Ärger beim Formel-1-Saisonfinale in Abu Dhabi

Vettel schimpft: „Ist ein bisschen wie Kreisliga hier"

2. Dezember 2019 - 10:50 Uhr

Sebastian Vettel sauer auf Rennleitung, Albon und die Welt

Sebastian Vettel hat seinem Frust nach seinem enttäuschenden fünften Platz beim Saisonfinale der Formel 1 in Abu Dhabi freien Lauf gelassen. Am RTL-Mikro war von Selbstkritik wenig zu hören, stattdessen schimpfte der viermalige Weltmeister über technische Unzulänglichkeiten der Rennleitung und Red-Bull-Pilot Alex Albon. Zudem haderte Vettel auch ein wenig mit seinem Schicksal.

"Ein bisschen wie Kreisliga"

"Das Rennen war sinnbildlich für die Saison. Irgendwie scheint es in diesem Jahr immer so zu sein, dass ich am falschen Ort", klagte Vettel. Als Beispiel nannte er den Ausfall des DRS-Systems, der ihm ein Überholmanöver gegen Max Verstappen in seiner starken Anfangsphase unmöglich machte.

"Das ist ein bisschen wie Kreisliga hier. Ich weiß nicht, wie so etwas passieren kann", fluchte Vettel über die technische Panne der Rennkommissare.

Sein Fett bekam auch Albon weg, den Vettel in der vorletzten Runde mit großem Speedüberschuss überholte. "Alex wollte mit Gewalt dagegenhalten. Das ist nicht weiter schlimm, aber wenn ich da nicht aufmache, dann stehe ich da in der Kurve und das war es", so Vettel.

Sebastian Vettel: „Ich muss mich steigern"

Die Saison beendete der 32-Jährige als Fünfter der WM-Wertung und damit so schlecht wie noch nie seit seinem Wechsel zu Ferrari vor fünf Jahren. "Jetzt ist es vorbei, ich bin froh, dass jetzt eine Pause kommt", sagte Vettel.

2020 will der mittlerweile dreifache Familienvater aber noch einmal richtig angreifen. "Wir können und müssen uns steigern im nächsten Jahr. Ob uns das gelingt, wird sich zeigen. Unsere Schwächen sind bekannt", sagte Vettel und äußerte dann doch noch selbstkritisch: "Auch ich muss mich steigern."

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Der Endstand in Fahrer- und Konstrukteurs-WM

Das Rennergebnis aus Abu Dhabi

Die Highlights des Rennens im Ticker

Start/Runde 1: Hamilton verteidigt die Führung vor Verstappen, Vettel – als einziger der Topfahrer auf den schnelleren Softpneus am Start - zeigt sich im Heck von Leclerc, geht einer Kollision dann aber brav aus dem Weg. Auf der zweiten Geraden saugt sich stattdessen Leclerc an Verstappen heran und geht am Holländer vorbei.

Klasse Start von Hülkenberg, der sich in seinem (vorerst) letzten Rennen von Startplatz 10 auf 8 verbessert. Weiter hinten kracht es: Pierre Gasly kollidiert mit dem Racing-Point von Lance Stroll und verliert dabei die Nase seines Toro Rosso. Immerhin können beide weiterfahren.

Runde 1: Auch Vettel macht Druck auf Verstappen, kommt aber nicht am Red-Bull-Mann vorbei, der sich auf der Geraden breit macht.

Runde 2: Von 20 auf 15 – so lautet die Bottas-Bilanz nach Runde 1.

Runde 3: Eigentlich sollte jetzt DRS freigegeben werden, aber: Die Technik streikt! Die Rennleitung verbietet deshalb (vorerst) den Einsatz.

Runde 5: Hamilton setzt sich Runde um Runde weiter von Leclerc ab, hat jetzt schon komfortable 3,5 Sekunden Vorsprung. Verstappen bleibt dahinter zwar dran, kommt aber nicht in Angriffsposition. Gleiches gilt für Vettel auf Platz 4. Dahinter klafft eine Lücke zu Albon auf Platz 5.

