Welliges Profil verspricht Spannung

Formel-1-Debüt in Portimao: "Krasse Berg- und Talfahrt"

Auf der F1-Strecke in Portimao geht es hoch und runter
© Imago Sportfotodienst

23. Oktober 2020 - 14:43 Uhr

Formel-1-Experten Glock und Monteiro erklären Portimao

Zweimal raste die Formel 1 in dieser Saison auf zuvor (relativ) unbekanntem Terrain. Ergebnis: Zwei spektakuläre Rennen in Mugello und auf dem Nürburgring. Auch beim dritten Newcomer im Kalender dürfte es rund gehen. Erstmals schlägt die Königsklasse am Wochenende (live bei RTL und auf TVNOW) an der Algarve-Küste in Portimao auf. RTL-Experte Timo Glock erwartet beim Comeback des Portugal-GP eine "krasse Berg- und Talfahrt". Ein ehemaliger portugiesischer F1-Pilot sieht gute Überholchancen. Und auch Reifenhersteller Pirelli ist gefordert.

Portugal Grand Prix "wird ziemlich beeindruckend"

Das Autódromo Internacional do Algarve lässt 32 Strecken-Layouts zu. Die Formel 1 fährt auf einer 4,684 Kilometer langen Variante mit 16 Kurven. "Eine recht flüssige Streckenvariante mit vielen schnellen Kurven für ein Formel-1-Auto", erläutert RTL-Experte Timo Glock. "Ungewohnt ist mit Sicherheit der Höhenunterschied. Die Berg- und Talfahrt da ist relativ krass."

Die Zahlen untermauern Glocks "krasse" Einschätzung des Pisten-Profils. Die Steigung beträgt bis zu 6,2 Prozent, das maximale Gefälle sogar zwölf Prozent.

Birdview: Danner erklärt die Portimao-Schlüsselstellen

"Ich denke, es wird ziemlich beeindruckend sein, ein Formel-1-Auto in Portimao zu sehen", ist sich Tiago Monteiro sicher. Der Portugiese, 2005/06 in der Königsklasse am Start, kennt die Strecke in seiner Heimat bestens und erwartet ein spannendes Wochenende.

"Wir haben Highspeed-Kurven, blinde Kurven, wirklich große Hügel und Abfahrten. Physisch wird das für die Fahrer eine große Herausforderung. Auch die Ingenieure kennen die Strecke nicht. Es wird interessant zu sehen, wie alle damit umgehen und sich anpassen", so der 44-Jährige.

Die Formel 1 gastierte letztmals 2009 im Rahmen von Testfahrten in Portimao, seither war einzig Mercedes im April 2017 für einen Test im W06 mit George Russell und Nicholas Latifi auf der Strecke.

Portimao - ein welliges Profil für Hamilton, Vettel & Co.

Eine rasante Berg- und Talfahrt mit 16 Kurven - die F1-Strecke von Portimao
Eine rasante Berg- und Talfahrt mit 16 Kurven - die F1-Strecke von Portimao
© Pirelli

Portimao ist in der Tat eine anspruchsvolle Achterbahnfahrt. Der Kurs hat nicht nur eine lange Zielgerade (969 Meter), sondern auch eine Gegengerade, die direkt in eine Haarnadel mündet. Im Mittelsektor bieten mehrere einzigartige Kurven in Kombination mit Höhenänderungen eine Herausforderung, mit der schnellen Doppel-Rechts "Portimao" als Highlight. Die Runde endet mit der Highspeed-Rechtskurve "Galp". Für Fahrer und Fans ein willkommener Zugang im Kalender.

Schon auf der Zielgeraden geht es nicht einfach nur geradeaus, sondern vor dem ersten Bremspunkt auch noch wellig bergab. Nach zwei schnellen Rechtskurven und einer engen Haarnadel führt die Strecke dann direkt wieder über eine Kuppe bergauf. Dabei biegen die Fahrer links auf die Gegengerade ein.

Es geht ständig bergauf und bergab. Kurz vor der zweiten Haarnadel (Kurve 6) fällt der Kurs spürbar ab. Hier wird es für die Piloten sicher nicht einfach, den richtigen Bremspunkt zu finden. Es folgen wieder ein paar schnelle Rechtskurven. Dabei geht es für die Fahrer in mehreren Wellen bergauf. Kurz vor Kurve 11 befindet sich der höchste Teil der Strecke.

Im letzten Sektor warten noch eine langsame Links- und eine mittelschnelle Rechtskurve, bevor die Fahrer in einem Highspeed-Bogen auf die Zielgerade rasen. Lange bevor die Boxeneinfahrt in Sicht ist, stehen die Piloten voll auf dem Gas. Auch hier sind einige Wellen in das Profil eingearbeitet.

Gute Überholchancen und eine blinde Ecke

"Es hat viele Bodenwellen drin", bestätigt RTL-Experte Glock. "Ich bin gespannt, wie die Formel-1-Autos damit klarkommen."

Monteiro – beim Skandal-GP der USA 2005 auf dem Podium – sieht in Portimao "einige spezielle Punkte", die die Strecke "sehr interessant machen". Es gebe einige gute Überholmöglichkeiten. "Kurve 1 – nach der langen Geraden werden die Autos da sehr schnell ankommen. Man wird sehr hart bremsen müssen, ich denke, da kann man überholen", erläutert der Portugiese. "Und dann ist da Kurve 4, wieder eine Abfahrt, sehr hartes Bremsen und eine sehr enge Haarnadel – ein weiterer Überholpunkt."

Danach gehe es wieder hoch, ehe mit einer "schnellen Bergab-Linkskurve" der "aufregendste Teil der Strecke kommt", so Monteiro. "Dann wieder hoch, eine schnelle Rechtskurve, immer enger, enger, enger – und dann komplett blind. Hier wird man viele Fehler sehen – vielleicht auch eine weitere Überholmöglichkeit."

Unbekanntes Pflaster für Pirelli und die Teams

Nicht nur für die Fahrer, auch für die Reifen wird Portimao ein heißes Pflaster. "Portimao ist von allen neuen Strecken die mit dem größten Schwierigkeitsgrad", sagt Pirelli-Sportchef Mario Isola.

Der Kurs strapaziere die Pneus zum Einen wegen des Layouts sehr stark. Andererseits seien die Walzen aufgrund des rauen Asphalts gefordert. Pirelli bringt daher seine drei härtesten Gummi-Mischungen mit an die Algarve (C1, C2 und C3).

Im August wurde die Piste zudem neu asphaltiert, was die Teams vor eine weitere Herausforderung stellt. "Durch den neuen Asphalt werden wir ein viel höheres Gripniveau erreichen, gleichzeitig aber viel weniger Verschleiß", erläutert Isola.

Dadurch entstehe deutlich mehr Hitze in der Lauffläche des Reifens. "Das müssen die Teams während des Wochenendes im Auge behalten. Aber wir werden das erst herausfinden, wenn wir dort fahren."

Redaktioneller Hinweis: Mit Tiago Monteiro sprach Jeremy Hart. Monteiro fährt gegenwärtig für Honda in der Tourenwagen-Serie und gehört zum Langstrecken-Team der Japaner.