Grazie, Seb!

Kommentar: Vettel von Ferrari mies ausgebremst

03. Juli 2020 - 14:38 Uhr

Von Klaus Jakob

Happy Birthday, Sebastian Vettel! Aufrichtige Wünsche zum heutigen 33. Geburtstag kann er gut gebrauchen, nachdem der deutsche Formel-1-Star von Ferrari mies ausgebremst wurde.

Demütigung für Vettel

Wer am Donnerstag erstmals nach der Bekanntgabe der Trennung zum Saisonende den Worten des Noch-Ferrari-Fahrers zu den Ursachen lauschte, war, "Mamma Mia", einfach geschockt, wie Sebastian Vettel selbst, sichtlich und hörbar – auch Wochen danach.

Die Scuderia hatte ihm, dem viermaligen Weltmeister, kein Vertragsangebot mehr gemacht und lässt ihn sozusagen noch ausrollen, obwohl er weitermachen wollte. Das bekundete Vettel exklusiv bei RTL. Die Pressemitteilung von Ferrari im Mai von einer gemeinsamen getroffenen Entscheidung ist demnach falsch. Alarmstufe rot schon vor dem ersten Boxenstopp der neuen Saison.

Video: "Jedes Rennen könnte das letzte sein"

Vettel will es nochmal allen zeigen

Stattdessen haben sich die Italiener früh auf Talent und Heißsporn Leclerc als Nummer 1 und die Zukunft festgelegt und mit Wasserträger Carlos Sainz auch schon eine klare Nummer 2 für die nächste Saison verpflichtet .

Die Schmach für Vettel abgeschoben zu werden (er hätte sehr gerne seinen Vertrag verlängert), treibt ihn jetzt wohl noch einmal zu Höchstleistungen an. Er will es allen, allen voran Leclerc, zeigen, dass er der bessere Fahrer ist und zu Unrecht degradiert wurde.

Fünf lange, spannende und auch zähe Jahre versuchte Vettel, seinem großen Vorbild Michael Schumacher bei Ferrari nachzufolgen. Auch der Rekordweltmeister musste bei den stolzen Italienern damals alle Kräfte aufbringen.

Nur mit viel Disziplin und Hingabe konnte er den schludernden Rennstall, der in vielerlei Hinsicht schwächelte, mit seinen deutschen Tugenden umwälzen und auf die Erfolgsspur zurückbringen. Fünf harte Jahre dauerte es, bis Schumacher mit den Tifosi endlich den Lohn der Arbeit einfahren konnte. Fünf Titel in Folge. Eine Legende war geschaffen. Schumacher und das springende Pferd – eine wohl einmalige Symbiose in der Historie der Formel 1. Vettel und das Pferd, das war weder Galopp noch Dressur, eher querfeldein.

Aber das Ziel, zumindest einmal für die Roten in die Geschichtsbücher zu rasen, um die F1-Krone zu holen, motiviert Sebastian Vettel in seiner letzten Saison bei Ferrari noch gewaltig. Sein Ehrgeiz ist ungebrochen .

Video: Birdview zum Großen Preis von Österreich

Respektlosigkeit treibt ihn an

Er will es auf jeden Fall noch einmal wissen. Was kommt da auf uns zu? Auf die Fans (zunächst nur vor den Bildschirmen), auf die Konkurrenz und auf das teaminterne Machtspiel bei Ferrari?

Ein verbissener, weil durch die Situation der Ausmusterung frustrierter Vettel, der Vollgas gibt, aber dabei "overpaced" und sich und den Rivalen in Gefahr bringt? Oder ein gelassener, in sich ruhender Rennfahrer, der seinen Job liebt, aber noch viel mehr seine Familie?

Einer, der deshalb bei der Zeiten-Jagd auf dem Asphalt vielleicht Sekunden verliert, aber im Rausch der Geschwindigkeit stets das Risiko im Auge behält.

Racing ja, aber nicht um jeden Preis. Wer vier WM-Trophäen in der Vitrine stehen hat, könnte eigentlich mit der Leichtigkeit des Erreichten und der Provokation eines Auslaufmodelles bei Ferrari eine außergewöhnliche neue, mentale Aerodynamik auf die Strecken zaubern und womöglich alle überraschen.

Wir sind gespannt. Forza Vettel. Und schon jetzt "grazie" im Voraus!