Mehr Abtrieb, mehr Stabilität und schwächelnde Silberpfeile

RTL-Experte Danner erklärt Ferraris Aufschwung

Grand Prix von Singapur
© dpa, -, zeus hen bsc

27. September 2019 - 10:46 Uhr

Kräfteverhältnis auch in Russland "ausgewogen"

Die wahre Neuigkeit, bilanzierte 'Tuttosport' nach dem Großen Preis von Singapur, "die wahre Neuigkeit ist, dass Ferrari auf jeder Strecke stark ist." In der Tat: Mit den Scuderia-Triumphen auf den Power-Strecken Spa und Monza war durchaus zu rechnen. Sebastian Vettels Formel-1-Erlösung auf dem kurvigen Stadtkurs in Singapur kam dagegen nicht nur für Branchenprimus Mercedes völlig überraschend. Was macht die Roten auf einmal so stark? RTL-Experte Christian Danner nennt Gründe – und sieht Ferrari auch beim Russland-GP (am Wochenende live bei RTL und online im Livestream bei TVNOW.de und in der TVNOW App) voll auf Augenhöhe mit den Silberpfeilen.

Ferrari jetzt "viel schöner zu fahren"

Drei Siege in Serie. Nach der mehr als enttäuschenden ersten Saisonhälfte ohne Sieg herrschen bei Ferrari im Herbst der Formel-1-Saison plötzlich Frühlingsgefühle. Vettels Sieg auf der zuvor eindeutig als Mercedes-Territorium geltenden Singapur-Piste hat gezeigt: Die Scuderia ist nicht mehr nur auf Strecken mit vielen Geraden ein Siegkandidat. Auch wenn es kurvig wird, können die Renner aus Maranello mit den Silberpfeilen mithalten – und mehr.

"Ferrari hat gelernt, sein Auto besser zu verstehen. Sie haben gelernt, was sie brauchen, um Ergebnisse zu bekommen. Sie haben aus dem Paket, das sie dieses Jahr haben, mehr rausgeholt", erklärt RTL-Experte Danner den roten Aufschwung.

Zudem habe die Scuderia in Singapur ein "großes Aerodynamik-Update gebracht. Das hat den Abtrieb erhöht, der ja das Hauptproblem war, und die Stabilität verbessert", so der frühere Formel-1-Pilot. Die Folge: "Das Auto lässt sich jetzt viel schöner fahren."

Ferraris Stärke auch Ergebnis einer Mercedes-Schwäche

Die Vettel-Leistung des Singapur-Wochenendes untermauert das. Während der 32-Jährige am Freitag noch mit den "üblichen" Problemen kämpfte, wurde sein Vertrauen ins Auto im Qualifying immer größer. Peu a peu verringerte Vettel bei der Zeitenjagd seinen Rückstand auf Stallrivale Charles Leclerc, verpasste die Pole nur knapp. Am Sonntag schlug der viermalige Weltmeister schließlich zu, als ihm die Ferrari-Strategen die Chance boten.

Ferraris momentane Stärke sei allerdings nicht nur hausgemacht, gibt Danner zu bedenken. "Mercedes war schlicht nicht in Top-Form und hat vor allem strategische Fehler gemacht, die in einer Welt, in der es eh eng zugeht, kriegsentscheidend, sind." Bei den Silbernen sei "ein bisschen der Wurm drin und schon hat es nicht mehr gereicht", so der 61-Jährige.

Dass sich Mercedes wegen des riesigen Vorsprungs in beiden WM-Wertungen schon auf 2020 konzentriert und daher bei der Entwicklung des momentanen Boliden stagniert, glaubt Danner nicht. "Alles, was man jetzt lernt, lernt man für nächste Saison, da es ja keine Regeländerungen gibt", so der Experte. Man müsse davon ausgehen, dass Mercedes in Russland "wieder wie eine 1 dasteht".

Wetter könnte Russland-GP durcheinanderwirbeln

Beim Rennen im Olympia-Park von Sotschi erwartet Danner ein "ziemlich ausgewogenes Kräfteverhältnis" zwischen Mercedes und Ferrari. "Die Strecke hat viele 90 Grad-Kurven, da war der Ferrari eigentlich schon immer gut, und auf den Geraden sowieso."

Ein weiterer Vettel-Sieg ist am Wochenende also drin, Danner hat aber auch einen Piloten auf dem Zettel, der zuletzt nicht gerade brillierte. "Mein Geheimfavorit ist Valtteri Bottas, der kommt in Sotschi immer unheimlich gut zurecht. Letztes Jahr durfte er nicht gewinnen, aber Bottas ist in Russland immer besonders gut unterwegs."

Stimmt: In Russland feierte der Finne 2017 den ersten Grand-Prix-Sieg seiner Karriere. Im Vorjahr gewann Bottas nur deshalb nicht, weil er auf Geheiß der silbernen Kommandobrücke Weltmeister Lewis Hamilton vorbei lassen musste.

Ein Unsicherheits-Faktor dürfte am Schwarzen Meer allerdings das Wetter sein. "Die Wetterprognose sagt momentan für den gesamten Samstag Regen voraus", sagt Danner: "Das könnte den Top-Teams die Suppe versalzen und würfelt das Ganze natürlich durcheinander."