Großer Preis von Ungarn

Formel 1: Hamilton bereitet Verstappen-Wahnsinn ein Ende - Ferrari geht die Puszta aus

05. August 2019 - 11:39 Uhr

Hamilton ist der Magyar-Magier

Seiner historischen Pole hätte Max Verstappen beinahe einen weiteren Husarenstreich folgen lassen. Beim Großen Preis von Ungarn präsentierte sich der Red-Bull-Shootingstar erneut von seiner Schokoladenseite - gab im spektakulären Finale auf dem Hungaroring aber drei Runden vor Schluss seinen dritten Saisonsieg aus den Händen.

Ferrari fährt nur hinterher - und trotzdem aufs Podest

Etliche Attacken von Verfolger Lewis Hamilton hatte der Holländer erfolgreich abgewehrt, ehe der fünfmalige Weltmeister, dessen Team ihn mit einer Zwei-Stopp-Taktik meisterhaft unterstütze, in Runde 67 am Red-Bull-Mann vorbeizog (siehe Video oben) und seinen 81. Grand-Prix-Sieg unter Dach und Fach brachte. Für Hamilton war es siebte Streich auf dem Hungaroring.  

"Das Team hat heute die ganze Zeit an mich geglaubt. Wir sind seit sieben Jahren zusammen und es wird nie langweilig, es fühlt sich heute wieder grandios an. Ich wusste nicht, ob ich die 19 Sekunden aufholen könnte, aber mein Team hat mir gesagt: 'Bleib einfach cool, und push weiter'. Das war jede Runde wie im Qualifying. Wäre Niki (Lauda, Anm.d.Red.) heute hier, hätte er den Hut gezogen vor dieser Teamleistung", sagte Hamilton nach seinem Meisterstück in Budapest.

Debakel für Ferrari

Dritter wurde Ferrari-Pilot Sebastian Vettel vor Teamkollege Charles Leclerc. Trotz des Podestplatzes erlebten die Roten in der Puszta ein Speed-Debakel: Zu keinem Zeitpunkt konnte Ferrari das Tempo von Red Bull und Mercedes mitgehen und muss sich weiter ernsthaft Gedanken über seine Konkurrenzfähigkeit machen. Vettel kündigte anschließend an, die Sommerpause bei Ferrari streichen zu wollen.

Der Ungarn-GP im digitalen Daumenkino

Start: Verstappen kommt gut weg. Dahinter streichelt Hamilton Bottas mit der Kratzbürste und schiebt sich auf Platz 2 vor. Auch Leclerc kassiert den ramponierten Bottas-Boliden, der jetzt vor Vettel nur noch auf Platz vier liegt. Bei Mercedes präpariert man sich umgehend für einen Nasenwechsel bei Bottas, der wie die Pressefreiheit in Ungarn immer mehr an Boden verliert und die Rasselbande hinter sich empfindlich aufhält.

Runde 6: Die Erlösung: Mercedes holt Bottas rein. Mit neuer Nase und harten Gummis geht es für den Finnen wieder zurück auf den Asphalt. Jetzt darf er das Feld von hinten aufrollen. In Ungarn eine Herkulesaufgabe. Derweil kontert Verstappen sämtliche Angriffsversuche von Hamilton und bleibt in Führung.

Runde 9: Schon jetzt wird es um das Führungsduo ziemlich einsam. Leclerc als Dritter verliert pro Runde etwa eine halbe Sekunde auf Verstappen und Hamilton. Vettel hingegen kann nur wenig Druck auf seinen Stallgefährten ausüben. Frappierend, wie Ferrari in Sachen Speed derart abstinkt.

Geiles Racing auch untenrum

Runde 14: Hülkenberg funkt an die Box, dass er auf der Geraden Leistung verliert. Noch ist der Renault-Pilot Zehnter – in Sichtweite zu Gasly, der bei Red Bull im Gegensatz zu Verstappen offenbar dafür zuständig ist, kein Tempo zu machen.

Runde 19: Geiles Racing untenrum: Die beiden Toro-Rosso-Piloten Kvyat und Albon liefern sich ein heißumkämpftes Duell um Platz 12, das der Russe nach einer gefühlten Ewigkeit und Schnappatmung am Kommandostand für sich entscheidet.

Runden 21-23: Verstappen verliert zunehmend an Grip. Auch nach wiederholtem Betteln lässt Red Bull den Holländer nicht in die Box. Zu groß ist die Befürchtung, er würde zwischen den Ferrari zurück auf die Strecke kommen und im roten Schnecken-Sandwich verkümmern.

