Sa | 24.11. | 12:15

Formel 1 in Austin: Kimi Räikkönen gerät nach seinem Sieg beim USA-GP ins Plaudern

21.10.2018, USA, Austin: Motorsport: Formel-1-Weltmeisterschaft, Grand Prix der USA, Rennen, Circuit of the Americas in Austin (Texas): Kimi Räikkönen aus Finnland vom Team Scuderia Ferrari jubelt mit dem Pokal in der Hand über seinen Sieg. Foto: Sco
Der Pokal war Kimi Räikkönen wohl nicht so wichtig wie das Siegerkäppi © dpa, Scott Coleman, zeus nic

Wenn der Iceman auftaut

Wir wissen nicht, ob es der Triumph beim USA-GP war oder der Sieger-Champagner, der in Strömen floss, aber irgendetwas lockerte in Austin Kimi Räikkönens Zunge. Der Finne war in atypischer Plauder-Laune.

Räikkönen war in der Bring-Schuld

Irgendwann huschte Kimi Räikkönen sogar ein Lächeln über das Gesicht. 2.044 Tage und 113 Rennen war der schrullige Finne in der Formel 1 ohne Sieg geblieben, das Ende dieser Serie feierte der Ferrari-Pilot erst einmal so, wie man es vom Iceman erwartet. Ziemlich regungslos. Doch dann taute er förmlich auf und geriet ins Plaudern.

Räikkönen erzählte, dass seine Kinder Rianna und Robin ihn seit "einer Weile nach einer neuen Siegerkappe gefragt" haben, und nun könne er endlich Vollzug melden. Dass die Kleinen seinen großen Moment in Austin am Fernseher miterlebt haben, bezweifelte er. "Sie sind wahrscheinlich während des Rennens eingeschlafen", sagte Räikkönen: "Aber meine Frau hat es hoffentlich gesehen."

Zuletzt hatte Räikkönen für Lotus 2013 in Australien ganz oben auf dem Treppchen gestanden, und viele Experten hatten dem mittlerweile 39-Jährigen nicht mehr zugetraut, dass er seinen 21. Grand-Prix-Sieg noch holen würde. Dieser sei nun die "Krönung einer Karriere", schrieb der 'Corriere della Sera': "Das Ende von Jahren bei Ferrari voller bitterer, enttäuschender und grauer Tage im Schatten, zunächst von Fernando Alonso, dann von Sebastian Vettel."

"Ein paar Leute haben sich geirrt"

Er habe damit "bewiesen, dass sich ein paar Leute geirrt haben", sagte der Oldie, der nicht an die Rente denkt, obwohl ihn Ferrari nächste Saison nicht mehr haben will: "Ich werde langsam älter, aber offenbar kann ich es noch. Es sollte also okay sein, noch ein paar Jahre dranzuhängen. Mir macht es immer noch Spaß."

Räikkönen war im Gegensatz zu seinem Teamkollegen Sebastian Vettel da, als Mercedes und Lewis Hamilton in Austin eine kleine Schwäche zeigten. Der Blondschopf aus Espoo machte keine Fehler und düpierte den alten und wohl auch neuen Weltmeister im Silberpfeil gleich beim Start, danach fuhr er souverän den Sieg ein.

Schumi-Rekord geknackt

Und damit schnappte er Michael Schumacher gleichzeitig einen kleinen Rekord weg. Räikkönen ist nun der Fahrer mit dem größten Zeitabstand zwischen seinem ersten und letzten Sieg. Vor 15 Jahren, sechs Monaten und 28 Tagen gewann er in Malaysia erstmals, Schumachers alte Bestmarke lag bei 14 Jahren, einem Monat und einem Tag (Belgien 1992 bis China 2006).

"Ich freue mich für Kimi", sagte Vettel. Der viermalige Weltmeister hätte seinen Kumpel wohl auch gerne als Teamkollegen behalten, doch die Scuderia verpflichtete lieber Shootingstar Charles Leclerc. Räikkönen übernimmt stattdessen für zwei Jahre dessen Platz bei Sauber. Viele konnten nicht verstehen, warum Räikkönen sich das noch antut.

Demnächst näher an der Familie

"Die Leute kennen mich nicht", sagte er und versicherte, mit dem Schritt "prima leben" zu können. "Ich hatte meine Zeit mit Ferrari", sagte Räikkönen, der noch immer der bisher letzte Fahrer ist, der für die Scuderia den WM-Titel (2007) holte. Die Sauber-Fabrik stehe nur eine knappe halbe Autostunde "von meinem Zuhause entfernt, es wird meine Familie freuen, dass ich mehr daheim sein kann", sagte Räikkönen. Der nun auch endlich die ersehnte neue Siegerkappe im Gepäck hat.