Der unglaubliche Hulk

Nico Hülkenbergs Blitz-Comeback im Zeitraffer

12. Oktober 2020 - 11:06 Uhr

Unverhofft kommt oft

Manche Geschichten schreibt nur der Fußball, aber solche Stories gibt es eben nur in der Königsklasse des Motorsports: Wie Phöenix aus der Asche kommt Nico Hülkenberg am Nürburgring völlig unverhofft zu seinem nächsten F1-Comeback. Dass es dabei auf Minuten ankam, zeigt der Wochenend-Zeitraffer des "Hulk".

Samstag, 11.00 Uhr: Anruf von Racing Point beim Kaffee-Trinken

Nico Hülkenberg ist an diesem Formel-1-Wochenende als Experte für RTL eingeplant. Deshalb  hält er sich am Samstagvormittag in der Nähe des Sendezentrums in Köln auf, als plötzlich der Dosenöffner für ein verrücktes Wochenende kommt: Der 33-Jährige will gerade einen Espresso trinken, da ruft Racing-Point-Teamchef Otmar Szafnauer an. "Wir brauchen dich! Du musst dich auf die Socken machen! Besser jetzt als gleich!", hallt es durch das Telefon. Da braucht es kein zusätzliches Koffein mehr, der Kaffee wird sofort stehen gelassen.

Stattdessen geht es rund 100 Kilometer in den Süden – und das im schnellstmöglichen Tempo, denn um 15 Uhr beginnt schon das Qualifying, da muss alles passen. Lange dürfte die Fahrt aber nicht dauern, denn der Deutsche ist mit seinem Porsche GT2 unterwegs, der mit seinen 700 Pferdchen unter der Haube eine Höchstgeschwindigkeit von 340 km/h erreicht.

Quelle: Screenshot Instagram (hulkhulkenberg)
Quelle: Screenshot Instagram (hulkhulkenberg)
© Instagram

Samstag, 12:15 Uhr: Ankunft am Nürburging

Weniger als drei Stunden vor der Quali ist der "Hulk" am Ring angekommen, doch damit ist die Vorbereitung auf das Rennen längst nicht getan. Sofort wird ein Corona-Test gemacht, sodass das Ergebnis rechtzeitig vor dem Zeittraining vorliegt. Danach wird der Overall übergestülpt und es geht direkt rein ins Auto, denn es müssen noch Anpassungen vorgenommen werden, damit sich der Mann aus Emmerich auch wohlfühlt in seinem pinken Panther.

Einen Helm hat Hülkenberg zu seinem Glück auch dabei, wenngleich es sich dabei um ein Design aus dem vergangenen Jahr handelt, als er noch für Renault unterwegs war – geschenkt.

Nico Hülkenberg
Ein Symbolbild für das aus der Not heraus geborene Comeback des "Hulk": Der gelbe Helm aus Renault-Zeiten war der einzige, den Hülkenberg griffbereit hatte.
© Imago Sportfotodienst

Samstag, 15.00 Uhr: Unvorbereitet in die kalte Eifel-Quali geschmissen

Pünktlich um 15 Uhr fährt Hülkenberg mit seinem gelben Helm und pinken Gefährt aus der Box, um während Q1 so viele Runden wie möglich abzuspulen. Für insgesamt vier schnelle Runden reicht es und die werden schneller und schneller. Erst vier Sekunden Rückstand, dann schon nur noch eine. Im dritten Versuch kommt der Deutsche dann bis auf 0,4 Sekunden an das Feld heran, ehe er in seiner finalen Attacke trotz einiger Fehler beinahe die rote Laterne abgibt.

Am Ende sind es 0,2 Sekunden auf den Vorletzten Räikkönen. "Ganz ohne Vorbereitung ist es keine einfache Geschichte, so richtig aus der kalten Hose", erklärt Hülkenberg seine Situation und will das Erlebnis nicht missen: "Ich bin Rennfahrer, das ist mein Job. Da muss man so eine Chance beim Schopf packen."

Sonntag, 14.10 Uhr: Von ganz hinten in die Punkte

Nach einem langen Samstag mit Meetings und Ingenieurs-Gesprächen steht der "Hulk" in der Startaufstellung zum Großen Preis der Eifel. Obwohl er in seiner F1-Karriere schon 178 Starts hinter sich hat, wählt der Routinier vor lauter Aufregung am Start zunächst eine falsche Einstellung, kann dies aber gerade noch ändern, bevor die Lichter ausgehen.

Noch nie ist Hülkenberg den geupdateten Racing Point mit vollem Tank gefahren, trotzdem macht er in der ersten Runde drei Plätze gut. Dass er im weiteren Verlauf des Grand Prix eher unauffällig ist, kann der Comebacker als Kompliment entgegennehmen, schließlich leistet er sich keinen einzigen groben Fehler im Rennen. Im Gegenteil – beinahe die Hälfte des Rennens fährt der RTL-Experte auf den weichen Reifen und sichert sich somit einen entscheidenden Vorteil für die zweite Hälfte. Das Safety-Car neutralisiert das Rennen am Ende, Hülkenberg kommt auf Platz acht ins Ziel. Zwölf Plätze ging es für den 33-Jährigen nach vorne, das schaffte bei Weitem kein anderer Fahrer.

Video: Hülkenberg schiebt sich an Vettel vorbei in die Punkte

Sonntag, 16.00 Uhr: Lobeshymne vom Team

Beim Überqueren der Ziellinie streckt Hülkenberg die Hand aus dem Cockpit und winkt in Richtung Boxenmauer. Direkt danach meldet sich sein Renningenieur am Funk: "Super Job Nico, super Job! Das hat uns geholfen, den dritten Platz bei den Konstrukteuren einzunehmen. Gute Arbeit, gute Arbeit!". Und auch der Überraschungsmann selbst zeigt sich vor der RTL-Kamera stolz: "Ich bin mega-happy, es hat alles super gepasst."

Dieser Meinung war auch die F1-Fangemeinde. Mit über 30 Prozent der Stimmen wählte sie Hülkenberg zum "Fahrer des Tages". Ein verrücktes Wochenende, das das Comeback-Kid selbst mit einer amüsanten Bildergalerie auf seinem Twitter-Account zusammenfasste.