Mercedes-Doppelsieg beim Großbritannien-GP

Formel 1: Hamilton Traumtänzer von Silverstone - Debakel für Vettel

16. Juli 2019 - 9:35 Uhr

Vettel schmeißt Podium weg

Und am Ende war doch wieder alles wie gehabt: Mit seinem sechsten Triumph bei seinem Heimspiel in Silverstone hat Lewis Hamilton erneut seine Allmacht in der Formel 1 demonstriert. Für den Briten, der sich in der letzten Runde in 1:27,369 auch noch den Extrapunkt für die Schnellste Rennrunde ans Revers klebte, war es der 80. GP-Sieg überhaupt. Valtteri Bottas' zweiter Platz beim Großen Preis von Großbritannien machte den 51. Doppelsieg von Mercedes perfekt.

Wie oft noch? Vettel verbremst sich

Ferrari indes erlebte ein Rennen zum Vergessen. Zwar rettete Charles Leclerc, der sich im gesamten Rennen heiße Duelle mit Max Verstappen lieferte, noch den letzten Platz auf dem Podest, Sebastian Vettel hingegen crashte sich fünfzehn Runden vor dem Ende um den Verstand - und um den eigentlich verdienten Lohn, der im Home of British Motor Racing Platz 3 hätte bedeuten können.

Nachdem er von Verstappen überholt worden war, setzte der viermalige Weltmeister zum Konter an, verbremste sich und rauschte dem Holländer ins Heck. Das Rennen beendete Vettel am Bodensatz des Tableaus (Platz 16) - und dürfte weiter schweren Zeiten entgegenblicken. "Schon doof, ich habe es mir selbst schwierig gemacht. Es geht auf meine Kappe. Ich war auch bei ihm und habe mich entschuldigt", gab Vettel nach dem Rennen ehrlicherweise zu Protokoll.

Video: So sah Vettel die Situation, die zum Crash führte

Der Großbritannien-GP im digitalen Daumenkino

Start | Runde 1: Schwacher Start von Bottas, der aber seine Führungsposition vor Hamilton behält. Vettel macht einen Platz gut und verdrängt Gasly von Rang 5. Hinten räumen sich die beiden Haas selbst ab. Grosjean kollidiert mit Magnussen und muss kurz darauf in die Box.

Runde 3: Bottas legt mit 1:31,644 Minuten die erste Schnellste Rennrunde hin.

Runde 4: Erbitterter Zweikampf zwischen Bottas und Hamilton um die Führung. Erst krallt sich Hamilton den Finnen unter ohrenbetäubendem Lärm, doch Bottas schlägt zwei Kurven später zurück und zeigt dem Lokalmatador wieder die Heckflosse. Das Publikum verstummt auf Knopfdruck.

Runde 8: Für Magnussen ist Feierabend. Der Haas-Pilot wird in die Box geschoben. Derweil hauen sich Bottas und Hamilton gegenseitig die Schnellsten Rennrunden um die Ohren. Im silbernen Säbelrasseln hat Bottas weiter die Hosen an.

Runden 11-12: Vettels Attacke auf Verstappen, der sich an Leclerc abarbeitet, fruchtet nicht. Sowohl Vettels als auch Leclercs linke Vorderreifen - beide waren auf Soft-Gummis gestartet - gleichen mittlerweile durchgenudelten Spülschwämmen. Eine Runde später kassiert Gasly Vettel und ist wieder Fünfter. Kurz darauf biegt Gasly in die Box ab und wechselt von Medium auf Hard.

Runde 14: Leclerc und Verstappen synchron zum 1. Stopp - und genauso synchron verarztet. Die Folge: Dicht an dicht knattern beide durch die Boxengasse, wobei sich Verstappen an Leclerc vorbeimogelt. Leclercs Antwort folgt auf offenem Asphalt: Der Monegasse schiebt sich am Holländer vorbei und übernimmt wieder seine Position.

