Formel 1 in Monza: Lewis Hamilton erteilt Sebastian Vettel eine bittere Lehrstunde

Lewis Hamilton hat Sebastian Vettel ausgerechnet beim Ferrari-Heimspiel eine krachende Niederlage zugefügt
© dpa, Luca Bruno, DMV pat

05. September 2018 - 16:02 Uhr

Ferrari erlebt Fiasko beim Italien-GP

Schallende Ohrfeige für Sebastian Vettel und Ferrari beim Formel-1-GP in Italien: Obwohl die Roten mit dem besten Auto im Feld von den Startplätzen 1 und 2 ins Rennen gingen, reichte es nicht zum ersehnten Heimerfolg. Mercedes schlug der Scuderia ein Schnippchen und ebnete seiner Nummer 1, Lewis Hamilton, den Weg zum Sieg im königlichen Park von Monza.

Sebastian Vettel fällt nach Kollision weit zurück

​Für Ferrari blieb nur der 2. Platz von Kimi Räikkönen. Teamkollege Sebastian Vettel brachte sich bereits in Runde 1 durch eine unnötige Kollision um alle Siegchancen. Nach einer starken Aufholjagd erbte er am Ende dank einer 5-Sekunden-Zeitstrafe für Red-Bull-Pilot Max Verstappen immerhin noch Platz 4 hinter Valtteri Bottas im zweiten Mercedes. Nico Hülkenberg kam im Renault auf Rang 14.

Hamilton dankte nach der Zieldurchfahrt artig "allen, die das heute möglich gemacht haben. Ich denke, wir können jetzt positiv in die Zukunft schauen." Durch seinen Sieg im Ferrari-Land baute Hamilton seinen Vorsprung vor den finalen sieben Übersee-Rennen auf satte 30 Zähler vor Vettel aus.

Lewis Hamilton bei der Siegerehrung ausgepfiffen

Der Deutsche kassierte ausgerechnet vor den italienischen Tifosi einen vielleicht entscheidenden Rückschlag im WM-Kampf. "Wie es die WM beeinflusst, werden wir am Ende sehen", versuchte Vettel die Bedeutung des Rennens herunterzuspielen. "Es tut mir leid für die Leute. Aber es ist nicht das Ende der Welt. Wir werden alle morgen wieder aufwachen."

Dass Hamilton bei der Siegerehrung von den enttäuschten Ferraristi ausgepfiffen wurde ließ den Briten äußerlich vollkommen unbeeindruckt. "Ich kann die Buhrufe verstehen", sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff: "Aber das ist genau das, was Lewis braucht. Das macht ihn nur stärker."

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​Das Ergebnis des Italien-GP

Die Highlights des Rennens in Monza

Start: Vettel versucht vor der ersten Schikane den Windschatten von Pole-Mann Räikkönen für einen Angriff auf seinen Teamkollegen zu nutzen, kommt aber nicht vorbei. Stattdessen gerät er selbst unter Druck durch den von Position 3 gestarteten Hamilton. Der Brite verhindert eine Kollision, indem er in der Schikane im letzten Moment ausweicht.

Kurz darauf kracht es dann doch zwischen den beiden WM-Rivalen: Vor der Variante della Roggia, der zweiten Schikane in Monza, lässt Vettel beim Anbremsen zu viel Platz. Hamilton stößt in die Lücke, beide fahren Rad an Rad in die Kurvenkombination. Doch anders als zuvor lässt Vettel dem Mercedes-Mann keinen Platz und fährt ihm in die Seite. Vettel verliert einen Teil seines Frontflügels, dreht sich und fällt auf Platz 15 zurück. Das Safety-Car kommt auf die Strecke.

Runde 2: Vettel hat Glück im Unglück, dass die Rennleitung das Safety-Car auf die Strecke schickt. Dadurch büßt er beim Tausch des beschädigten Frontflügels nur drei weitere Plätze ein. Zudem nimmt Ferrari den vorgeschriebenen Reifenwechsel vor: Auf Softpneus startet Vettel von Platz 18 seine Aufholjagd. Die Rennkommissare untersuchten die Kollision, werteten sie aber als normalen Rennunfall und sprechen keine Strafen aus.

Runde 4: Beim Restart lässt sich der Führende Räikkönen von Hamilton überrumpeln. Die gute Stimmung auf den Tribünen ist schlagartig verflogen. Doch kurz darauf jubeln die Ferraristi wieder: In der Variante della Roggia kontert Räikkönen und übernimmt wieder die Spitze.

