Formel 1: Charles Leclerc schickt Sebastian Vettel schon die erste Kampfansage

Charles Leclerc sieht aus, als könnte er kein Wässerchen trüben
© dpa, Dave Acree, RR nwi fdt

14. September 2018 - 10:46 Uhr

Die Zeiten des Wasserträgers sind bei Ferrari vorbei

Sebastian Vettel muss sich in der kommenden Saison umstellen. Statt des alten, treuen Dieners Kimi Räikkönen bekommt er mit Charles Leclerc einen aufmüpfigen Rookie an die Seite.

Leclercs Ziel: Nächstes Jahr Weltmeister werden

Erst in sechs Monaten wird Charles Leclerc in einem Ferrari sitzen, was ihn aber nicht davon abhält, schon mal eine erste Kampfansage an Sebastian Vettel zu senden. "Mit dem aktuellen Ferrari kann man Weltmeister werden", sagte der 20-Jährige in Singapur: "Wenn das im nächsten Jahr auch so ist, dann ist der Titel mein Ziel."

Der Wechsel des Rookies von Sauber zur Scuderia ist seit Dienstag offiziell, und Leclerc hat keine Lust auf falsche Bescheidenheit: "Mein Ziel ist immer das beste Ergebnis, das mit meinem Auto möglich ist." Fahrer A und Fahrer B werde es dabei nicht geben, "beide Piloten fangen bei null an."

Karriere von Leclerc geht permanent bergauf

Und Fachleute trauen es Leclerc durchaus zu, neben Vettel bestehen zu können. 2016 hatte die Scuderia ihn als Teenager in ihre Driver Academy aufgenommen. Im selben Jahr gewann Leclerc die GP3-Meisterschaft, es folgte der Aufstieg in die Formel 2 und der nächste Titelgewinn als Rookie. Auch in der Formel 1 fuhr er mit dem eigentlich unterlegenen Sauber in Qualifyings und Rennen schon beeindruckende Resultate ein - daher die Beförderung.

Für Ferrari ist das ein durchaus ungewöhnlicher Schritt. Nur einmal in der Formel-1-Geschichte setzten die Roten einen jüngeren Piloten in ihr Auto - und das ist auch schon fast 60 Jahre her: 1961 fuhr Ricardo Rodriguez im Alter von 19 Jahren, 6 Monaten und 28 Tagen erstmals für die Scuderia. Erst im August 2016 verlor er den Rekord des jüngsten Fahrers in der Königsklasse an Max Verstappen. Und so ganz traut man in Maranello dem Braten nicht, Leclerc bekam nur einen Vertrag für die kommende Saison, er muss sich also sofort bewähren.

Leclerc verspürt keinen Druck

"Ich komme nicht zu Ferrari, um zu lernen", sagt er, "das soll ich in diesem Jahr bei Sauber machen. Im nächsten muss ich liefern." Druck verspüre er deshalb allerdings nicht: "Ich glaube, wenn ich meinen Job richtig mache, dann werden die Ergebnisse kommen."

​Für Vettel bedeutet der Wechsel im kommenden Jahr eine neue Dynamik im Team. Seit 2015 fuhr er an der Seite seines Kumpels Kimi Räikkönen, den er meist im Griff hatte und der sich klaglos in die Rolle der Nummer 2 fügte. Ein junger Rivale, zudem ein Ferrari-Zögling, dürfte das Klima verändern.

"Er verdient es, zu uns zu kommen", sagt Vettel: "Er wird schon ein paar Jahre gefördert, und es ist schön zu sehen, dass man dann auch die Chance bekommt." Und die geringe Erfahrung, glaubt Vettel, werde Leclerc nicht im Weg stehen. "Wenn man schnell und talentiert ist", sagt er, "dann spielt das Alter keine Rolle."