Formel 1: Max Verstappen platzt nach erneutem Ausfall beim Belgien-GP der Kragen

SPA, BELGIUM - AUGUST 27:  Max Verstappen of Netherlands and Red Bull Racing talks with race engineer Gianpiero Lambiase on the grid before the Formula One Grand Prix of Belgium at Circuit de Spa-Francorchamps on August 27, 2017 in Spa, Belgium.  (Ph
Max Verstappen: "Bei einem Topteam dürfen solche Sachen nicht passieren"
wt, Getty Images, Bongarts

80.000 Holländer waren ins benachbarte Belgien gereist, um Max Verstappen zu feiern. Sie hüllten einen Großteil der Tribünen in ein oranges Farbenmeer, bereit, ihr fliegendes Wunderkind aufs Podium zu brüllen – und dann das: Nach 20 Minuten war schon alles vorbei , Verstappen musste seinen Red Bull, bei dem wieder einmal der Motor schlapp machte, dort abstellen, wo 1991 auch für Michael Schumacher bei dessen erstem Rennen alles vorbei war: am Streckenrand ausgangs der Eau Rouge.

Verstappen fassungslos: "Ich kann das nicht glauben"

Das Raunen im Publikum war so laut, dass es die dröhnenden Motorengeräusche übertönte. Es war blankes Entsetzen und traf damit ziemlich genau die Gefühlslage ihres Schützlings. "Unglaublich, ich kann das nicht glauben" – mehr sagte der Niederländer im Boxenfunk erst einmal nicht, bis Kai Ebel ihn vors RTL-Mikrofon bekam und Verstappen sein Team mit aller (angebrachten) Massivität kritisierte. "Bei einem Topteam dürfen solche Sachen nicht passieren", stelle der 19-Jährige klar: "Am Anfang der Saison kann man noch sagen, dass es Pech ist. Aber jetzt ist es kein Pech mehr. Es ist einfach schlecht."

Dass Verstappen sein Team öffentlich kritisiert, ist wahrlich nicht neu, doch so scharf war der Ton bislang noch nie. Das wohl größte Talent in der Formel 1 ist mit seiner Geduld am Ende – und die blanken Zahlen geben ihm Recht. Sechs defektbedingte Ausfälle in zwölf Rennen sind eine erschütternde Quote. Nur Fernando Alonso, der seinen McLaren-Honda täglich mit Hohn und Spott belegt, liegt mit seinen sieben Ausfällen vorn. Aber selbst Alonsos Knatterkiste hat in diesem Jahr schon mehr Rennkilometer abgespult als Verstappens hoch gepriesener Red Bull-Renault. Das liegt daran, dass der Red Bull des jüngsten Grand-Prix-Siegers aller Zeiten jedes Mal schon vor der 13. Runde kaputt ging.

Marko sarkastisch: "Wir sind doch das Beste, was übrig bleibt"

Der Teamführung gehen angesichts dieser alarmierenden Pleitenserie die Argumente aus, mit denen sie ihren Frontmann besänftigen könnten. Die anhaltenden Trennungsgerüchte kommentierte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko deshalb nur noch sarkastisch: "Wir sind doch das Beste, was übrig bleibt."

Und das ist nicht ganz falsch. Nach Sebastian Vettels Vertragsverlängerung bei Ferrari (bis 2020) scheinen alle Top-Cockpits für 2018 besetzt. Die Verträge von Kimi Räikkönen bei Ferrari und Lewis Hamilton bei Mercedes laufen noch bis Ende 2018, zudem deutet alles darauf hin, dass Silber in Kürze Valtteri Bottas als zweiten Fahrer für die kommende Saison bestätigt. Verstappens Stimmung dürfte das nicht gerade aufhellen.