2018 M08 1 - 16:12 Uhr

Ungarn-GP: Sebastian Vettel trotz verkorkstem Stopp Zweiter

Aus Regengott wird Sonnengott: Mit einer souveränen Puszta-Performance hat sich Lewis Hamilton zum Sieg beim Großen Preis von Ungarn gezaubert. Der Polesetter vom verregneten Samstag ließ auf dem wieder von der Sonne aufgeheizten Hungaroring nichts anbrennen und durfte sich auch bei der Ferrari-Crew bedanken, die Sebastian Vettels Attacke von Startplatz 4 durch einen verkorksten Boxenstopp zunichte machte. Zwar betrieb Vettel mit Platz 2 eindrucksvoll Schadensbegrenzung, dennoch geht der Mercedes-Star mit 24 Punkten Vorsprung auf Vettel in der WM-Wertung in die Sommerpause.

Verstappen hat früh Feierabend

Fast hätte Valtteri Bottas Motorsportchef Toto Wolff mit einem silbernen Doppelsieg den nächsten euphorischen Moment beschert, doch fünf Runden vor dem Ende krallte sich Vettel den Finnen mit einem sackstarken Manöver. Bottas musste am Ende froh sein, dass es noch zu Platz 5 hinter Red-Bull-Mann Daniel Ricciardo (von Rang 13 gestartet!) reichte. Denn wegen einer Kollission mit dem Australier brummtem die Rennkommissare dem Finnen nach dem Rennen noch eine 10-Sekunden-Strafe auf.

Von Euphorie nur träumen hingegen kann Max Verstappen. Der Holländer musste seinen Red Bull mit kaputter MGU-H in der sechsten Runde abstellen. Nach seinem insgesamt 17. Ausfall war Verstappen mindestens auf 180.

Räikkönen mit Zwei-Stopp-Strategie Dritter

Dritter in Budapest wurde Vettels Teamkollege Kimi Räikkönen, der als einziger Topfahrer zwei Stopps absolvierte. Toro-Rosso-Mann Pierrre Gasly überzeigte als Sechster. Für Nico Hülkenberg lief das Rennen gleichwohl bescheiden. Der Renault-Pilot kam nicht über Platz 12 hinaus - aber immerhin ins Ziel: Im Jahr 2014, 2015 und 2017 war er hier ausgeschieden.

Hier den Ungarn-GP noch mal in voller Länge genießen

Das Rennen im Liveticker nachlesen

Alle Ergebnisse vom Großen Preis von Ungarn

Das 12. Formel-1-Saisonrennen im digitalen Daumenkino

Start | Runde 1: Perfekter Start der beiden Mercedes. Räikkönen, wie Hamilton und Bottas auf Ultrasoft, schafft es nicht, die Silberpfeile aufzumischen. Vor allem, weil Bottas seinen Kompagnon wie ein eiserner Ritter schützt. Vettel, als einziger Top-Pilot auf Soft-Pneus gestartet, krallt sich kurz darauf seinen Stallgefährten und schiebt sich auf Position 3 vor. Leclerc muss derweil schon seinen defekten Sauber abstellen.

Runde 6: Verstappen hat keine Power mehr und kann seinen Dienstwagen in die Gulaschtonne kloppen. Der Holländer hatte schon das ganze Wochenende Probleme damit, seine Batterie zu laden. "So ein Sch…", mault Mad-Max an die Box. Sein Ausfall hat den ersten Einsatz des Virtual-Safety-Cars zur Folge.

Runde 11: Räikkönen sitzt sprichwörtlich auf dem Trockenen. Ferrari hat vergessen, seine Trinkwasservorräte ans Versorgungssystem anzuschließen. Nun kann Kimi nichts trinken. Rotes Waterloo sozusagen. Dafür ist Renault-Pilot Hülkenberg mittlerweile von Startplatz 13 auf Rang 9 gespült worden.

Runden 15-16: Räikkönen kommt als Erster an die Box und erhält Soft-Gummis. Der Stopp dauert unangenehm lange, weil vorne in der Bremsbelüftung Gummiteile waren. Immerhin kommt er als Sechster zurück auf die Strecke. Einen Umlauf später reagiert Mercedes und holt Bottas rein, um ihm die gelben Walzen umzuschnallen. Er kommt als Fünfter zurück ins Feld. Hamiltons Vorsprung auf Vettel beträgt schon sieben Sekunden.

