Karbonteil als Reifenaufschlitzer?

Abflug mit 270 Sachen: Ursache für Stroll-Crash in Mugello weiter unklar

16. September 2020 - 16:17 Uhr

Stroll-Crash in Mugello: Racing Point wartet auf Pirelli-Analyse

Es war der letzte Schreckmoment eines ohnehin völlig verrückten Formel-1-Rennens in Mugello: Racing-Point-Pilot Lance Stroll rauscht in Runde 44 des Toskana-GP in der scharfen Arrabbiata-Kurve 2 bei 270 Sachen von der Piste, schlägt mit Wucht im Reifenstapel ein (den Crash sehen Sie oben im Video). Der Kanadier blieb unverletzt, das war zum Glück schnell klar. Unklar ist dagegen weiterhin, warum Stroll abflog.

Blitz-Diagnose Plattfuß

Noch im Cockpit vermutete der künftige Teamkollege von Sebastian Vettel einen Plattfuß. Racing-Point-Teamchef Otmar Szafnauer teilte die Diagnose seines Schützlings in einer Live-Schalte bei RTL.

"Der Reifendruck-Sensor zeigt, dass der Druck schnell abfiel, das sieht nach einem Plattfuß aus, aber wir sind noch nicht 100 Prozent sicher", sagte der Amerikaner. Es habe keine Vorwarnung für den Highspeed-Unfall gegeben. "Nicht, wenn man so einen schnellen Abfall des Reifendrucks hat, bei einem schleichenden Plattfuß ist das was Anderes", so Szafnauer.

Unfall in Mugello: Pirelli ermittelt noch

Warum genau Stroll zum chancen- weil kontrolllosen Passagier seines Boliden wurde, weiß Racing Point noch immer nicht.

Stroll und sein Rennstall vermuten, dass der 21-Jährige über ein Karbon-Teil auf der Piste raste und sich dabei den linken Hinterreifen aufschlitzte.

"Ich habe auch nur das gesehen, was ihr gesehen habt, genau wie Lance. Er glaubt, dass ein Karbonteil in den linken Hinterreifen gekommen ist, was den Reifenschaden und dann den Dreher verursacht hat", sagte Szafnauer bei Sky. Um wirklich schlau zu sein, müsse man aber die Ergebnisse der Ermittlungen von Reifenhersteller Pirelli abwarten.

Video: Irre Massen-Karambolage bei Toskana-GP

Update-Paket für Sotschi fraglich

Unter die Kategorie "dumm gelaufen" fällt, dass Racing Point ausgerechnet am Auto von Stroll ein Update-Paket verbaut hatte, das laut laut Szafnauer "ein paar oder drei Zehntelsekunden" bringen soll.

Beim kommenden Rennen in Sotschi wollte Racing Point die neuen Teile auch an Sergio Perez' pinkem Renner einsetzen – ein Plan, der nach Strolls Crash in der Schwebe hängt.

"Wir müssen eine Menge Arbeit investieren, damit wir genügend Teile zusammenbekommen, damit beide in Russland das Upgrade haben", zitiert motorsport.com Teamboss Szafnauer.