Historisches Wochenende am Nürburgring

Der Eifel-GP - Rekorde, Emotionen, Comebacks

Ein denkwürdiges Formel-1-Wochenende in der Eifel
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12. Oktober 2020 - 13:26 Uhr

Meilensteine für F1-Historie

Was war das denn bitte für ein Grand Prix am Nürburgring? Das Rennen in der Eifel, das bei seinem Comeback nach sieben Jahren auch auf der Strecke überzeugen konnte, wird aber vor allem wegen der Statistik lange in Erinnerung bleiben – vielleicht sogar für immer. Denn der kühle Ritt am Ring sorgte für wahre Meilensteine in der F1-Geschichte und so mancher (lustigen) Überraschung.

Hülkenberg springt in letzter Minute ein

Die aus deutscher Sicht erfreulichste Botschaft des Wochenendes war das erneute Blitz-Comeback von Nico Hülkenberg. Weil Racing-Point-Pilot Lance Stroll mit einer Magenverstimmung für Samstag und Sonntag ausfiel, schlug zum wiederholten Male die Stunde des Premium-Ersatzmannes: Der "Hulk" tauschte das an diesem Wochenende für ihn vorgsehene RTL-Mikrofon gegen das F1-Lenkrad und hatte einen engen Zeitrahmen für die unverhoffte Rückkehr zu befolgen.

Im Qualifying noch etwas grün hinter den Ohren mischte der 33-Jährige am Rennsonntag das Feld so richtig auf und fuhr von Startplatz 20 bis auf Position acht nach vorne. Damit verhalf er seinem Team zu Platz drei in der Konstrukteurswertung und sicherte sich neben dem Titel "Fahrer des Tages" erneut Anerkennung aus dem gesamten Fahrerlager. Ein weiteres gelungenes Berwerbungsschreiben für ein Cockpit in 2021.

Nico Hülkenberg
Und rein ins Vergnügen: Nico Hülkenberg sprang in Windeseile für Lance Stroll ein.
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Das große Mick Schumacher Debüt...

Nebel beim Eifel-GP
Der Nebel war der Hauptschuldige dafür, dass es mit Mick Schumachers Debüt nichts wurde.
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…fiel dem wechselhaften Eifel-Wetter zum Opfer. Eigentlich sollte der Sohn von Rekordweltmeister Michael Schumacher das 1. Freie Training für Alfa Romeo fahren, doch es war einfach zu nass und zu kalt. So muss sich der aktuell Führende in der Formel-2-Meisterschaft noch bis zum Saisonfinale in Abu Dhabi gedulden, bis er erstmal an einer offiziellen Session der Königsklasse teilnehmen darf.

Trotz der ins Wasser gefallenen Premiere blieb der 21-Jährige das gesamte Wochenende beim früheren Sauber-Team, um die Arbeit der Mannschaft aus nächster Nähe zu beobachten. Am Sonntag sorgte Mick dann für den wohl emotionalsten Moment des Wochenendes: Er überreichte Rennsieger Lewis Hamilton im Parque Fermé einen Helm seines Vaters.

Hamilton knackt Sieg-Rekord von Schumacher

 Lewis Hamilton und Mick Schumacher
"Rekorde sind da, um sie zu brechen". Gemäß dieses Credos überreichte Mick Schumacher (rechts) Lewis Hamilton als Zeichen der Ehre einen Helm seines Vaters.
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Denn mit dem Sieg am Nürburgring zog Hamilton in Sachen Siegen mit Michael Schumacher gleich. Beide stehen nun bei 91 Erfolgen. Nach dem Rennen zeigte sich der amtierende Weltmeister emotional berührt. Er werde laut eigener Angabe eine Weile brauchen, um das Geschehene zu realisieren.

Dabei sah es zunächst gar nicht nach einem Rennsieg für den Dominator aus. Trotz eines guten Starts musste Hamilton gegen seinen Teamkollegen Bottas zurückstecken, um eine Mercedes-interne Kollison zu vermeiden. Weil Bottas dem Druck aber nicht standhielt und einen Fehler machte, nutzte der bereits lauernde Brite seine Chance und setzte sich an die Spitze. Spätestens nach Bottas' Ausfall war der Sieg auf dem Silbertablett serviert. Hamilton nutze den Matchball und lies sich auch von einem Safety Car in der Schlussphase nicht aus der Ruhe bringen.

"Opa" Räikkönen wird endgültig zum Dinosaurier

Ein Rekordmann, der aufgrund der vielen anderen Ereignisse am Wochenende etwas im Schatten stand, ist Kimi Räikkönen. Egalisierte der Finne in Sotschi noch den fast ein Jahrzehnt alten Rekord von Rubens Barricello für die meisten Grand-Prix-Teilnahmen (324), hat der Finne seit dem Wochenende in Deutschland den Rekord für sich alleine. Feierlichkeiten oder Euphorie gab es seitens des Finnen nicht, denn Rekorde interessieren den "Iceman" nicht.

Sportlich gesehen gab es an diesem historischen Tag für den 40-Jährigen nicht viel zu lachen. Nach Platz 19 im Qualifying patzte Räikkönen bei einem Manöver gegen George Russell und katapultierte den Williams-Piloten ins Aus. Mit seinem in der Folge beschädigten Boliden brachte sich die F1-Ikone selbst um die Chance, Punkte zu holen.

Kimi Räikkönen
Hätte besser laufen können beim Rekord-Grand-Prix: Hier räumt Räikkönen (links) George Russell (Mitte) ab. Dafür gab's eine Zehn-Sekunden-Strafe.
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Ricciardos Podium bleibt nicht folgenlos

Die lustigste Geschichte des Wochenendes blieb für Daniel Ricciardo übrig: Der 31-Jährige brachte Renault mit seinem dritten Platz zum ersten Mal seit 2011 auf ein Formel-1-Podium. Und weil der Australier mit dem Spitznamen "Honigdachs" so ein lustiger Kerl ist, hatte er sich bereits zu Beginn der Saison eine lustige Idee einfallen lassen, sollte es mit dem Podest tatsächlich klappen: Teamchef Ciril Abiteboul muss sich in diesem Fall ein Tattoo stechen lassen. 

Dabei gibt es zwischen den beiden eine klare Abmachung: "Er sucht die Stelle und Größe aus, aber ich das Design", sagte Ricciardo vor Monaten. Noch stehe das Design zwar noch nicht fest, aber eine Idee gibt es schon: Es wird was mit mir zu tun haben, aber auch mit irgendetwas Deutschem dabei. Es ist ja schließlich hier passiert." Vor lauter Freude und Gedanken über das Tattoo vergaß Ricciardo auf dem Podium seinen zum Markenzeichen gewordenen "Shoey", bei dem er den Champagner aus seinem durchschwitzen Schuh trinkt. Auf seinem Instagram-Account postete er wenig später ein Video, in dem er diese Tradition nachholt.

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Better late than never. BOTTOMS UP 👞🍾

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