12. Juni 2019 - 14:43 Uhr

Platz 2 wäre drin gewesen

Der Große Preis von Kanada war vor allem von der Fünf-Sekunden-Zeitstrafe für Ferrari-Pilot Sebastian Vettel und seiner anschließenden Wut über die Entscheidung geprägt. Dabei geriet Teamkollege Charles Leclerc völlig in Vergessenheit: Über die Vettel-Strafe wurde der 21-Jährige im Rennen nicht informiert.

Fast noch überholt

Eine Sekunde trennte den Drittplatzierten Leclerc und Teamkollege Vettel auf dem Endtableau - inklusive der Strafe. In der letzten Runde sah es beinahe danach aus, als ob der 21-Jährige den Deutschen durch dessen Strafe sogar noch überholen könnte. Denn der Abstand zwischen den Ferrari-Piloten war zwischenzeitlich auf etwa 5,3 Sekunden geschmolzen.

Binotto gesteht Ferrari-Fehler ein

MONTMELO, SPAIN - MARCH 01: Ferrari Team Principal Mattia Binotto talks with Charles Leclerc of Monaco and Ferrari in the Paddock during day four of F1 Winter Testing at Circuit de Catalunya on March 01, 2019 in Montmelo, Spain. (Photo by Charles Coa
Ferrari-Teamchef Mattia Binotto gibt zu, dass man Charles Leclerc vor lauter Aufregung um Sebastian Vettel "vergessen" habe
© Getty Images, Bongarts, WTM2

"Ich wusste gar nichts", bestätigte Leclerc in der Pressekonferenz nach dem Rennen. "Ich habe einfach gepusht, um dabei zu sein, wenn sich die Chance ergibt. Aber von den fünf Sekunden wusste ich nichts, ich fuhr einfach mein eigenes Rennen."

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto erklärte, dass man den Monegassen vor lauter Aufregung um die Causa Vettel einfach "vergessen" hätte. "Es war ein Fehler von unserer Seite. Wir hätten Charles Bescheid geben müssen, aber es ist nicht passiert", räumte der 49-Jährige ein.

"War bereits am Limit"

Wie Leclerc auf den Fauxpas reagierte? Überraschenderweise relativ gelassen. Denn auch wenn er frühzeitig über das Vettel-Chaos Bescheid gewusst hätte, hätte das keinen Unterschied für den Ferrari-Youngster gemacht. "Es hätte meinen Ansatz nicht verändert. Ich war bereits am Limit. Ich habe hart gepusht, um sie einzuholen. Habe gesehen, dass sie eng beisammen waren und gekämpft haben", sagte der 21-Jährige.

Trotz der vertanen Chance auf einen noch besseren Platz war Leclerc zufrieden mit seinem Rennen: Rang drei sei für ihn "ein gutes Resultat", doch sein Team habe in Montreal mehr verdient. "Es ist enttäuschend für das Team und für Seb. Der erste Platz war heute in unseren Händen, und es ist schade, wie es uns entglitten ist", sagte Leclerc: "Aber wir werden stärker zurückkommen und weiter Gas geben. Hoffentlich kommt der Sieg bald."

Berechtigte Strafe?

Vettel haderte indes mit der Entscheidung der FIA. Die Rennkommissare hatten den Heppenheimer mit einer Zeitstrafe belegt, weil er Mercedes-Pilot Lewis Hamilton nach einem Fahrfehler fast in die Mauer gedrängt hatte. Eine legitime Sanktion? Darüber diskutiert die Motorsportszene vehement.