Mercedes trickst Ferrari aus

Runde 15: Vettel beschleunigt locker Williams-Pilot Sergey Sitrotkin aus und ist damit als Zehnter zurück in den Punkterängen. Doch das Bild trügt ein wenig: Kurz zuvor hatte der Ferrari-Mann via Boxenfunk beklagt, dass sein Auto nach der Kollision schlecht liegt.

Runde 19: Bottas macht Druck auf den drittplatzierten Verstappen. Der Red-Bull-Pilot verpasst die Einfahrt in die erste Schikane, fährt geradeaus und bleibt vor dem Mercedes-Mann. Glück für Verstappen: Die Rennkommissare ahnden die Aktion nicht als Vergehen.

Runde 21: Die Mercedes-Mechaniker machen sich bereit für einen Boxenstopp. Ferrari reagiert auf den drohenden Undercut und beordert Räikkönen zum Reifenwechsel. Doch Hamilton bleibt auf der Strecke - der angedeutete Boxenstopp war eine Finte. "Lewis, it's hammer-time", funkt der Mercedes-Kommandostand in Hamiltons Cockpit, während sich Räikkönen auf Platz 4 einsortiert.

Lewis Hamilton versucht den Undercut

Runde 22: Hamilton versucht den Overcut, haut eine schnellste Rennrunde raus - Räikkönen hält dagegen. In den folgenden Umläufen entwickelt sich ein Fernduell zwischen dem Finnen und dem Führenden Hamilton.

Runde 25:Daniel Ricciardo fliegt der Motor im Heck seines Red Bull um die Ohren. Bei Ferrari und auf den Rängen beginnt das Bangen: Eine weitere Safety-Car-Phase würde Hamilton in die Karten spielen - doch das Sicherheitsfahrzeug bleibt in der Boxengasse.

Runde 29: Acht Runden nach Räkkönen holt sich Hamilton seinen neuen Satz Reifen und fällt gut drei Sekunden hinter den Ferrari-Fahrer zurück, der nun jedoch auf den zweiten Silberpfeil-Mann Bottas aufläuft. Der Finne wird von Mercedes aufgefordert, Räikkönen einzubremen.

Valtteri Bottas gibt wieder den "Wingman" für Lewis Hamilton

Runde 30: Vettel biegt als Vierter zum zweiten Mal in die Boxengasse ab. Durch den zweiten Reifenwechsel fällt der Deutsche wieder auf Platz 10 zurück.

Runde 34: Die Taktik von Mercedes scheint aufzugehen: Räikkönen kommt nicht an Bottas vorbei, was Hamilton nutzt, um Boden gut zu machen und sich ins DRS-Fenster des Ferrari-Piloten zu fahren.

Runde 37: Bottas schert zu seinem Boxenstopp ab und macht den Weg frei für Räkkönen - doch Hamilton hängt in seinem Windschatten.

Die Mercedes-Taktik geht auf

Runde 42: Bottas hat wieder zu Verstappen aufgeschlossen und startet den ersten Angriff auf den Drittplatzierten. Vettel hat sich zu diesem Zeitpunkt schon wieder auf Rang 5 vorgekämpft - auf Bottas fehlen ihm aber rund 14 Sekunden.

Runde 43: Auf der Start-Ziel-Gerade attackiert Bottas Verstappen erneut, beim Anbremsen vor der ersten Schikane schickt der Niederländer den Mercedes-Piloten von der Strecke. Diesmal drücken die Rennkommissare die Augen nicht zu und bestrafen Verstappen mit einer 5-Sekunden-Strafe.

Runde 45: Räikkönen wird auf abbauenden Reifen immer langsamer. Hamilton geht locker an dem Finnen vorbei und setzt sich in der Folge ebenso leicht ab.

Sebastian Vettel kämpft sich auf Platz 4

Runde 50: Verstappen behauptet Position 3 vor Bottas. Dahinter kämpft sich Vettel immer näher an der Duo heran und verkürzt seinen Rückstand auf Verstappen auf unter 5 Sekunden. Damit ist er rechnerisch schon Vierter.

Runde 53: Hamilton wird mit einem Vorsprung von 8,7 Sekunden als Sieger des Grand Prix von Italien abgewunken. Vettel überquert zwar nur als Fünfter hinter Bottas und Verstappen die Ziellinie, durch die 5-Sekunden-Strafe gegen Verstappen rückt er jedoch im Endklassement auf Platz 4 vor.