Aber nur, wenn die anderen mitspielen

Marko: Red Bull favorisiert eigenes Motorenprogramm

Max Verstappen mit Red-Bull-Berater Helmut Marko
© Getty Images, Bongarts, WTM1

16. Oktober 2020 - 13:21 Uhr

Früheres Regel-Einfrieren käme Red Bull entgegen

Nach dem Rückzug von Honda steckt Red Bull in der Klemme. Für 2022 braucht das Formel-1-Team dringend einen neuen Motorenpartner. Mercedes hat schon abgewunken, blieben nur die (ungeliebte) Rückkehr zu Renault, eine Zusammenarbeit mit Ferrari (unwahrscheinlich) oder eigene Aggregate. Red-Bull-Berater Helmut Marko favorisiert ein eigenes Motorenprogramm. Dafür müssten die anderen Teams und der Weltverband FIA den Bullen aber entgegenkommen.

Honda-Motoren unter Red-Bull-Flagge

Red Bull bevorzuge es, die Honda-Ressourcen weiterhin zu nutzen und ein eigenes Motorprogramm aufzulegen, sagte Marko bei Sport1. "Wir würden favorisieren, sofern die Gespräche mit Honda positiv verlaufen, dass wir die IP-Rechte und alles, was notwendig ist, übernehmen, und dann in Milton Keynes die Motoren selbst vorbereiten und einsetzen."

Mit anderen Worten: Red Bull würde die Honda-Fabrik in Milton Keynes übernehmen und weiter mit Honda-Triebwerken fahren, wenn auch unter eigener Flagge.

Ein hauseigenes Motorenprogramm Red Bulls wäre aber nur möglich, wenn die anderen Rennställe und die FIA dem Team um Max Verstappen entgegen kommen. "Das geht nur unter der Voraussetzung, dass spätestens mit dem ersten Rennen 2022 die Motoren eingefroren werden. Denn eine Weiterentwicklung können wir technisch als auch finanziell nicht leisten", erläuterte Marko.

dpatopbilder - 09.08.2020, Großbritannien, Silverstone: Motorsport: Formel-1-Weltmeisterschaft, Grand Prix 70 Jahre Formel 1, Rennen: Max Verstappen aus den Niederlanden vom Team Red Bull feiert im Ziel über seinen Sieg. Foto: Bryn Lennon/Pool Getty/
Mit Honda im Heck gewann Max Verstappen seit 2019 vier Grands Prix, zuletzt im Juli in Silverstone
© dpa, Bryn Lennon, DRB lix fgj

Red Bull drängt auf rasche FIA-Entscheidung

Hintergrund: Um Kosten zu sparen, plant die Formel 1, die Weiterentwicklung der Motoren ab 2023 einzufrieren – 2022 dürfen die Hersteller noch einmal im Jahr eine Ausbaustufe zünden. Um Red Bulls Wunschlösung zu ermöglichen, müsste die FIA den Einfrierungstag also um ein Jahr vorverlegen.

"Das hätte natürlich den Riesenvorteil, dass die ohnehin hohen Kosten deutlich zu reduzieren wären. Unter diesen Voraussetzungen können wir uns vorstellen, dass wir dieses Motorenprojekt im Haus selbst durchführen", sagte Marko. Bleibe eine Weiterentwicklung der Motoren vorerst allerdings erlaubt, sei Red Bull mit seiner Idee raus, betonte der Österreicher.

Und Red Bull hat es eilig, schließlich muss die Saison 2022 rechtzeitig geplant werden, um gegen die anderen Teams – die Motoren-Sicherheit haben - nicht im Nachteil zu sein. "Wir brauchen von der FIA so schnell wie möglich eine Entscheidung. Wenn diese Entscheidung so ausfällt, wie ich es angedeutet habe, dann ist der nächste Schritt, mit Honda eine Einigung zu erzielen. Wobei uns da, glaube ich, nichts in den Weg gelegt werden würde", so Marko.

Verstappens Zukunft hängt auch an Motoren-Situation

Versperren die Teams oder die FIA Red Bull den Weg, hätten die "Bullen" nur noch zwei Optionen: Die Rückkehr zu Renault oder eine Partnerschaft mit Ferrari. Dass die Scuderia den Motorenlieferanten spielt, ist unwahrscheinlich. Renault könnte, allerdings trennten sich die Franzosen 2018 im Streit von Red Bull.

Die ungeklärte Motoren-Situation bei Red Bull dürfte auch die Zukunft von Max Verstappen bestimmen. Der Holländer soll gewisse Klauseln in seinem Vertrag haben, die es ihm ermöglichen, Red Bull zu verlassen, sofern ihm der Rennstall kein konkurrenzfähiges Paket liefert.