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Formel 1: Ist Max Verstappen im WM-Kampf die größte Gefahr für Nico Rosberg?

Formel 1: Ist Max Verstappen im WM-Kampf die größte Gefahr für Nico Rosberg?

Von Martin Armbruster

"Ich bin nicht hier, um Vierter zu werden", zischte Max Verstappen in den Boxenfunk, nachdem seine Red-Bull-Crew den 19-jährigen Formel-1-Himmelsstürmer während des Großen Preises der USA aufgefordert hatte, doch lieber seine Reifen zu schonen, statt Jagd auf den vor ihm fahrenden Nico Rosberg im Mercedes zu machen. Weil die Walzen am Red Bull allzu schnell schlapp machten, musste der Holländer zwar tatsächlich klein beigeben. Wie er tickt, hielt Verstappen mit seiner kurzen Funk-Replik aber aller Welt vor Augen: Da will einer gewinnen – mit allen Mitteln.

Nur eine Woche später bekam Rosberg das unzweideutige F1-Motto des 'Jung-Bullen' dann zu spüren. Kurz nach dem Start rumpelte Verstappen dem WM-Führenden in den Silberpfeil, drängte Rosberg gar von der Piste. Später versuchte es der Youngster wieder, bremste aber viel zu spät und schoss geradewegs an Rosberg vorbei in die Wiese. Beide Male war Verstappen eigentlich nicht in einer Position für einen erfolgsversprechenden Angriff gewesen. Das "Jahrhundert-Talent" (Niki Lauda) stellt jedoch keine Wahrscheinlichkeitsrechnungen im Cockpit an. Wenn er eine Möglichkeit wittert, greift er an – und dann gibt es kein zurück mehr. Aus diesem Holz sind die ganz Großen geschnitzt, argumentieren die Verstappen-Bewunderer.

Rosberg sprach nach dem Mexiko-GP von einer "Harakiri-Aktion" des Red-Bull-Piloten, wollte "aber nicht zu viel Energie darauf verwenden". Er hatte gut reden, das Rennen war für ihn schließlich glimpflich verlaufen. Nicht auszudenken, wie es im F1-Spitzenreiter ausgesehen hätte, wenn ihm durch die ungestümen Attacken Verstappens echter Schaden entstanden wäre. ​

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Interlagos lädt zu waghalsigen Manöver ein

Schon fragen sich einige Beobachter: Ist Verstappen im WM-Kampf mit Mercedes-Rivale Lewis Hamilton die größte Gefahr für Rosberg? Eigentlich ist die Ausgangsposition des Deutschen ziemlich komfortabel. Mit 19 Punkten Vorsprung auf Hamilton reichen Rosberg in den letzten beiden Rennen ein zweiter und ein dritter Platz. Kein Problem, hätte man vor Wochen noch gesagt. Im Saisonendspurt ist Red Bull den zuvor so einsam an der Spitze herumfahrenden Mercedes aber bedenklich auf die Pelle gerückt. Dass Verstappen in Austin auf einen Angriff hoffen, in Mexiko diesen dann tatsächlich starten konnte, liegt daran, dass die Red Bull den Rückstand auf die Silberpfeile drastisch reduziert hat. Auf den letzten Metern der Saison ist das einstige Weltmeister-Team für Silber ein echter Konkurrent geworden.

Rosberg steht beim Brasilien-GP in Interlagos daher unter Druck: Er muss mit aller Macht verhindern, dass ihm Verstappen und Daniel Ricciardo im WM-Fight dazwischenfunken. Heißt: Er muss sicherstellen, dass ihm die 'Bullen' in Brasilien gar nicht erst zu nahe kommen. Denn die wellige Piste vor den Toren Sao Paulos lädt an zwei Stellen – dem 'Senna-S' nach Start/Ziel sowie Kurve 4 nach der kurzen Gegengeraden – praktisch zu verwegenen Überholversuchen ein. In der Vergangenheit endeten Manöver in diesen Kurven oft in folgenschweren Ausritten – manchmal gar in irreparablen Blechschäden.

Rosberg sollte also alles daran setzen, das Rennen in Brasilien von der Spitze zu diktieren, anstatt 'auf Sicht' zu fahren. Denn schon ein Max Verstappen in Normalform könnte sich für den Deutschen als unkalkulierbares Risiko erweisen.