Runden 25-26: Verstappens Pneus sind platter als der Plattensee – da wird er endlich erhört. Red Bull ruft ihn an die Box. Und siehe da: Nach vorbildlichem Stopp knattert er vor Leclerc als Zweiter zurück ins Feld. Auch Verstappen nun mit den harten Reifen unterwegs. "It's Hammer-Time" funkt derweil der silberne Renningenieur in Hamiltons Ohren. Wohlwissend, dass auch die Walzen des Briten nicht mehr ewig halten werden.

Runde 29: Schritt für Schritt machen Bottas und Qualifying-Opfer Ricciardo in der Zwischenzeit Boden gut.

Runde 39: Mega-Duell zwischen Hamilton und Verstappen

Runden 32-34: Jetzt kommt auch Hamilton an die Box und lässt sich die harten Reifen umschnallen. Der Stopp war überschaubar schnell, die Performance danach allerdings bockstark. In 1:19,653 Minuten ist der Mercedes-Pilot zwei Sekunden schneller als Verstappen, der immer mehr die heiße Puszta Hamiltons im Nacken spürt.

Runde 39: Vollgas-Attacke von Hamilton auf die Spitze: In Kurve 3 versucht der Brite auf der Außenbahn an Verstappen vorbeizuziehen, wird aber zu weit rausgedrängt und schnuppert wieder nur am Hinterteil von Mad Max, der seine Führung auch in diesem Mega-Duell behauptet.

Runde 40: 5,8 Sekunden braucht Ferrari für Vettels ersten Stopp. Gute Nacht. Scuderia-Strategie jetzt: Mit Soft-Pneus die Brechstange rausholen.

Silber-Strategie entpuppt sich als Volltreffer

Runde 44: Sehr witzig: Verstappen fragt via Funk nach, ob bei Hamiltons Auto alles in Ordnung sei, er vermisse die Angriffe seines Verfolgers. Tatsächlich hat Hamilton zuvor seinem Team gesteckt, er könne nicht mehr pushen. Nun ja, Ferrari verliert zeitgleich eine Sekunde pro Runde auf das Top-Duo. Angenehm ist anders.

Runde 48: Mercedes holt Hamilton noch mal an die Box. Mit neuen gelben Schlappen (medium) soll der Brite noch mehr knüppeln.

Runde 51: In 1:19,199 haut Hamilton direkt eine schnellste Rennrunde raus. Zuvor hatte er sein Team angefunkt mit der Frage, ob ein zweiter Stopp wohl die richtige Strategie gewesen sei. Wenn man das nur alles vorher schon wüsste…

Runde 56: Vettel kann man wirklich nichts vorwerfen. Er kämpft, ackert, kommt sogar ein bisschen näher an Leclerc heran. Aber was hilft's, wenn am Ende wieder nichts Zählbares herausspringt. Ein Kind will ja auch das Bonbon – und nicht nur das Papier drumherum. Bottas hat sich übrigens auf Platz 9 vorgearbeitet. Saubere Leistung des Finnen hier auf dem überholunfreundlichen Parcours.

Runde 60: Hamilton wird schneller und schneller und brennt die x-te schnellste Rennrunde in den Asphalt. 1:18,528 stehen diesmal auf der Tafel. Noch hat Verstappen sieben Sekunden Vorsprung – bei noch zu absolvierenden sieben Runden. Das wird eine ganz enge Kiste.

Runde 64: Verstappen jammert, seine Reifen wären vollends im Eimer. Ok, dem Holländer würde man auch zutrauen, barfuß das Ding nach Hause zu bringen. Wie lange geht das noch gut? Hamilton drückt und drängt und kommt immer näher. Beide Fahrer ballern hier seit 64 Runden alles raus, was es rauszuballern gibt.

Runde 67: Jetzt ist es soweit: Verstappens tapferer Kampf hat ein Ende gefunden. Auf der Start-Ziel-Geraden schnappt sich Hamilton den Holländer und übernimmt drei Runden vor Rennende die Führung. Zurück zur Strategie (s.o.): Alles richtig gemacht.

Runden 68-Ziel: Verstappen macht einen Haken hinter seinen dritten Saisonsieg – nicht aber hinter die schnellste Rennrunde. Der Holländer biegt ebenfalls noch mal in die Box ab, holt sich neue Softs – und presst eine sagenhafte 1:17,103 raus. Zumindest den Extrapunkt hat er damit in der Tasche. Währenddessen tuckert Hamilton nach einem wahrhaft großen Finale seinem 7. Ungarn-Sieg und seinem 81. GP-Sieg entgegen. Well done, boy.

Dahinter spielen sich noch kleine Podestmanöver ab. Vettel krallt sich seinen Stallgefährten, wobei Leclerc ordentlich in die Eisen steigen muss, um eine Kollision zu vermeiden. So darf der Deutsche auch noch ein Füßchen aufs Treppchen setzen. Platz 3 ist auch heute wieder – unter normalen Umständen – rote Maximalausbeute.

Verstappen: "Mercedes war zu schnell"

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