hat, ist durch einen Reifenwechsel von Bottas während der Safety-Car-Phase auf den vorletzten Rang nach vorne gerückt. Vor Rosberg taucht plötzlich mitten auf der Piste eine Streckenposten in seinem orangefarbenen Overall auf – der Mann rettet sich mit einem Sprint hinter die Streckenbegrenzung.

Runde 8: Sainz jr. wird von der Rennleitung zum Boxenstopp einbestellt, weil nach der Kollision mit Hülkenberg ein Chassis-Teil an seinem Toro-Rosso absteht.

Runde 16 - 18: Das Spitzenquartett holt sich frische Reifen. Zunächst kommen Ricciardo und Hamilton gleichzeitig an die Box. Ricciardo holt sich einen weiteren Satz Supersoft-Reifen. Hamilton wechselt von Ultrasoft auf Soft, ebenso Rosberg, der eine Runde später zum Service kommt und trotz eines Problems bei der Reifenmontage vor Ricciardo und Hamilton bleibt. Räikkönen wechselt als Letzter des Spitzenquartetts – von der ultraweichen Mischung auf die superweiche – und bleibt auf Platz 4.

Runde 19 -21: Verstappen und Kvyat liefern sich ein spektakuläres Rad-an-Rad-Duell. Geschickt wehrt der nach vier Rennen von Red Bull zu Toro Rosso degradierte Kvyat die Angriffe seines Nachfolgers ab.

Strategie-Schlacht beschert mitreißendes Finale

​Runde 25/26: Als Sechster biegt der vom letzten Platz gestartete Vettel zu seinem ersten Reifenservice in die Boxengasse ab und sortiert sich nach einem Beschleunigungsduell nach der Rückkehr auf die Strecke wieder als 13. ins Feld ein.

Runde 28: Vettel kassiert mit einem spektakulären Manöver gleichzeitig die vor ihm fahrenden Sainz und Gutierrez und ist damit wieder zurück in den Top Ten.

Runde 33 - 35: Während Ricciardo zum zweiten Mal seine Boxencrew besucht und von Supersoft- auf Soft-Reifen wechselt, nutzt Räikkönen auf der Strecke einen Fahrfehler von Hamilton und überholt den Weltmeister. Doch schon am Ende der Runde biegt der Finne zu seinem zweiten Reifenservice in die Boxengasse ab und wechselt gelichzeitig mit dem Führenden Rosberg die Gummiwalzen. Hamilton wechselt eine Runde später, aber Räikkönen bleibt vor dem Briten. Nun fährt das Spitzenquartett komplett auf den Soft-Pneus, der härtesten Reifenmischung des Wochenendes.

Runde 36: Vettel schnappt sich Kvyat und verbessert sich damit auf Platz 5.

Runde 43 – 45: Als Fünfter kommt Vettel zu seinem zweiten Boxenstopp und erhält einen weiteren Satz Ultrasofts. Der Ferrari-Star verliert damit wieder eine Position, rückt mit dem nächsten Stopp von Verstappen jedoch wieder auf Rang 5.

Runde 46/47: Hamilton stoppt zum 3. Mal, wechselt von Soft auf Supersoft – und setzt damit Räikkönen und Ferrari unter Druck. Die Scuderia entscheidet sich auf Rückfrage von Räikkönen, den Finnen ebenfalls noch einmal zum Reifenwechsel an die Box zu holen. Der Undercut von Mercedes gelingt, Räikkönen fällt durch den Stopp wieder hinter Hamilton zurück. Trotz Ultrasofts kommt der Ferrari-Pilot nicht mehr an dem Briten vorbei.

Runde 48 - 61: Nun versucht Red Bull, den Führenden Rosberg mit dem Versuch eines Undercuts unter Druck zu setzen und beordert Ricciardo zu einem 3. Reifenwechsel. Mercedes entscheidet sich anders als zuvor Ferrari: Rosberg soll ohne weiteren Stopp auf seinen Soft-Reifen den Sieg ins Ziel bringen. Auf Supersoft-Reifen startet Ricciardo eine Aufholjagd, macht zwischenzeitlich bis zu drei Sekunden pro Runde auf Rosberg gut. In der Mercedes-Box beginnt das große Zittern, Rosberg bekommt für die letzten Umläufe die volle Motorleistung freigeschaltet. Trotzdem kommt Ricciardo immer näher. Doch am Ende eines dramtischen und mitreißenden Finales reicht es für Rosbergs 22. Karrieresieg – wenn auch nur mit knappen Vorsprung.