Irres Rennen in Sao Paulo

Formel 1: Verstappen triumphiert in Brasilien - Vettel und Leclerc kegeln sich raus

18. November 2019 - 8:50 Uhr

Ferrari fällt in Interlagos auf den Grund der Seen

Max Verstappen hat beim Großen Preis von Brasilien mal wieder gezeigt, warum er vielen Formel-1-Fachmännern als Champion der Zukunft gilt. In einem völlig irren Sao-Paulo-Rennen schnupfte der Red-Bull-Pilot mehrmals Weltmeister Lewis Hamilton im Silberpfeil auf und feierte seinen achten GP-Sieg.

Die Ferrari von Sebastian Vettel und Charles Leclerc fielen in Interlagos dagegen in beide Seen. Kurz vor Renn-Ende berührten sich die Rivalen und schieden aus. "Muss das sein?! So ein Bockmist aber auch!", schrie Vettel im Funk - und fasste das Disastro Completo treffend zusammen.

Pierre Gasly wurde im Toro Rosso sensationell Zweiter, McLaren-Señor Carlos Sainz - von 20 gestartet - machte als Dritter fette Beute. Der Spanier profitierte von einer Hamilton-Strafe. Wegen einer Abschuss-Aktion gegen Alexander Albon kassierte der Brite nachträglich eine 5-Sekunden-Strafe - nur Rang 7 statt 3.

Gasly dreht vor Freude völlig durch

In den letzten Runden ging in Brasilien alles drunter und drüber. Eine Safety-Car-Phase warf alle Strategien über den Haufen.

Apropos über den Haufen: In Runde 66 von 71 wurde der Albtraum von Scuderia-Teamchef Mattia Binotto und aller Ferraristi wahr: Auf der Gegengeraden ließen sich die Stallrivalen keinen Platz und fuhren sich in die Karre. Die Folge: Kaputte Radaufhängung bei Leclerc, Reifenschaden bei Vettel und eine Formel-1-Welt, die sich vor Hohn und Spott nicht mehr einkriegt.

Hamilton muss um Platz 3 zittern

​Eine unsaubere Seite zeigte auch Sechsmal-Weltmeister Hamilton. Eine Runde vor Schluss drehte der Mercedes-Star den Red Bull von Alexander Albon um, vermasselte dem jungen Thailänder Platz 2 und somit das erste Podium der Karriere.

Hamiltons Last-Second-Attacke gegen Gasly wäre wegen der nachträglichen Strafe zwar eh für umme gewesen. Atemberaubend war es aber allemal,  wie der junge Franzose auf der Zielgeraden seinen in all dem Wahnsinn eroberten Silber-Rang vor dem heranfliegenden Mercedes nach Hause brachte.

"Aaaaaaaaaaaaaahhhh .... Aaahhhhhhhhhhhh ... Aaaaaaaaaaaaaah!" - der zur Saisonmitte von Red Bull degradierte Gasly ließ seinen Gefühlen nach seinem ersten Podestplatz in der Formel 1 freien Lauf. Chapeau!

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Der Sao-Paulo-Wahnsinn im Zeitraffer

Start: Verstappen bleibt souverän vorne. Vettel kommt daneben zwar gut weg, auf der schmutzigen Innenseite aber nicht in die Puschen. Der Ferrari-Pilot versucht, Hamilton abzudrängen. Vergebens: Im Senna-S schlüpft der Weltmeister außen vorbei. Vettels Versuch einer Gegenattacke auf der Gegengeraden verpufft.

Tolle Renn-Action dahinter: Leclerc presst sich im Infield an Daniel Ricciardos Renault vorbei. Im Linksknick vor der Bergaufpassage will der Ferrari-Mann außen an Lando Norris im McLaren vorbei. Der junge Engländer hält gnadenlos dagegen. Auf Start/Ziel hat er dann keine Chance mehr.

Runde 8: Das geht in die Hose: In Kurve 4 bremst sich Ricciardo auf einer der letzten Rillen neben Haas-Pilot Kevin Magnussen. Der Aussie verbremst sich und befördert den Dänen in die Auslaufzone. "Dieser ver****** Idiot!", flucht Magnussen im Haas-Radio. Ricciardo kassiert für die Abschuss-Aktion eine 5-Sekunden-Strafe, die er beim Boxenstopp absitzen muss.

Williams steht Verstappen im Weg

Runde 19: "Meine Walzen sind durch", kabelt Verstappen sinngemäß durch. Ein Bluff oder fordert der Holländer den ersten Stopp?

Runde 20: Den Undercut wagt aber Mercedes: Hamilton bekommt frische Soft-Pneus aufgeschnallt. Kurz vor dem Service hatte er noch drei Zehntel Rückstand weggeknabbert.