Runden 20-21: Bottas krallt sich Gasly, der sich erstaunlich stark vorne hält, und ist Dritter hinter Vettel. Hamilton vermerkt, seine Ultrasofts würden ziemlich heiß. Vettel kann wieder mehr Boden auf den Briten gutmachen. 1,5 Sekunden pro Runde ist er derzeit schneller.

Vettels Boxenstopp geht in die Hose

Runden 24-25: Hülkenberg kommt mit Balance-Problemen an seinem Renault erstmals an die Box und bekommt mit Medium-Pneus die härteste zur Verfügung stehende Reifenmischung. Eine Runde später biegt auch Hamilton zum ersten Mal in die Boxengasse ein. Nach 2,7 Sekunden kommt der Brite mit frischen Soft-Reifen als Zweiter hinter Vettel zurück auf den Parcours. Wie lange wird Vettel seine durchgenudelten Softs noch über den Asphalt prügeln können?

Runde 27: Red-Bull-Lichtblick Ricciardo hat sich mittlerweile auf Platz 5 vorgeknechtet. Der Honigdachs war von 12 gestartet und stellt einmal mehr sein Racer-Herz unter Beweis. Vettel hält seine knapp 14 Sekunden Vorsprung auf Hamilton – für einen Boxenstopp benötigt er rund 22 Sekunden. Derweil kloppen sich Bottas und Räikkönen im rein finnischen Zweikampf um Platz 3.

Runde 36: Durch das Überrunden vor ihm liegender Wagen hat Vettel Zeit auf Hamilton verloren. Sein Vorsprung ist auf ca. 12 Sekunden geschmolzen. Höchstwahrscheinlich wird Ferrari versuchen, Vettel so lange wie möglich auf den Softs fahren zu lassen, um Hamilton im Finish auf den schnellen Ultrasofts zu attackieren.

Runde 39: Unmittelbar nach Räikkönens zweitem Boxenstopp (Soft -> Soft) holt Ferrari Vettel erstmals an die Box, um ihn mit frischen Ultrasofts zu versorgen. Der Stopp geht aber – gelinde gesagt – in die Hose. 4,2 Sekunden brauchen die Mechaniker für den Reifenwechsel. Am linken Vorderreifen gab es Probleme. So kommt Vettel als Dritter hinter Bottas wieder aufs Schlachtfeld zurück. Bei einem sauberen Stopp wäre Vettel vor Bottas geblieben. Was ist jetzt noch für Vettel drin?

Showdown in Runde 65: Vettel krallt sich Bottas

Runden 45-46: Zu guter Letzt kommt auch Ricciardo zum ersten und wohl einzigen Mal an die Box und legt seine auf Präservativ-Niveau runtergeholzten Ultrasofts auf den Stapel der Reifengeschichte. "Wie alt sind Bottas' Reifen?", fragt Vettel derweil via Funk. Die Info ist ernüchternd. Er wird durchfahren. Um hier zumindest Zweiter zu werden, muss sich Vettel den Finnen im laufenden Verkehr schnappen. Hamilton gondelt derweil seinem sechsten Ungarn-Sieg entgegen.

Runde 55: Vettel beißt sich an Bottas die Zähne aus. Selbst mit DRS und einem kleinen Verbremser des Finnen (Alonso klebt ihm vor der Nase) kommt er nicht vorbei.

Runde 65: Vettel nutzt das x-te DRS-Fenster und schiebt sich waghalsig, aber fair an Bottas vorbei! Dabei streift er den innenliegenden Mercedes-Mann, dabei trifft ihn aber keine Schuld. Im Gegenteil: Bottas gibt trotz Aussichtslosigkeit nicht nach. Beide Piloten können weiterfahren. Vettel meldet, seine Reifen seien okay, Bottas' Frontflügel hingegen hängt tiefer runter als weiland Derricks Tränensäcke. Ganz starkes Manöver von Vettel, der mit Platz 2 hier das Bestmögliche rausholt.

Runde 68: Dem coolen Finnen brennt die Sicherung durch. Beim Überholversuch von Ricciardo schießt Bottas den Red-Bull-Mann am Ende der Start-Ziel-Geraden in die Karre. Unfeine Aktion. Am Ende muss sich der Finne beugen, in der letzten Runde lässt er Ricciardo vorbei. Für den Rammstoß setzt es nach dem Rennen trotzdem noch eine 10-Sekunden-Zeitstrafe - Bottas bleibt aber trotzdem Fünfter.

Ziel: Hamilton bringt seine Pole nach Hause und fährt seinen sechsten Sieg in Ungarn ein. Vettel rettet die Ferrari-Ehre mit dem 2. Platz vor Räikkönen.