Formel 1: Mercedes-Sieg in Kanada war "wie ein rechter Haken" gegen Ferrari

© dpa, Paul Chiasson, pch pat

17. Juni 2017 - 13:43 Uhr

Mercedes hat mit einem Doppelsieg beim Großen Preis von Kanada zumindest zwischenzeitlich zu alter Stärke zurückgefunden. Die Silberpfeile wissen aber nicht, ob der Erfolg im Titanenkampf der Formel 1 mit Ferrari von Dauer ist.

Hamilton: "Fäuste fliegen noch das ganze Jahr"

Nach seiner Wiederauferstehung in Montreal bediente sich Lewis Hamilton eines Vergleichs aus dem Boxen. Man habe Ferrari und Sebastian Vettel "einen Schlag versetzt. Es ist wie ein rechter Haken", sagte der Mercedes-Pilot nach seinem ungefährdeten Sieg beim Großen Preis von Kanada: "Aber die Fäuste werden noch das ganze Jahr fliegen. Wir hoffen, dass wir am Ende wie Mayweather sind."

Floyd Mayweather. Der Boxer, der alle seine 49 Profikämpfe gewann, kein einziges Mal geschlagen aus dem Ring musste, dient Hamilton als Vorbild für das packende Duell um die Weltmeisterschaft. Die Silberpfeile meldeten sich in Montreal eindrucksvoll mit ihrem ersten Doppelsieg der Saison zurück, jagten Dauerrivale Ferrari zudem die Führung in der Konstrukteurswertung ab und scheinen zurück zu alter Stärke gefunden zu haben.

Wolff warnt: Probleme mit der "Diva" noch nicht gänzlich gelöst

Doch ob diese Leistung von Dauer ist? "Ich würde nicht sagen, dass unsere Probleme gelöst sind, wir verstehen sie vielleicht nur besser", mahnte Motorsportchef Toto Wolff. Nach dem verkorksten Wochenende von Monaco, als Hamilton nur Siebter wurde, hatte das Team alles auf den Prüfstand gestellt, analysierte akribisch die Probleme mit dem Auto, das Wolff selbst schon "eine Diva" nannte.

"Wir kamen hierher mit einem Plan, wie wir die Probleme in den Griff bekommen", verriet Hamilton. Der 32-jährige Brite gewann zum sechsten Mal auf seiner Lieblingsstrecke, so oft wie nirgendwo sonst. Durch seinen 56. Grand-Prix-Sieg rückte der dreimalige Weltmeister auf zwölf Punkte an WM-Spitzenreiter Vettel heran.

Mercedes schuftete unermüdlich

Der Ferrari-Star hatte Pech, weil ihm Max Verstappen früh über den Frontflügel fuhr und er nach einem unfreiwilligen Boxenstopp von ganz hinten durchs Feld musste. Am Ende reichte es nur zu Rang vier - sehr zur Freude Hamiltons. "Er war bisher immer auf Platz eins oder zwei, deswegen ist es für uns gut, dass er nur Vierter ist", sagte der Brite, der allerdings bezweifelt, dass er in zwei Wochen in Baku wieder so leichtes Spiel haben wird: "Vielleicht ist Ferrari beim nächsten Mal wieder schneller, uns wird das noch sehr fordern. Alles kann passieren."

Hinter ihm landete Teamkollege Valtteri Bottas, der den ersten Doppelsieg seit dem Rücktritt von Weltmeister Nico Rosberg perfekt machte. Das freute Wolff besonders, denn das gesamte Team habe viel für dieses optimale Ergebnis geopfert. "Wir haben zehn Tage in Folge 24 Stunden gearbeitet, in der Fabrik hat immer Licht gebrannt. Wir haben jeden Stein umgedreht. Auf diese Weise zurückzuschlagen, zeigt, was für ein Kaliber an Leuten wir in diesem Team haben", sagte der Österreicher stolzerfüllt.

Bottas: Zum Glück keine Strecke mehr wie Monaco

In Monaco war es Mercedes nicht gelungen, die Reifen im perfekten Temperaturfenster einzusetzen, in Montreal lief es wesentlich besser. "Es wird eine Herausforderung, dass Auto jedes Wochenende da zu haben, wo wir es haben wollen", weiß Hamilton: "Wenn wir so weitermachen, kann es uns gelingen, dass es nicht mehr so viele Aufs und Abs gibt."

Zumindest in Kanada lief es für Silber nun endlich mal wieder so, wie in den vergangenen drei Jahren, als Mercedes den PS-Zirkus dominierte – was die Silbernen nach dem Desaster von Monaco spürbar erleichterte. "Wir sind sehr froh, dass es in diesem Jahr kein Rennen wie Monaco mehr gibt", befand Bottas: "Vielleicht haben wir noch kein Auto, dass überall funktioniert. Aber hier in Kanada war es super."