Runde 10: Leclerc will schneller, kann aber nicht. Im Boxenfunk beklagt er sich über bereits abbauende Mediumreifen.

Runde 11: Bottas presst sich an Magnussen vorbei, was bekanntermaßen unangenehm werden kann. Der Däne bleibt aber handzahm – Bottas ist damit schon Zehnter.

Runde 13: Überraschung bei Ferrari: Als an der Box alle Vettel erwarten, kommt erst einmal Leclerc zur Abfertigung, sattelt von den weichen auf die harten Pneus um. Aber oh wei, was macht Ferrari!?? Auch Vettel kommt zum Reifenwechsel – und das ist dann weniger überraschend: Die Mechaniker bekommen zwei Boxenstopps in so kurzen Abständen nicht auf die Kette. Vorne links klemmt's beim Pneutausch – Vettel steht endlose 7 Sekunden, ehe er wieder losfahren darf. Auch er hat die harten Reifen auf den Felgen.

Runde 14: Leclerc kommt auf Platz 4, Vettel nur auf 8 zurück auf die Strecke - direkt vor ihm: Perez, Albon und Bottas.

Sebastian Vettel mit Wut im Bauch

Runde 15: Mit Wut im Bauch kassiert Vettel auch ohne DRS-Push erst Perez und dann Albon. Gegen Bottas dürfte es allerdings schwieriger werden. Der Finne fährt direkt vor dem Ferrari-Mann.

Runde 17: Mega-Duell zwischen Vettel und Bottas! Der Deutsche ist zweimal schon neben dem Mercedes-Piloten, hat aber die Außenbahn und geht in die Eisen, um eine Kollision zu verhindern. Packendes Racing – ganz ohne DRS! Direkt vor dem Duo fährt übrigens Hülkenberg auf Platz 4.

Runde 18: Wo wir beim Thema sind: Die Technik funktioniert wieder, DRS ist für alle Fahrer freigegeben. Das nutzt Bottas umgehend, um an Hülkenberg vorbeizugehen. Vettel kann nicht direkt folgen.

Runde 19: Hülkenberg macht Platz für Vettel, biegt zum Reifenwechsel in die Box ab und schnürt die gelben Medium-Reifen auf.

Runde 23: Trotz erheblich frischerer Reifen kommt Vettel nicht mehr hinter Bottas her, liegt auf Platz 5 jetzt vier Sekunden hinter dem Rivalen.

Runde 24: Williams-Pilot Robert Kubica und Alfa-Romeo-Mann Antonio Giovinazzi fahren sich gegenseitig ins Auto, ein paar Teile der Seitenkästen gehen fliegen, ehe es für beide weitergeht.

Runde 26: Hamilton legt vorne ein irrsinniges Tempo vor, liegt mittlerweile 13 Sekunden vor dem zweitplatzierten Verstappen, der zum Reifenwechsel an die Box kommt. Verstappen sattelt auf die weißen Hartpneus um und kommt einige Sekunden hinter Leclerc auf Platz drei zurück auf die Piste.

Runde 27: ​"So Lewis, Box, Box" - so die Ansage im Mercedes-Boxenfunk. Der Brite folgt der Anweisung und hält damit Kurs auf seinen 11. Sieg im 21. Saisonrennen. Nach der Boxenausfahrt hat er 6,6 Sekunden Vorsprung auf Leclerc.

Runde 28: Verstappen tobt im Boxenfunk, berichtet über einen seltsamen Bremseffekt und muss von seiner Red-Bull-Crew beruhigt werden.

Runde 30: Als Letzter der Topfahrer kommt Bottas zum Reifenwechsel und Mercedes zeigt Ferrari mal, wie schnell so etwas gehen kann. Nach zwei Sekunden steht Bottas schon wieder auf dem Gas.

