Vettel lässt Kritiker verstummen

Formel 1 in Singapur: Sieger Sebastian Vettel dankt denen, die weiter an ihn geglaubt haben

23. September 2019 - 10:12 Uhr

Feuchte Augen bei der Siegerehrung

Gänsehaut pur bei Sebastian Vettel und seinen Fans: Als der viermalige Weltmeister nach 392 Tagen erstmals wieder ganz oben auf dem Formel-1-Podium stand, bekam er feuchte Augen, Zentnerlasten fielen ihm spürbar von den Schultern. Vettel nutzte den Moment, um denen zu danken, die in der Krise hinter ihm standen.

"Mir haben so viele Menschen Briefe geschrieben"

"Ich möchte mich beim Team bedanken und auch bei den Fans. Es waren harte Wochen, ich möchte mich bei allen bedanken, die weiter an mich geglaubt haben. Mir haben so viele Menschen Briefe und Nachrichten geschickt, das war sehr wichtig für mich", sagte Vettel in einer ersten Reaktion.

Wochenlang war heftige Kritik auf Vettel eingehagelt. Binnen weniger Wochen hatte er seinen Nummer-1-Status an seinen gefeierten Teamkollegen Charles Leclerc verloren, Medien und Experten hatten sogar über einen möglichen Rauswurf bei Ferrari zum Saisonende spekuliert.

Nervenstärke und das Glück sind zurück

In Singapur zeigte Vettel, was ihm in den entscheidenden Momenten etlicher Rennen dieser Saison verlorengegangen war: Nervenstärke und ein richtiges Maß an Aggressivität. Als er vom Teamkollegen unter Druck gesetzt wurde, zog Vettel unwiderstehlich an den vor ihm liegenden Lance Stroll, Daniel Ricciardo und Antonio Giovinazzi vorbei.

Beim waghalsigen Manöver gegen Pierre Gasly setzte bei einigen Fans der Atem aus, die Rennleitung sah aber von einer neuerlichen Strafe gegen Vettel ab. Auch bei drei Safety-Car-Phasen blieb Vettel cool.

Zur Nervenstärke gesellte sich etwas, das Vettel in seinem Sportlerleben eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr spüren durfte: Eine kleine Portion Glück. Ferrari lotste ihn eine Runde vor Leclerc zum ersten Boxenstopp, was Vettel vor den Stallrivalen und die anderen Konkurrenten spülte.

"War sehr überrascht, dass ich vorne bin"

"Ich wurde sehr spät reingerufen, vielleicht war es spontan. In der vorletzten Kurve kam der Ruf über Funk, dass ich reinkommen soll", schilderte Vettel strahlend: "Ich wusste nicht, ob die Reifen den langen zweiten Stint durchhalten. Auf der Outlap nach dem Rausfahren habe ich alles gegeben und war sehr überrascht, dass ich vorne bin", so Vettel.

Leclerc wütet im Boxenfunk

Leclerc passte es überhaupt nicht, als Vettel plötzlich vor ihm auftauchte. "What the hell is going on", fauchte der Monegasse im Boxenfunk. Sein Renningenieur beruhigte ihn mit den Worten "Alles wird gut", was zunächst auf eine Stallregie zugunsten des neuen Ferrari-Stars hindeutete. Doch als Leclerc im Finale die Freigabe von mehr Motorpower anforderte, bekam er in einer hitzigen Diskussion mit der Box die klare Ansage, hinter Vettel zu bleiben.

"Ich freue mich sehr für Seb, er hat es verdient", sagte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto: "Es gab so viele Rennen in diesem Jahr, in denen er gut gefahren ist, aus verschiedenen Gründen aber nie gewinnen konnte. Heute ist es fantastisch gelaufen."

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