Runden 16-17: Nicht nur Hamilton und Bottas liefern sich einen heißes Duell an die Spitze, auch Leclerc und Verstappen kämpfen auf Biegen und Brechen um Platz 4. Vettels rote Walzen halten noch - auch Hamilton gelbe. Bottas wechselt dafür als erster Mercedes von Medium auf Medium.

Runde 21: Während der ersten Safety-Car-Phase (Giovinazzi-Ausritt ins Kiesbett) biegen auch Hamilton und Vettel gleichzeitig zum ersten Boxenstopp ein und ziehen die weißen Gummis auf, also die härteste Reifenmischung. Hamilton und Vettel also mit einer spontanen Einstopp-Strategie hier - im Gegensatz zum Rest. Verstappen und Leclerc nutzen die Gelbe Flagge zu ihrer zweiten Boxen-Einkehr. Da Ferrari etwas spät auf Red Bull reagiert, verliert Leclerc Position 5 an den Holländer.

Im Video: Boxenstopp-Gerangel zwischen Verstappen und Leclerc

Runde 25: Für Hamilton läuft es wie geschnitten Fish'n'Chips. Alle Attacken von Bottas verwaltet der Brite herrisch weg, brennt eine Schnellste Rennrunde nach der anderen in den Asphalt und adrenalisiert sich den Traum vom 6. Heimsieg im Home of British Motor Racing zurecht. Dahinter bekriegen sich Leclerc und Verstappen weiter inbrünstig mit dem Messer zwischen den Zähnen. Dazwischen machen Vettel und Gasly auf den Plätzen 3 und 4 quasi Urlaub.

Runde 27: Verstappen geht - ohne Gegenwehr - mit Gasly Gassi und schiebt sich auf Rang 4 vor. James Bond hätte solche Geschenke eher ungern angenommen.

Runde 32: Wird Vettel Verstappens nächstes Opfer? Noch 20 Runden sind zu gehen, Vorteil für den reifenschmeichelnden Red Bull. Hamiltons Abstand auf Bottas vergrößert sich erstmals auf zwei Sekunden.

Runde 36: Leclerc schnappt sich Gasly und ist Fünfter. Durchatmen bei Ferrari, die den zweiten Stopp des Monegassen verbockt haben. Wenngleich Platz 5 für den von Position 3 gestarteten Youngster auch nicht mehr bedeuten würde als eine leere Dose Chappi für den Hund.

Im Video: Christian Danner seziert den Großbritannien-GP

Runde 37: Jetzt zieht Verstappen an Vettel vorbei. Doch der Konter folgt – und wie! Der Ferrari-Pilot verbremst sich und rauscht dem Holländer ins Heck. Bondage statt Bond. Beide rauschen ins Kiesbett, können aber wieder auf die Strecke zurückkehren. Beide Frontflügel sind beschädigt – mehr aber auch nicht. Vettel holt sich eine neue Nase und neue Reifen und fällt ans Ende des Feldes zurück. Oh Mann, dabei hätte er sich mit einem blitzsauberen Rennen und einem Podiumsplatz mal wieder ein bisschen Balsam auf die geschundene Seele schmieren können.

Runde 44: Die Stewarts brummen Vettel für die Aktion eine 10-Sekunden-Strafe auf. Porca miseria - aber eben auch korrekt. Und auch egal. Das Rennen ist sowas von gelaufen.

Runde 45: Bottas kommt noch mal an die Box und wechselt auch die weichste Reifenmischung, um wenigstens noch den Extrapunkt für die Schnellste Rennrunde einzuheimsen.

Runde 52: Klappt aber nicht, denn die sichert sich Hamilton (1:27,369 Minuten = Rundenrekord), der vor 140.000 durchdrehenden Zuschauern seinem 6. Heimsieg entgegencruist. Damit zieht der Brite mit Alain Prost gleich. Der Franzose hatte ebenfalls sechs Siege bei seinem Heim-GP eingefahren.

Im Video: Hamilton nach Happy End selig

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