Hamilton völlig ratlos

„Hardcore" Blasenbildung: Mercedes tappt im Dunkeln

Formel 1 GP von Großbritannien
© dpa, Bryn Lennon, DMV LB esz

10. August 2020 - 12:47 Uhr

Mercedes-Niederlage in Silverstone: Durchmarsch? Von wegen

Es menschelt bei Mercedes: Nach den ersten vier Saisonrennen schien die Sache klar, Mercedes fährt die Weltmeisterschaft souverän nach Hause. Ob in der Fahrer- oder Konstrukteurswertung. Doch nach den Verstappen-Festspielen in Silverstone kommen erste Zweifel am Durchmarsch von Silber auf. Denn Mercedes hat ein Problem. Ein großes. Die Reifen. Der W11 entpuppt sich bei hohen Temperaturen als Reifenfresser. Keine guten Aussichten.

Mercedes-Reifen nicht für Hitze gemacht: Zu viel Abtrieb

Der Bolide habe viel Downforce (Abtrieb), sagte Teamchef Toto Wolff. "Downforce ist im Regen und im Kalten richtig gut. Der Reifen kommt ins Betriebsfenster. Wenn es heiß ist, geht er über das Betriebsfenster hinaus. Das ist also gleichzeitig Segen und Fluch, dass wir bei den meisten Rennen richtig schnell sind und außer Konkurrenz fahren. Aber bei anderen Rennen, wo der Reifen der limitierende Faktor ist, machen wir den Reifen halt platt."

Für Lewis Hamilton und Valtteri Bottas ein Drahtseilakt. Beide kämpfen mehr mit den eigenen Pneus als mit der Konkurrenz. Ein gefundenes Fressen für Max Verstappen. "Man konnte sehen, dass unser harter Reifen schon nach zehn Runden mit der Blasenbildung angefangen hat - und Max ist 25 oder 28 Runden gefahren", so Wolff.

Ritt auf der Rasierklinge

Bei WM-Spitzenreiter Hamilton schrillen die Alarmglocken. "Das war definitiv unerwartet", sagte der sechsmalige Weltmeister. Die Blasenbildung an seinen Reifen sei "hardcore" gewesen. So etwas habe er in seiner Karriere noch nie erlebt. "Im zweiten Stint habe ich die Reifen so sehr geschont, das kannst du dir gar nicht vorstellen."

Das Rennen, ein Ritt auf der Rasierklinge: "Am Ende bin ich im Grunde nur noch mit einem halben Reifen gefahren. Als ich in die Rückspiegel geschaut habe, war eine halbe Seite schon völlig abgefahren, die andere war okay. Und wenn ich ehrlich bin, war ich nicht sicher, ob der Reifen überhaupt halten würde."

Lewis Hamilton & Co.: Banger Blick nach Barcelona

Auf Mercedes wartet viel Arbeit. Ein Blick auf den Rennkalender verspricht keine Besserung. In der kommenden Woche gastiert die Königsklasse in Barcelona. Ein heißes Pflaster. "Wir haben gesehen, dass wir bei sehr heißen Streckenbedingungen dieses Defizit haben. Da haben wir heute die Bestätigung bekommen", gesteht Wolff.

Und noch tappen Fahrer und Ingenieure im Dunkeln. "Ich habe mir Max' Reifen nach Rennende angeschaut. Die sahen noch wie neu aus", staunte Bottas. "Die von Lewis und mir waren hingegen komplett mit Blasen überzogen. Da gibt es also offensichtlich einen Unterschied. Woran das liegt, wissen wir noch nicht genau."

Die Zeit drängt. Sollte Silber die Probleme bis Barcelona nicht in den Griff bekommen, liegt "Power Max" schon auf der Lauer. Mächtig Druck für die Mercedes-Ingenieure wie Andrew Shovlin: "Wir fliegen am Dienstag raus, fahren wieder am Freitag. Die Wettervorhersage steht bei über 30 Grad. Die Strecke wird ganz ähnlich sein: ein Hochenergie-Layout, viele schnelle Kurven. Uns ist schon klar: Wenn wir das nicht schnell hinbiegen, werden wir auch nächsten Sonntag dumm aus der Wäsche gucken."