Zielflagge, Strafen, MGU-K

Formel 1: Das ist in der Saison 2020 neu

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© imago/Motorsport Images, Jerry Andre, imago sportfotodienst

10. Januar 2020 - 16:29 Uhr

Mechaniker haben länger Pause, Fahrer weniger Starthilfe

Die große Regelreform kommt in der Formel 1 zwar erst 2021. Aber auch in der Saison 2020, die am 15. März mit dem Großen Preis von Australien in Melbourne beginnt, sind ein paar Sachen neu – angefangen mit einer legendären Flagge.

Die schwarz-weiß-karierte Flagge ist wieder Gesetz

Vergangene Saison noch hatte die Zielflagge als offizielles Zeichen zur Beendigung eines GP ausgedient. Zu Zeremonien-Zwecken wurde sie zwar weiterhin geschwenkt. Offiziell beendete aber eine LED-Leuchte die Rennen. Damit sollten Patzer wie beim Kanada-GP 2018 vermieden werden. Damals winkte das Model Winnie Harlow (oben im Bild) das Rennen in Montreal (auf falschen Befehl übrigens) eine Runde vor Ende ab.

Aber auch die Technik war vor vorzeitigen Schlusspunkten nicht sicher. In Japan blinkte das Ziel-Signal schon in Runde 52 von 53 zum Feierabend. Das Ergebnis galt daher ab dem Leuchtzeitpunkt. Kuriose Folge: Sergio Perez heimste als Achter Punkte ein, obwohl er in der letzten Runde ins Kiesbett rauschte und eigentlich ausschied.

Weniger Tests

2020 wird in der Formel 1 weniger getestet als im Vorjahr. Es gibt im Februar zwei dreitätige Testphasen (19.2. bis 21.2. und 26.2. bis 28.2.) in Barcelona (2019 waren es noch zweimal vier Tage). Während der Saison gibt's anders als in den Jahren zuvor gar keine Testfahrten.

Kein Versteckspiel mehr bei Tests

Gute Nachricht für alle F1-Fans, die schon bei den Tests ganz genau sehen wollen, wie die brandneuen Boliden aussehen. Während der Test-Sessions (von 9 bis 18 Uhr) dürfen die Teams ihre Autos in der Box nicht mehr hinter hohen Wänden vor den Augen der Fans verstecken.

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Sebastian Vettel darf sich bei Bedarf noch hinter den Ferrari-Wänden verstecken - sein Ferrari während der Tests aber nicht.
© imago/Crash Media Group, imago sportfotodienst

Längere Ruhepause für die Mechaniker

Wenn Alex Albon und Co. ihre Boliden schon in den Freitags-Sessions zerdeppern, sind die Mechaniker gekniffen. Für sie stehen dann lange Nächte in der Garage an. Ab 2020 dürfen die Mechaniker donnerstags und freitags eine Stunde länger im Bett bleiben. Die verpflichtende Ruhepause, während der die Mechaniker weder am Auto arbeiten noch an der Strecke sein dürfen, wird von acht auf neun Stunden verlängert. Die Teams dürfen die 'gesetzliche' F1-Pause während der Saison zweimal streichen – bei ganz gravierenden Fällen.

Hai-Flösschen

Die Teams müssen 2020 eine kleine Haifischflosse über der Motorverkleidung anbringen. Sinn und Zweck: Auf die Finne wird die Startnummer der Fahrer lackiert – so sollen die Zuschauer die Fahrer leichter erkennen. Aerodynamisch dürfte die kleine Zusatzflosse kaum Auswirkungen haben.

Eine kleine Flosse über der Motorverkleidung - wie hier bei Carlos Sainz - ist ab 2020 Pflicht
Eine kleine Flosse über der Motorverkleidung - wie hier bei Carlos Sainz - ist ab 2020 Pflicht
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Mildere Strafen bei Wiege-Verstößen und Frühstarts

Weil Pierre Gasly im 2. Freien Training zum Aserbaidschan-GP die Signale übersah, die ihn zum Wiegen beorderten, brummten die Stewards dem Franzosen gemäß der F1-Verkehrsordnung eine happige Strafe auf: Gasly musste aus der Box starten. In der neuen Saison haben die Kommissare hier mehr Spielraum, können das Vergehen mit milderen Strafen ahnden, sofern sie das für angemessen halten.

Das gleiche gilt für Frühstarts: Bisher mit Drive-Through- oder gar 10-Sekunden-Stop-and-Go-Penalties bestraft, können die Stewards für zu zeitiges Losrollen künftig weniger harsche 5- oder 10-Sekunden-Zeitstrafen aussprechen.

Metall-Einschränkungen am Frontflügel

Eine kleine Berührung mit dem Frontflügel eines Rivalen und zack - hat man in der F1 oft schon einen Platten. Um das zu verhindern, dürfen die ersten 50 mm der Endplatten des Frontflügels künftig nur noch aus Carbon sein - Metallteile sind hier jetzt tabu.

Weniger Elektronik beim Start

Zwar haben die Fahrer auch 2020 noch ein paar elektronische Starthilfen zur Verfügung. Das richtige Gefühl im Finger der Piloten ist aber wichtiger als in den Jahren zuvor. Denn: 90 Prozent des Motor-Drehmoments hängt ab sofort am Kupplungshebel des Fahrers.

Eine MGU-K mehr

Die Fahrer dürfen während der Saison jetzt drei (und nicht mehr nur zwei) MGU-K-Einheiten benutzen (die MGU-K wandelt die beim Bremsen gewonnene Wärme um und gibt sie beim Beschleunigen in Richtung Kurbelwelle ab). Auch die MGU-H (der Elektromotor, der Abgase in elektrische Energie umwandelt) und der Turbolader dürfen pro Saison dreimal gewechselt werden.

Die neue Regel sollte weniger Strafen bedeuten: 2019 überschritten neun der 20 Fahrer das zulässige Limit von zwei MGU-K-Einheiten.