Debakel statt Jubiläums-Sause in Hockenheim

Toto Wolff: "Armageddon-Wochenende" für Mercedes

29. Juli 2019 - 9:04 Uhr

Mercedes kassiert in Hockenheim "Schlag auf die Nase"

Alles war angerichtet für das große Fest der Silberpfeile. 125 Jahre Motorsport feierte Mercedes beim Heimspiel in Hockenheim, dazu den 200. GP-Start. Teils Weiß lackierte Boliden erinnerten an die ruhmreiche Geschichte des Autobauers. Der Rennsonntag aber war schwarz - rabenschwarz. Statt des erwarteten Triumphs im Benz-Land erlitt Mercedes Schiffbruch. Lewis Hamilton belegte nur Platz 9, Valtteri Bottas krachte kurz vor Ende in die Bande und schied aus. Teamchef Toto Wolff äußerte sich nach dem Debakel im SID-Interview entsprechend.

Toto Wolff im SID-Interview

Herr Wolff, was lief an diesem Tag alles falsch für Mercedes?

Toto Wolff (Mercedes-Motorsportchef): "Es war schwer, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Es war grenzwertig, ob wir die Reifen wechseln oder nicht. Wie Charles (Leclerc, d. Red.) ist auch Lewis (Hamilton, d. Red.) abgeflogen und hat die Wand getroffen. Dann haben wir eine Strafe bekommen und die falsche Entscheidung mit den Reifen getroffen. Es kann passieren, dass die Reifen nicht bereit sind, wenn man so kurz vor der Boxeneinfahrt einen Unfall hat. Aber nichtsdestotrotz haben wir dadurch sehr viel Zeit verloren. Von diesem Zeitpunkt an waren wir im Hintertreffen. Es ist nicht peinlich, es ist Motorsport. Manchmal bekommt man einen Schlag auf die Nase. Das sind die Dinge, aus denen man lernen muss. An diesen Tagen werden wir besser."

"Sind noch immer in einer sehr guten Position"

Welche Schlüsse ziehen Sie aus dem Rennen?

Wolff: "Wir müssen herausfinden, was falsch gelaufen ist. Wenn die Dinge so laufen, wie sie gelaufen sind mit Valtteris spätem Aus, dann endet es in einem Armageddon-Wochenende für uns. Wir müssen die Köpfe zusammenstecken. Wir werden daraus lernen, das rational analysieren und alles aufschreiben, was falsch gelaufen ist. Alle Entscheidungen, die falsch waren und die wir nicht hätten treffen dürfen, und dann müssen wir als Team weitermachen. Wir haben ein paar Tage Zeit, um uns neu aufzustellen. Dann können wir in Budapest zurückschlagen mit einem guten Ergebnis. Wir führen die Meisterschaft noch immer an und sind in einer guten Position. Das darf nicht vergessen werden."

Ist dieses Rennen wie ein Tiefpunkt für Sie bei Mercedes?

Wolff: "Wir müssen jetzt ruhig bleiben. Wir haben viele Rennen und fünf Meisterschaften gewonnen. In diesem Rennen lief vieles gegen uns, und wir hatten unser Schicksal nicht komplett in eigener Hand. Aber momentan fühlt es sich sehr bitter an."

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"Morgen geht's wieder an die Arbeit"

Was machen Sie nun, um das Team wieder aufzubauen?

Wolff: "Wir sind jetzt alle niedergeschlagen, das ist angesichts des Ergebnisses aber verständlich. Wir müssen jetzt nach Hause gehen, morgen ins Büro zurückkehren und wieder arbeiten. Wie ich gesagt habe: Das sind die Tage, die uns in der Vergangenheit stark gemacht haben. Man geht nie nach Hause und fragt sich: Verdammt, wieso haben wir gewonnen? Sondern: Verdammt, warum haben wir verloren? Das ist die Diskussion, die wir führen müssen. Wir fühlen jetzt als Team den Schmerz gemeinsam - genauso wie wir uns gemeinsam über einen Sieg freuen."

Hätten Sie die Fahrer vor bestimmten Passagen nicht warnen müssen?

Wolff: "Wir müssen uns alle Ansagen noch einmal anschauen. Es war eine Entscheidung auf Messers Schneide, auf die Slicks zu setzen, weil der letzte Sektor noch sehr nass war. Nach dem Rennen ist man immer schlauer. Es war nicht die eine falsche Entscheidung, sondern eher die Summe."

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