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Formel 1: "Fahles Finale für Ferrari" - "Beleidigende Überlegenheit der Silberpfeile"

Mercedes feiert in Abu Dhabi ausgelassen seinen Doppelsieg
Sebastian Vettel war 2017 zwar häufig Podiums-Gast, auf das oberste Treppchen schaffte er es aber nur fünfmal. © imago/LAT Photographic, imago sportfotodienst

Internationale Pressestimmen zum Saisonabschluss in Abu Dhabi

Während insbesondere die britische Presse für 2018 unschlagbare Silberpfeile prophezeit, herrscht im italienischen Blätterwald nach dem letzten Formel-1-Rennen in Abu Dhabi Katzenjammer. Die internationalen Pressestimmen im Überblick.

"Braucht Ferrari einen Mentalcoach?"

Gazzetta dello Sport: "Formel 1, der Vorhang fällt. Trauriges und fahles Finale für Ferrari. Einige Fragen bleiben in der Luft hängen: Ist das Duo Vettel-Räikkönen fähig, Hamilton und Bottas Widerstand zu leisten? Was hat den psychologischen Zusammenbruch Vettels und die schwankenden Leistungen Räikkönens verursacht? Braucht Ferrari einen Mentalcoach oder die Rügen von Arrivabene und Marchionne? Von außen hat man den Eindruck, dass bei Ferrari eine konstante, übertriebene und nutzlose Spannung herrscht."

Corriere dello Sport: "Ferrari verliert das Lachen. Mercedes herrscht, und für Maranello ertönen die Alarmglocken. Im Hinblick auf die neue Saison ist eine Wende dringend notwendig. Es ist  besser, in die Zukunft zu blicken als auf die zurückliegende Saison: Ein traurig-banales Rennen auf einer traurig-banalen Rennbahn zum Abschluss. Das Rennen ist eine lahme Prozession."

La Stampa: "Die Leistung von Mercedes zum Saisonende flößt Ferrari Angst ein. Maranello wird hart arbeiten müssen, um die Kluft zu den Silbernen zu überbrücken. Vettel hat sein Ziel, den WM-Titel, verfehlt. Er ist jedoch der einzige, der Mercedes unter Druck setzen konnte. Hamilton ist einfach perfekt."

Corriere della Sera: "Ferrari muss sich wieder einmal vor Kaiser Lewis verneigen."

La Repubblica (alle Italien): "Vettel ist in Abu Dhabi nur der Schatten seiner selbst, langsam und auf dem dritten Platz. Er gönnt sich keinen Urlaub, weil Ferrari mit Blick auf die nächste Saison hart arbeiten muss. Vettel hungert nach Siegen."

Kein Thronfolger für Mercedes in Sicht

The Telegraph: "Stille Wasser sind tief. Bislang waren Emotionen bei Valtteri Bottas schwierig zu erkennen. Doch nach dem ersehnten Sieg über Lewis Hamilton im direkten Duell war die Genugtuung nun offensichtlich. Es war wohl sein wichtigster Sieg. Während Hamilton sich mit dem sicheren WM-Titel in die Winterpause gleiten ließ, musste Bottas zeigen, dass er das Vertrauen der Silberpfeile wert ist. Vier Jahre lang steht Mercedes nun an der Spitze, und wenn Ferrari nicht noch einen gewaltigen Sprung macht, dann dürfte sich das auch 2018 nicht ändern."

The Sun: "Mercedes unterstreicht zum Abschluss seine Dominanz in der Formel 1."

The Guardian: "Am Ende einer oft packenden Saison schloss die Formel 1 mit einer entschleunigenden Vorstellung den Vorhang. Für Bottas war es allerdings genau der Schlusspunkt, den er brauchte, er musste unbedingt beweisen, dass Mercedes zu Recht auf ihn setzt."

Daily Mail (alle England): "Für den großen Teil der 55 Runden war das Formel-1-Finale ein Rennen, das danach rief, endlich beendet zu werden. Lewis Hamilton hing Runde für Runde im Heck seines Teamkollegen Valtteri Bottas, doch auf dieser Strecke konnte er nicht vorbei kommen. In neun Jahren Formel 1 gab es auf dem Yas Marina Circuit weniger Überholmanöver als in einer Fußgängerzone."

"Überlegenheit der Silberpfeile schon fast beleidigend"

Marca: "Bottas gewinnt die Demonstration von Mercedes, locker und ohne großes Theater. Die Überlegenheit der Silberpfeile wirkte schon fast beleidigend. Ferrari holte sich beim Nachtrennen eine Lungenentzündung."

AS: "Es war keine Schlacht zwischen Bottas und Hamilton."

Sport: "Bottas meldet sich zurück, alle anderen sind chancenlos in Abu Dhabi. Der Finne ließ den ersten Platz nicht mehr los. In  ieser Form meldet Bottas Ansprüche auf den WM-Titel im Jahr 2018. Der Grand Prix von Abu Dhabi setzt ein Alarmzeichen für die Zukunft von Ferrari, der italienische Rennstall ist noch immer weit weg von den Silberpfeilen."

El Mundo Deportivo (alle Spanien): "Valtteri will beim letzten Rennen der Saison nicht Hamiltons Knappe sein, der Finne beendet die Diskussionen um seine zuletzt durchwachsenen Leistungen bei Mercedes. Ferrari wird sich für die nächste Rennsaison neu sammeln müssen."

"Konkurrenz mit eiserner Hand zermalmt"

Neue Zürcher Zeitung (Schweiz): "Eine finale Machtdemonstration von Mercedes. Der Rückstand von fast 20 Sekunden auf den Sieger hat Vettel noch einmal deutlich gemacht, wie viel Leistungsfähigkeit Ferrari in der entscheidenden Phase der Saison eingebüßt hat. Hamilton nimmt alle Ankündigungen der Konkurrenten gelassen hin. Er spürt, dass er in der Form seines Lebens ist, weniger Fehler als die anderen gemacht hat und in den kritischen Phasen des Jahres auch in die Rolle des Teamleaders schlüpfen konnte."

L'Equipe (Frankreich): "Der letzte Große Preis des Jahres macht der spannenden Saison keine Ehre. (...) Nichts anderes als eine erschreckende Vorführung des Mercedes-Teams, das die Konkurrenz mit eiserner Hand zermalmte. Trotz seines Talents landet Sebastian Vettel am Ende ohne Zwischenfall rund 20 Sekunden hinter dem Sieger. Sein dritter Platz erlaubt es ihm, Hamiltons Verfolger zu blieben. Schwacher Trost für den Deutschen (...).