Silberne Siegesserie gestoppt

Nach Schnarch-Start: Max Verstappen rast zum Sieg beim Österreich-GP

Verstappen muss lange um seinen Sieg zittern

Irre Formel-1-Show von Max Verstappen beim Alpen-GP in Spielberg: Nach einem völlig verschnarchten Start raste der Red-Bull-Youngster mit einer spektakulären Aufholjagd und einem knallharten Zweikampffinale mit Ferrari-Pilot Charles Leclerc zum Sieg. Doch eben wegen jenem Manöver musste der Niederländer lange um seinen Triumph zittern.

Ferrari wieder tragisch geschlagen

Die Rennkommissare untersuchten den Vorgang und fällten erst knapp dreieinhalb Stunden nach der Zieldurchfahrt ihre Entscheidung. Sie werteten die Szene in der drittletzten Runde als Rennzwischenfall, In einer hochspannenden Schlussphase hatte sich Verstappen drei Runden vor Schluss an dem lange Zeit führenden Ferrari-Piloten Charles Leclerc vorbei gepresst und den Teamkollegen von Sebastian Vettel auf den zweiten Platz verwiesen.

Vettel selbst verpasste nach einem peinlichen Boxenstopp-Blackout seines Teams den dritten Podiumsplatz um knapp sechs Zehntel. Die Ferrari-Piloten endeten damit beim Großen Preis von Österreich einmal mehr als tragische Helden. Insbesondere für Vettel kam an diesem Wochenende wieder einiges zusammen. "Es gab ein paar Sachen, die nicht passieren dürfen", sagte Vettel. "Richtig bitter war, was im Qualifying passiert ist." Eine defekte Druckluftleitung zum Motor hatte Vettels Ambitionen vorzeitig beendet, am Ende blieb nur Startplatz 9.

Erstmals kein Mercedes-Sieg in dieser Saison

Erstmals in dieser Saison stand kein Mercedes-Pilot ganz oben auf dem Podium. Bei strahlendem Sonnenschein wurden die Silberpfeile von den sommerlichen Temperaturen um die 34 Grad ausgebremst - konnten ihr Leistungspotenzial nie wirklich abrufen. Valtteri Bottas rettet immerhin noch den dritten Platz vor Vettel ins Ziel.

Lewis Hamilton kam nach einer Strafversetzung auf Startposition 4 und einem beschädigten Frontflügel im Rennen als Fünfter ins Ziel. Im WM-Klassement bleibt Hamilton (197 Punkte) dennoch weiter souveräner Spitzenreiter vor Bottas (166). Vettel (123) fällt hinter Verstappen (126) auf den vierten Gesamtrang zurück.

Nico Hülkenberg beendete den 9. Saison-Lauf auf dem enttäuschenden 13. Platz noch hinter seinem Renault-Teamkollegen Daniel Ricciardo (12.).

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Rennkommissare entscheiden sich gegen Strafe

"Das ist hartes Rennfahren, sonst müssen wir nach Hause gehen", kommentierte Verstappen nach dem Rennen lapidar die Kollision mit Leclerc. "Er hat mir keinen Platz gelassen, um zurückkommen zu können", entgegnete Leclerc. Die Rennkommissare ließen sich nach der Anhörung beider Fahrer weitere gut anderthalb Stunden Zeit, bis sie Verstappens zweiten Sieg in Serie auf dem Red-Bull-Ring bestätigten.

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto nannte die Entscheidung zwar "falsch", sagte jedoch, dass die Scuderia sie im Sinne des Sports akzeptieren werde. Auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff und RTL-Experte Nico Rosberg begrüßten das Urteil im Sinne des Sports: "Ja, das wollen wir sehen. Die Formel 1 braucht mehr Racing und weniger Strafen", schrieb Rosberg auf Twitter.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt der externen Plattformtwitter, der den Artikel ergänzt. Sie können sich den Inhalt einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden. Weitere Einstellungenkönnen Sie imPrivacy Centervornehmen.

Die Highlights des Rennens

Runde 1 - Start: Pole-Mann Leclerc verteidigt souverän die Spitze – auch weil Verstappen den Start wegen eines Kupplungsproblems komplett verschnarcht: Von Position 2 geht’s zurück auf Platz 8. Selbst Vettel von Startplatz 9 schlüpft an dem Red-Bull-Mann vorbei und ist nach der ersten Runde schon Sechster. Hinter Leclerc sortieren sich zunächst Bottas, McLaren-Mann Lando Norris und Hamilton ein. Im Gegensatz zu den beiden Mercedes und Verstappen (alle Mediumreifen) starten die Ferrari auf den Soft-Pneus.

Runde 4: Vettel kassiert Norris und wehrt anschließend den Konter des McLaren-Piloten ab – damit ist Vettel Fünfter hinter Kumpel Kimi Räikkönen im Alfa Romeo.

Runde 6: Vettel beschleunigt Räikkönen problemlos aus und verbessert sich auf Platz 4. Auf seinen führenden Teamkollegen Leclerc fehlen ihm aber schon fast 10 Sekunden.

