Formel 1 in Imola: Nächster Rückschlag für Vettel

Lewis Hamilton rast auf Pole - Max Verstappen vom Teamkollegen geschlagen

Mit hauchdünnem Vorsprung sicherte sich Lewis Hamilton die Pole Position
Mit hauchdünnem Vorsprung sicherte sich Lewis Hamilton die Pole Position
© AP, Luca Bruno

17. April 2021 - 18:38 Uhr

Hamilton von Pole Position überrascht

Lewis Hamilton konnte es nicht glauben – sein Mercedes-Team musste es ihm mehrmals versichern, dass er es geschafft hatte: Mit Bestzeit im Qualifying (1:14,411 Minuten) sicherte sich der Mercedes-Mann die Pole Position beim Großen Preis der Emilia Romagna in Imola. Ein Wimpernschlagvorsprung von 0,045 Sekunden bescherte dem Rekordchampion zum 99. Mal in seiner Karriere den begehrten ersten Platz in der Startaufstellung.

Perez lässt Red-Bull-Teamkollege Verstappen hinter sich

"Haben wir es?", fragte Hamilton über Funk: "Es ist toll gelaufen. Ich habe nicht erwartet, dass wir vor den beiden Red Bull stehen, sie waren so schnell am ganzen Wochenende."

Auch Max Verstappen musste sich verwundert die Augen reiben, als er nach seiner letzten schnellen Runde aufs Zeitentableau schaute: Mit einem Rückstand von 0,087 Sekunden auf Hamilton musste der Red-Bull-Star als Dritter auch noch seinem Teamkollegen Sergio Perez den Vortritt lassen. Ein Niederlage im Qualifying gegen den Teamkollegen – das ist Verstappen zuletzt 2019 passiert.

Für das Rennen (Sonntag, ab 13.30 Uhr live bei RTL und im Live-Ticker bei RTL.de) hat das Qualifying vorentscheidenden Charakter. Auf dem relativ schmalen Autodromo Enzo e Dino Ferrari ist das Überholen schwierig. Verstappen, im 3. Freien Training am Vormittag noch Schnellster, war enttäuscht. "In Q3 lief es nicht so gut, die Runde war nicht sauber", sagte der 23-Jährige: "Es wird ein interessantes Rennen. Wir werden es Mercedes schwierig machen."

Tracklimit-Regel kostet Norris Top-Platzierung

Das glaubt auch Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko: "Ich glaube, das Ganze wird sehr, sehr eng. Wir haben zwei Autos. Der Puffer zu Valtteri Bottas sind einige Autos. Das sollte ein Vorteil für uns sein." Tatsächlich schaffte es der zweite Mercedes-Pilot nicht, an der Spitze mitzumischen. Als Achter musste er sich noch hinter AlphaTauri-Mann Pierre Gasly und den McLaren-Fahrern Daniel Ricciardo und Lando Norris einsortieren.

Für Norris wäre sogar ein Startplatz in Reihe 1 oder 2 möglich gewesen – weil er an einer Stelle die Tracklimits knapp überfuhr, wurde dem Briten jedoch seine Bestzeit gestrichen. Auch anderen Piloten wurden die Zeiten wegen überfahren der Tracklimits gestrichen. Als tückisch erwies sich wie schon im Training am Vormittag Kurve Neun, die vielen Fahrern Probleme bereitete.

Video: Danner erwartet Strategiekampf am Sonntag

Vettel erneut nicht in den Top 10

Neben Verstappen startet Ferrari-Pilot Charles Leclerc ins Rennen am Sonntag (Start 15.00 Uhr live bei RTL und im Live-Ticker bei RTL.de) aus Reihe 2. Carlos Sainz verpasste im zweiten Ferrari als Elfter in Q2 dagegen den Einzug in die Top Ten.

Sebastian Vettel erlebte nach dem bereits verkorksten Saison-Auftakt in Bahrain eine neuerliche Klatsche. Während sich sein Aston-Martin-Teamkollege Lance Stroll als Zehnter zumindest einen Startplatz unter den Top 10 sicherte, war für den viermalige Weltmeister als 13. erneut in Q2 Schluss. Der 33-Jährige hatte nach dem Training am Freitag zwar angegeben, sich etwas wohler im AMR21 zu fühlen. In nachhaltig starke Rundenzeiten schlug sich dieses Gefühl aber noch nicht nieder. "Ich bin nicht glücklich mit der Runde", sagte Vettel: "Es ist sehr eng. Eine etwas bessere Runde hätte wohl eine deutlich bessere Platzierung bedeutet."

Die gelang dagegen George Russell im eigentlich schwächer eingeschätzten Williams: Als Zwölfter platzierte sich der Brite noch vor Vettel. Stallgefährte Nicholas Latifi komplettierte als 14. vor Alpine-Pilot Fernando Alonso den starken Auftritt von Williams.

Video: "Schluss mit Ausreden - "Danner zählt Vettel an

Tsunoda zerlegt seinen AlphaTauri

Den ersten Aufreger der Session besorgte Yuki Tsunoda: Der Japaner verlor in Kurve 15 das Heck seines Williams, rutschte rückwärts von der Strecke und schlug mit dem Heck in die Reifenstapel ein. Obwohl der Einschlag relativ glimpflich aussah, zerstörte Tsunoda dabei das Heck seines Boliden komplett – möglicherweise auch das Getriebe, was eine Strafe nach sich ziehen könnte, sollte es getauscht werden müssen. Auf jeden Fall dürfte den AlphaTauri-Mechanikern eine Nachtschicht bevorstehen.

Mick Schumacher happy

Nur knapp fünf Minuten nach dem Beginn musste das Qualifying unterbrochen werden, um den havarierten AlphaTauri sicher bergen zu können. Mick Schumacher, der im 3. Freien Training einen starken 16. Platz herausgefahren hatte, konnte vom frühen Aus des Q2 oder sogar Q1-Anwärters Tsunoda nicht profitieren. Mehr als Platz 18 war im unterlegenen Haas nicht drin für Schumacher. Immerhin hielt er Teamkollege Nikita Mazepin souverän in Schach: Eine halbe Sekunde brummte er dem Russen auf.

Nicht nur deshalb war Schumacher zufrieden: "Natürlich müssen wir uns noch verbessern, aber wir sind seit Bahrain näher herangerückt", meinte der Sohn von Imola-Rekordsieger Michael Schumacher. "Leider habe ich noch 1-2 Zehntel liegen lassen, zum Beispiel oben in der Schikane. Aber generell sind wir happy, ich freue mich jetzt wirklich aufs Rennen."

Gedenkminute für Prinz Philip

Vor dem Qualifikation gedachte die Königsklasse des verstorbenen Prinz Philip, der an diesem Nachmittag auf Schloss Windsor bei London beigesetzt wurde. Fahrer, Teamchefs und weiteres Personal versammelten sich vor den Garagen und hielten für den Ehemann von Königin Elizabeth II. eine Schweigeminute ab.

Aus Rücksicht auf die Trauerfeier war die Qualifikation von ursprünglich 15.00 Uhr deutscher Zeit um eine Stunde auf 14.00 Uhr vorgezogen worden. Sieben von zehn Formel-1-Rennställen haben einen Sitz in England.

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