Coulthard stellt die Gretchenfrage

Hamilton oder Mercedes - Wer hat neuen Vertrag nötiger?

David Coulthard kennt sich mit Formel-1-Verträgen gut aus - und Lewis Hamilton kennt er auch gut
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26. Januar 2021 - 14:39 Uhr

Hamilton für Mercedes weniger wert als umgekehrt?

Wer hat es nötiger? David Coulthard hat die Gretchenfrage im Vertragspoker zwischen Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton und Mercedes auf den Punkt gebracht. Der Schotte hinterfragt Hamiltons "Wert" für die Marke Mercedes, gibt aber auch zu Bedenken, dass das ganze Hick-Hack eine wohl temperierte PR-Strategie beider Seiten sein könnte.

Coulthard: Alles dreht sich um den "Wert"

"Da werden viele Spielchen gespielt", kommentierte Coulthard im Gespräch mit "Express Sport" die zähen Vertragsverhandlungen zwischen Hamilton und Mercedes.

Die entscheidende Frage laute: "Wer hat mehr davon, wenn Lewis Hamilton dieses Jahr den WM-Rekord bricht: Lewis oder Mercedes? Wenn Lewis mehr davon hat, ein achtmaliger Weltmeister zu sein, ist für Mercedes eigentlich nichts herauszuholen. Wenn Mercedes mehr davon hat, wird Lewis das ziemlich egal sein, weil er immer noch zum achten Mal Weltmeister wird", erläuterte "DC".

Ist Hamilton für Mercedes gar nicht so viel wert wie umgekehrt Mercedes für Hamilton? Ein wenig klingt es so.

Will Hamilton mehr Marketingrechte?

"Geschäft ist Geschäft. Niemand verteilt einfach so Geld, nur, weil jemand nett oder gut ist. Es muss eine Vereinbarung über den spürbaren Wert geben", sagte Coulthard, der von 1996 bis 2004 für McLaren-Mercedes in der Formel 1 startete.

Streitpunkte in den Verhandlungen sollen laut Medienberichten unter anderem die Themen Marketingrechte und Anteile am Mercedes-Team sein. Auch dazu äußerte sich Coulthard.

"Vielleicht will Lewis mehr Marketingrechte, um etwa sein Bild neben Mercedes zu nutzen, was er bislang nicht darf, wie ich annehme", spekulierte der 49-Jährige. Hamilton dürfe beispielsweise "einen Lewis-Hamilton-Wodka" nicht neben einem Formel-1-Auto zeigen, "weil die Rechte dem Team gehören. Vielleicht verhandelt er darüber."

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In Verträge kann alles rein

Generell ließe sich problemlos eine "Enzyklopädie" verfassen, was alles in einem Vertrag stehen könne, sagte Coulthard. "Wenn man es sich vorstellen kann, kann es auch in einen Vertrag."

Manche Fahrer hätten sich sogar schon vertraglich zusichern lassen, nicht gegen einen bestimmten Teamkollegen zu fahren", machte der 13-malige GP-Sieger einen Exkurs in die F1-Geschichte.

Als Beispiel nannte Coulthard Alain Prost, der für die Saison 1993 nur unter der Bedingung bei Williams unterschrieb, nicht noch einmal ein Fahrerduo mit seinem Erzrivalen Ayrton Senna zu bilden. Der Brasilianer wiederum habe dies 1993 ausgenutzt, um Prost am Verhandlungstisch zu schwächen, indem er verkündete, "umsonst" für Williams zu fahren.

Vertrags-Gedöns nur PR-Strategie?

Coulthard gab allerdings auch zu Bedenken, dass Mercedes und Hamilton den Vertrags-Deal bewusst so lange hinauszögern könnten.

"Nur weil offiziell noch nichts unterschrieben ist, heißt das nicht, dass der Vertrag nicht doch unterschrieben ist." Das Hick-Hack könne letztlich auch eine "Medien-Strategie" sein, um das Interesse an Hamilton und Mercedes "hochzuhalten", so der Ex-F1-Pilot. "Ich sage nicht, dass das so ist, nur, dass es so sein könnte."

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