2. Tag auf dem Circuit de Catalunya

Testfahrten in Barcelona: Hamilton überrascht mit irrem Lenkrad-Trick

27. Februar 2020 - 11:04 Uhr

Hamilton DAS Gesprächsthema

Messgitter groß wie Gartenzäune, LED-Lampen zur Abstandsmessung, filigrane Verkabelungen, verlaufende Farben (FloViz) auf den Autos – zu Beginn des 2. Testtages der Formel-1-Saison 2020 in Barcelona konnte man den Eindruck bekommen, man habe sich in eine örtliche Baumarkt-Ausstellung verlaufen. Der Grund war jedoch einfach: Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt machten zunächst nur Aerodynamik-Tests Sinn. Mit steigenden Temperaturen nahm das Geschehen aber dann bis zur Mittagspause Fahrt auf. Große Aufregung entfachte ein Lenkrad-Trick von Lewis Hamilton …

Weltmeister spult Rennsimulation ab

Nach dem gemächlichen Beginn war es wie schon am Auftakttag beeindruckend, welche Zuverlässigkeit die 2020er Boliden an den Tag legten. Bis zur Mittagspause spulten die zehn fahrenden Piloten in Summe 651 Runden ab – ohne nennenswerte Zwischenfälle.

Das Sternchen für den fleißigsten Fahrer durfte sich Hamilton ans Revers heften. Der Weltmeister und Vortagesschnellste fuhr bereits am Vormittag eine Rennsimulation mit 66 Umläufen und hatte um 13 Uhr insgesamt 106 Runden zu Buche stehen. Die Konstanz und Schnelligkeit des W11 zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison-Vorbereitung: imposant.

Trick eröffnet neue Dimension

Gesprächsthema des Tages war Hamilton aber aus einem anderen Grund: Wie ein Lauffeuer verbreiteten sich die On-Board-Aufnahmen des 35-Jährigen. Auf diesen ist deutlich zu erkennen, wie er anfangs der langen Geraden das Lenkrad zu sich hinzieht, wodurch die Vorderräder an seinem Silberpfeil einrücken und sich die Vorspur ändert. Die Reifen liegen dadurch vollständig auf und können gleichmäßiger erwärmt werden. Ausgangs der Geraden schiebt der Brite das Lenkrad dann wieder von sich weg. Bilder, wie aus einem Science-Fiction-Video!

James Allison bestätigte das neue - DAS genannte - System in einer Pressekonferenz auf dem Circuit de Catalunya. Es ermögliche eine neue Dimension des Zusammenspiels zwischen Fahrer und Auto, sagte der Technische Direktor der Silberpfeile, ohne nähere Details zu nennen. "Warum wir es benutzen, wollen wir lieber für uns behalten", so Allison. Nach erster Einschätzung ist DAS in dieser Saison legal. Man habe mit der FIA vor einiger Zeit darüber gesprochen, betonte der Brite.

Für die anderen Teams wäre dies ein heftiger Nackenschlag. Das System ist so komplex, dass es zeitlich kaum vorstellbar ist, es während der Saison nachzubauen. "So etwas habe ich noch nie gesehen", wird der ehemalige Renault-Pilot Jolyon Palmer auf der offiziellen F1-Homepage zitiert.

Was Sebastian Vettel zum DAS sagt? Hier entlang.

Die Bestzeit am Vormittag riss sich Sergio Perez unter den Nagel. In 1:17,347 Minuten war der Racing-Point-Pilot 0,371 Sekunden langsamer als Hamilton am Mittwoch. Daniel Ricciardo im Renault (+0,402) und Alexander Albon im Red Bull (+0,808) folgten auf den weiteren Plätzen des wenig aussagekräftigenden Zeitentableaus.

Charles Leclerc im Ferrari (+0,988) flog als Sechster mit lediglich 49 Runden weiter unter dem Radar.