Boxenstopp-Blackout bei Ferrari kostet Vettel viel Zeit

Runde 10: Auch Verstappen macht nach dem Start-Desaster Position um Position gut, schnappt sich nacheinander Teamkollege Pierre Gasly, Norris und Räikkönen und geht als Fünfter auf die Verfolgung des vor ihm fahrenden Vettel.

Runde 22: Bottas und Vettel kommen zeitgleich zum Reifenservice. Bottas verliert Zeit, weil er warten muss, bis Vettel in der Boxengasse an der Mercedes-Box vorbeigefahren ist. Noch dicker kommt es für Vettel: Wegen eines Problems im teaminternen Funk stehen seine neuen Reifen nicht bereit, der viermalige Champion verliert wartend wertvolle vier bis fünf Sekunden. Vettel fällt auf Rang 7 zurück, Bottas auf 4 - beide setzen das Rennen auf den harten Reifen fort.

Runde 23: Der führende Leclerc biegt in die Boxengasse ab und wechselt wie Vettel von Soft-Pneus auf die harte Mischung. Der Monegasse kehrt als Vierter im Sandwich zwischen Verstappen und Bottas zurück auf die Piste.

Beschädigter Frontspoiler bremst Hamilton aus

Runde 29: Vettel brennt mehrere schnellste Rennrunden in den Asphalt – der Ferrari-Pilot wittert seine Chance, weil Hamilton an der Spitze langsamer wird. Der Brite vermutet im Boxenfunk einen Schaden am Frontspoiler.

Runde 31: Bei Hamiltons Reifenservice wird auch der Frontspoiler am Mercedes des WM-Spitzenreiters getauscht – das kostet viel Zeit. Vettel legt derweil auf der Strecke die nächste schnellste Rennrunde nach – das reicht: Hamilton beschleunigt erst gut 10 Sekunden hinter dem Ferrari-Star zurück auf die Strecke. Verstappen ist erstmals in Führung.

Runde 32: Allerdings nur einen Umlauf, dann kommt auch Verstappen zu seiner Boxencrew und holt sich ebenfalls einen Satz harter Reifen ab. Nach einem fehlerfreien Service bleibt auch der Red-Bull-Youngster vor Hamilton, der damit nur noch Fünfter ist.

Verstappen startet seine Aufholjagd

Runde 43/44: Verstappen wird immer schneller, fährt eine schnellste Rennrunde nach der anderen und schiebt sich bis auf 1,3 Sekunden an Vettel heran. Der wiederum jagt den vor ihm fahrenden Bottas.

Runde 47: Verstappen schiebt sich erstmals ins DRS-Fenster von Vettel – doch in den folgenden Runden kann der Ferrari-Mann die Angriffe des Red-Boll-Youngsters zunächst abwehren.

Runde 50/51: Vettel hat nichts mehr im Köcher. Verstappen legt sich den Deutschen zurecht und zieht vorbei. Unmittelbar darauf steuert Vettel die Boxengasse an und wechselt zurück auf die schnellste, die weiche Reifenmischung. Er verliert dabei nur einen Platz, sortiert sich hinter Hamilton auf Platz 5 wieder ins Feld ein.

Schrecksekunde am Red-Bull-Kommandostand

Runde 55: Verstappen hat sich bis ins DRS-Fenster von Bottas gekämpft - und meldet plötzlich via Boxenfunk: "Ich verliere Leistung". Versteinerte Mienen am Red-Bull-Kommandostand

Runde 56: Einen Umlauf später schnappt sich der Niederländer trotzdem Bottas und hat sich damit seine Startposition 2 zurückgeholt. Vom führenden Leclerc trennen ihn jetzt noch 5 Sekunden.

Runde 61: Zehn Runden vor Schluss hat sich Vettel wieder bis auf 2,7 Sekunden an Hamilton herangekämpft. Leclerc führt noch mit knapp 3,5 Sekunden vor Verstappen.

Spektakuläres Finale

Runde 66: Fünf Runde vor Ende zeigt sich Verstappen erstmals im DRS-Fenster von Leclerc, Vettel fehlen noch 1,2 Sekunden auf Hamilton.

Runde 68: Verstappen greif Leclerc vor Kurve 3 an - der Ferrari-Mann hält knallhart dagegen und bleibt in Front.

Runde 69: Verstappen attackiert Leclerc erneut vor Kurve 3, in der Kurvenmitte berühren sich die Boliden seitlich. Leclerc muss auf die asphaltierte Auslaufzone ausweichen, Verstappen drückt sich vorbei und übernimmt die Führung.

Runde 70: Vettel kassiert Hamilton und holt sich Platz 4 zurück.

Runde 71: Vettel ist ganz dicht dran an Bottas, aber zu einem Angriff auf den Finnen reicht es nicht mehr.

Ziel: Verstappen wird nach 1:22:01,822 Stunden als Erster abgewunken. Der 21-Jährige feiert ausgelassen mit seinem Team und tausenden Fans in Oranje auf den Tribünen.