Red-Bull-Vorwürfe prallen an Silber-Häuptling ab

Wolff verteidigt Hamilton: Auch mal die "Ellbogen ausfahren"

21. Juli 2021 - 22:56 Uhr

Toto Wolff im Interview: Silverstone-Crash "50:50-Situation"

Lewis Hamiltons Triumph beim Formel-1-Heimspiel in Silverstone: Für Toto Wolff hat er auch mit ein paar Tagen Abstand kein "Geschmäckle" – trotz des Crashs seines Piloten mit Max Verstappen (Red Bull). "Ein Rennfahrer sollte nicht zurückziehen, wenn es darum geht, auf der Strecke zu racen, dann muss man auch in der Lage sein, seine Linie oder seinen Vorteil zu halten und dazu gehört auch manchmal, die Ellbogen auszufahren", sagte der Mercedes-Teamchef im RTL-Interview. Natürlich sei die Kollision hart gewesen, "aber beide sind keine Kinder von Traurigkeit, beide verteidigen ihre Position". Wie Wolff den Unfall der Titelrivalen im Detail bewertet, sehen Sie im Video.

Hamilton vs. Verstappen - "keine eindeutige Schuldzuweisung"

Man könne die Kollision "natürlich in 1.000 Einzelbilder zerlegen und daraus eine Meinung bilden", antwortete Wolff auf die Frage von RTL-Reporter Peter Reichert, ob Hamilton in der Highspeed-Kurve Copse nicht weiter innen hätte fahren müssen. "Es gibt genauso viele Gegenargumente, nämlich, dass Lewis auf mehr als halber Höhe zu Max war und Max einfach zum Scheitelpunkt eingelenkt hat", so Wolff.

Dass die Emotionen nach solch einem Crash "hochkommen" sei normal, "aber man kann in diesem Fall keine eindeutige Schuldzuweisung fällen", betonte der Österreicher. Die Szene sei eine "50:50-Situation".

Hamilton habe "in der Vergangenheit bewiesen, dass er nicht auf solche Aktionen aus ist, jemanden von der Bahn zu fahren oder zu kollidieren", sagte Wolff. Das Gegenteil sei der Fall, der Rekord-Weltmeister habe in dieser Saison gezeigt, "dass er sich im Zweifelsfall aus der Situation herausnimmt, dass er auch nachgibt und keine Kollision eingeht."

Mercedes wusste, dass Verstappen okay war

Die Vorwürfe von Red Bull, Hamilton und Mercedes hätten ihren Sieg allzu ausgelassen gefeiert, während Verstappen noch im Krankenhaus weilte, prallten an Wolff ab.

"Es kochen natürlich die Emotionen hoch. Ich glaube, wenn wir auf der anderen Seite gesessen wären, hätten wir die Situation ähnlich betrachtet. Was wir nicht gemacht hätten - derart schnell mit persönlichen Vorwürfen rauszugehen", gönnte sich der 49-Jährige einen Seitenhieb insbesondere gegen Landsmann Helmut Marko. Die Red-Bull-Eminenz hatte den Mercedes-Jubel nach dem Rennen im RTL-Interview als "niveaulos" bezeichnet.

Mercedes habe "zu jedem Zeitpunkt gewusst", dass Verstappen unverletzt gewesen sei und es dem Holländer "verhältnismäßig gut geht. Deswegen war unsere Reaktion dem angepasst", so Wolff. Allerdings müsse man akzeptieren, dass "jeder eine andere Meinung, eine andere Perspektive hat" und diese dann "auf seine Weise" kommuniziere.

Video: Wolff trinkt kein Flascherl Rotwein mit Dr. Marko

Wolff versteht Jos Verstappen

Er könne auch den Ärger von Verstappens Vater Jos ("Toto braucht nicht mehr anrufen") nachvollziehen, sagte Wolff.

Das Duell von Verstappen jr. mit Hamilton sei eben "hochkompetitiv". Er verstehe "natürlich auch einen Vater, der hier zu Recht sehr emotional reagiert, weil sein Sohn einen schweren Unfall gehabt hat. Aus deren Perspektive durchaus verständlich. Diese Gefühlslage muss man respektieren. Der Wettbewerb zwischen Red Bull, ihren Fahrern, und uns war schon immer intensiv." (mar)

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