Runde 21: Die Bullen-Crew reagiert sofort! 1,9 Sekunden, Soft-Schluppen – bockstarke Arbeit der Mechaniker. Aber dann der Garagen-Hammer: Williams-Bummler Robert Kubica setzt sich vor Verstappens Schnauze, drängt den Holländer fast in die Boxenmauer. Klarer Fall von Unsafe Release! Verstappen hängt bei der Ausfahrt hinter dem Polen fest und verliert die Führung an Hamilton. Godverdomme!

Verstappen krallt sich Hamilton - Teil 1

Runde 21: Jetzt geht's ab wie Schnitzel: Binnen weniger Kurven fliegen Hamilton und Verstappen am durchgeschlüpften Leclerc vorbei. Auf Start/Ziel lässt der Holländer seinen Frust raus und schießt an Hamilton vorbei. Starkes Manöver! Bei all dem Trubel geht fast unter, dass Vettel die Führung übernommen hat.

Runde 25-30: Andere Strategie bei Ferrari: Die Roten satteln bei Vettel auf Medium um. Mit den mittelharten Schlappen kann der Deutsche auf jeden Fall einen längeren zweiten Stint fahren als die softbereifte Konkurrenz.

Bottas und Leclerc setzen dagegen auf die harten Reifen – sie wollen mit einer 1-Stopp-Strategie durchkommen. Die Reihenfolge nach den ersten Boxenbesuchen: Verstappen (Soft), Hamilton (Soft), Vettel (Medium), Bottas (Hart), Albon (Medium), Leclerc (Hart).

Red-Bull wehrt Undercut ab

Runde 42: Bottas wechselt schon wieder, dieses Mal auf Medium. Offenbar kam der Finne mit den harten Walzen gar nicht klar. Er fällt zurück auf Position 6.

Runde 44/45: Mercedes geht wieder aggressiv vor: Hamilton kommt rein und kriegt in 3,3 Sekunden frische Mediums. Erneut kontert Red Bull in der Garage – 1,9 Sekunden, ebenfalls Medium und raus. Silber-Angriff abgewehrt, Verstappen kommt rund zwei Sekunden vor dem Briten zurück auf die Strecke. Vettel übernimmt durch die Stopps die Führung.

Bottas-Motor macht schlapp

Runde 46-49: Bottas hängt trotz frischer Pneus hinter Leclerc fest, kommt trotz Windschatten einfach nicht am Monegassen vorbei. Ein klarer Beweis für Ferraris Geraden-Stärke: Die Roten haben noch immer den mit Abstand stärksten Motor.

Runde 50: Vettel biegt zum Reifenservice ab, bevor ihn Verstappen schnupfen kann. Mit frischen Soft-Schluppen, aber auch 20 Sekunden Rückstand auf Verstappen geht's weiter.

Runde 52: Rundenlang hat es Bottas versucht, jetzt gibt sein Mercedes-Motor den Geist auf. Mit Qualm im Heck rollt der Finne in Kurve 4 raus.

Verstappen krallt sich Hamilton - Teil 2

Runde 55: Weil die Marshalls viel Zeit für das Bottas-Wrack brauchen, kommt das Safety Car raus. Verstappen nutzt das zu einem weiteren Stopp und schnallt sich frische Soft-Pneus auf. Hamilton bleibt draußen. Verstappen kommt vor Vettel als Zweiter zurück. Heißt: Der Holländer hat sich für einen Großangriff gerüstet. "Krieg ich jetzt mehr Power?", quengelt ein abwehrbereiter Lewis am Funk. Der Ingenieur faselt irgendwas von Modus 5 oder so.

Runde 60: Das Safety Car macht sich wieder vom Acker. Hamilton zwängt das Feld zum Entenmarsch. Bringt nix: Auf Start/Ziel ballert Verstappen vorbei, dahinter krallt sich Albon den Ferrari von Vettel, der den Re-Start einigermaßen verpennt hat. Die Gegengerade: Verstappen macht die Innenbahn zu und verteidigt seine Führung mit allem, was er hat.

Ferraris Doppel-Nuller ruinieren ihr Rennen

Runde 66: Porca miseria! Leclerc zieht im Senna-S an Vettel vorbei, auf der Geraden will der viermalige Weltmeister kontern. Keiner der roten Dickköpfe gibt klein bei, Vettel zieht ein Stück nach links, Leclerc bleibt voll auf seiner Linie. Die Rivalen berühren sich hauchzart. Kleiner Touch, verheerende Wirkung! Beide Ferrari sind im Eimer. Doppel-Nuller für Maranello. 

Runde 67: Wieder Safety Car, Hamilton rüstet noch mal auf Soft und kommt hinter Verstappen, Albon und Gasly auf 4 zurück.

Runde 70/Ziel: Mit frischen Gummis will es der Champion wissen, vertut sich aber und dreht Albon um. Gasly schlüpft durch.

Vom Chaos hinter ihm unbehelligt rast Verstappen zu seinem achten GP-Sieg. Gasly rettet Rang 2, Sainz wird nachträglich Dritter. Es folgen die Alfa-Piloten Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi. Ricciardo, Hamilton, Norris, Sergio Perez und Daniil Kvyat komplettieren die Top 10.