Debatte um vorgezogenen Motor-Freeze

Todt reagiert auf Red-Bull-Drohung: Lasse mich nicht erpressen

Jean Todt (l.) will sich von Red Bull die Zukunft der F1-Motoren nicht diktieren lassen
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29. Oktober 2020 - 10:51 Uhr

Todt: CO2-neutraler Sprit wichtiger als Red-Bull-Wunsch

In der Debatte um die Zukunft der Motoren-Regeln hat Red Bull den Formel-1-Verantwortlichen jüngst ziemlich undiplomatisch die Pistole auf die Brust gesetzt. Die Ansage: Entweder die F1-Motoren werden ab 2022 eingefroren, so dass die Bullen in Eigenregie Honda-Aggregate weiter nutzen können. Oder aber der Rennstall steigt aus. FIA-Boss Jean Todt reagiert unbeeindruckt auf die Drohung – und kann sich einen spöttischen Seitenhieb nicht verkneifen.

Mercedes offen für vorzeitigen Freeze - Ferrari und Renault sperren sich

"Ich respektiere jede Meinung und jeden Antrag, werde mich aber nicht erpressen lassen. Von keinem", sagte Todt bei "auto motor und sport". Für ihn zählten am Ende "nur die richtigen Argumente, nicht irgendwelche Drohungen".

Hintergrund: Red Bull steht nach dem Ausstieg von Motorenpartner Honda Ende 2021 ohne Triebwerk-Lieferant da. Das Team pocht darauf, die Zukunft des Motoren-Reglements zügig zu entscheiden. Red Bull fordert, dass die derzeitigen Hybrid-Aggregate nach der Saison 2021 (in der die Hersteller weiterentwickeln dürfen) eingefroren werden. Nur so könne man die Honda-Motoren in Eigenregie weiter nutzen, betonte Red-Bull-Berater Helmut Marko.

Das derzeitige Motoren-Regelwerk gilt bis 2025, ab 2023 werden die Motoren aus Kostengründen ohnehin eingefroren. Red Bull will das Ganze schon ein Jahr früher, weil eine technische Weiterentwicklung – die 2022 noch erlaubt wäre – die Ressourcen der Truppe aus Milton Keynes sprengen würde.

Mercedes ist offen für den Bullen-Wunsch, was kaum verwundert. Angesichts der silbernen Überlegenheit würde ein Motor-Freeze die PS-Machtverhältnisse in der F1 zementieren. Ferrari und Red Bull sperren sich verständlicherweise dagegen, schließlich hinken beide Mercedes hinterher. Möglicher Ausweg: Die Motoren-Leistungen werden bis zu einem gewissen Grad angeglichen, was Mercedes wiederum als "fauler Kompromiss" erscheint.

Kurz: Die Lage ist kompliziert.

Todt spöttelt über 180-Grad-Wende bei Red Bull

Todt weist zudem auf eine technologische Komponente hin. Die Formel 1 will ab 2023 unbedingt mit CO2-neutralem Kraftstoff fahren, 2022 soll eigentlich ein Übergangsjahr, um den Anteil emissionfreier Kraftstoffe zu erhöhen.

Ein Einfrieren der Hybrid-Aggregate kommt für Todt daher nur unter einer Bedingung in Frage: "Wir müssen emissionsfrei fahren, lieber früher als später." Heißt im Umkehrschluss: Sollte der Red-Bull-Wunsch nach einem vorgezogenen Freeze bedeuten, dass sich die Einführung CO2-neutralen Sprits verzögert, macht die FIA nicht mit.

Einen Seitenhieb gegen Red Bull wollte sich Todt nicht verkneifen. "Im Mai hat uns Red Bull erzählt, dass es auf keinen Fall einen Entwicklungsstopp geben darf, weil Honda sonst aussteigt. Jetzt wollen sie das Gegenteil. So schnell kann das in dem Geschäft gehen", spöttelte der 74-Jährige.