Runde 31: Verstappen schimpft im Funk zwar immer noch permanent über Probleme am Auto, fährt aber trotzdem auf Leclerc auf. Das dürfte ein knackiger Kampf um Platz 2 werden.

Runde 32: Leclerc macht sich so breit, wie nur irgend möglich, aber Verstappen schert aus, schiebt sich auf der Geraden neben den Monegassen und presst sich in der nächsten Linkskurve innen an ihm vorbei. Leclerc muss dabei in die Eisen, um eine Kollision zu vermeiden.

Runde 33: Verstappen treibt seine Crew in den Wahnsinn, schimpft immer weiter über sein Auto. Die Antwort von Red Bull: "Beruhig dich, du bist schnell genug!"

Runde 34: Leclerc funkt an die Box, will auf "Plan C" umswitchen. Heißt: Noch ein Boxenstopp, was keine Position kosten würde, weil Vettel weit, weit hinter ihm auf Platz 4 liegt.

Runde 35: Der zu überrundende Williams von George Russell macht sich vor Vettel breit. Seb schreit im Funk: "Come on, come on move" - dürfte Russell aber nicht gehört haben. Von hinten pirscht sich derweil Albon an Seb heran.

Runde 40: Ferrari will das mit dem Doppel-Stopp nochmal üben: Wieder kommen Leclerc und Vettel in einer Runde rein. Diesmal klappt es sogar besser, Vettels Standzeit beträgt diesmal nur 2,7 Sekunden. Geht doch. Leclerc nimmt weiche, Vettel Mediumreifen mit. Leclerc bleibt Dritter, Vettel fällt hinter Bottas und Albon auf Platz 6 zurück.

Runde 41: Verstappen lacht sich im Boxenfunk schlapp als er hört, dass beide Ferrari noch ein zweites Mal an der Box waren.

Vettel und Bottas kämpfen - Hülkenberg wird durchgereicht

Runde 46: Hülkenberg muss sich der Angriffe von Perez erwehren, aber der Mexikaner schiebt sich mit Motorpower und DRS am Renault-Mann vorbei. Hulk damit "nur" noch Neunter.

Runde 48: Für Hülkenberg geht es nur noch nach hinten: Auch Kvyat schnappt sich den 32-Jährigen, dem aktuell noch ein letztes WM-Pünktchen bleibt.

Runde 48: Erste Aufgabe des Rennens: Lance Stroll stellt seinen Racing Point mit technischem Defekt in der Box ab.

Runde 49: Der zweite Boxenstopp von Vettel scheint sich auszuzahlen - Bottas ist zwar außer Reichweite, aber der Ferrari-Pilot kommt in Riesenschritten dem fünftplatzierten Albon näher. Innerhalb von 7 Runden hat er den Rückstand um mehr als die Hälfte auf 7 Sekunden eingedampft. 

Runde 52: Ferrari muss um den Podiumsplatz für Leclerc bangen: Die Rundenzeiten beim Monegassen brechen dramatisch ein, Bottas ist gleich an ihm dran.

Runde 54: Vettel ist dran an Albon. Den ersten Angriff kann der Red-Bull-Mann noch mit einem harten Manöver abwehren, aber die zweite Attacke ist erfolgreich - Vettel verbessert sich auf Platz fünf.

Runde 55: Bottas klebt im Heck von Leclerc, kommt aber nicht mehr vorbei.

Runde 55: Perez überholt Norris, verbessert sich damit auf Platz 7. Hülkenberg büßt auf den letzten Metern noch zwei Plätze ein, fällt von 10 auf 12 zurück und bleibt in seinem letzten Rennen damit ohne Punkte.

Ziel: Hamilton siegt souverän vor Verstappen und feiert seinen Titel mit ein paar spektakulären Donuts. Leclerc rettet Platz drei vor Bottas ins Ziel, Vettel wird Fünfter vor Albon.

Das Rennen zum Nachlesen im Live-Ticker