Formel 1: Nach Monza-Desaster für Sebastian Vettel stehen Maurizio Arrivabene und Ferrari in der Kritik

Maurizio Arrivabene und Ferrari stehen nach dem Monza-Fiasko schwer in der Kritik
© Getty Images, Bongarts, wt

06. September 2018 - 13:56 Uhr

Ferrari-Teamchef: "Beschäftigen Piloten, keine Butler"

Nach dem Fiasko beim Ferrari-Heimspiel in Monza kocht die italienische Formel-1-Seele. In der Kritik steht nicht nur Sebastian Vettel - vor allem der Kommandostand der Scuderia kriegt sein Fett weg. Zu allem Überfluss trüben Berichte über die Zukunft Kimi Räikkönens die ohnehin schon graue Stimmung.

"Maranello macht alles falsch"

"Ferrari hat einen Sieg einfach weggeworfen. Von der ersten Reihe bis zur Niederlage: Maranello zahlt einen hohen Preis für seine Strategie", polterte "La Rebubblica", "Maranello macht alles falsch", donnerte "La Gazzetta dello Sport".

Der Triumph von Vettels Titelrivale Lewis Hamilton ausgerechnet im heimischen Monza, dazu die vergebene Chance, erstmals seit 2010 wieder "a casa" zu gewinnen -, die Stachel stecken tief im Fleisch des "Cavallino Rampante"

Vettel geriet früh zwischen die Fronten

Die Generalabrechnung mit dem Team aus Maranello kommt nicht von ungefähr. Schon im Qualifying verwunderte der Schachzug der Roten, nicht das heiße WM-Eisen Vettel, sondern "Iceman" Räikkönen als letzten Ferrari-Piloten auf die Strecke zu schicken. Zwar erwischte Vettel selbst auch keine perfekte Runde. Hinter seinem Stallkollegen hätte er aber womöglich von dessen Windschatten profitieren und den Sprung auf die Pole doch noch schaffen können. So musste Vettel am Sonntag vom ungünstigen 2. Platz losrollen und geriet – das sei bei aller Kritik an seiner Kollision mit Hamilton zu seiner Verteidigung gesagt – früh zwischen die Fronten.

Ausgerechnet Ferrari entdeckt das freie Fahren

Dass Ferrari ausgerechnet in Monza nicht alles auf Vettel setzte, verwundert mit Blick auf den WM-Stand. Während Mercedes Bottas längst zum "Wingman" von Superstar Hamilton degradiert hat und in Monza taktisch clever als "Bremsklotz" gegen Räikkönen einsetzte, schien ausgerechnet Ferrari – früher für Stallorder berüchtigt – plötzlich die sportlich faire (!) Devise des freien Fahrens ausgegeben zu haben.

"Wir beschäftigen Piloten, keine Butler", verteidigte Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene den ausgebliebenen Ordnungsruf: "Und auch wenn man eine Order aussprechen möchte, riskiert man es, einen Fehler zu machen." Das Treiben direkt nach dem Start sei bezüglich solcher strategischer Vorhaben außerdem etwas völlig anderes als die spätere Mercedes-Taktik bei geordnetem Rennverlauf.

Ferrari-Boss soll sich Kimi-Ablösung wünschen

Wie auch immer. Räikkönen, oft genug schon treuer Teamplayer, war in Monza für Vettel keine Hilfe. Was vielleicht auch gute Gründe hatte. Offenbar steht fest, dass Ferrari seinen bis dato letzten Weltmeister (2007) absägt und 2019 durch Sauber-Rookie Charles Leclerc ersetzt.  Medienberichten zufolge sei es gar der Wunsch von Ferrari-Boss John Elkann gewesen, dass Räikkönen in Monza gewinnt und anschließend seinen Rücktritt erklärt. Sollte dies stimmen, müssten sich gewisse Signori in und um Maranello noch weitaus kräftiger an die Nase packen als Sebastian Vettel.

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