Nico Hülkenbergs Blitz-Comeback in Silverstone

In weniger als 24 Stunden zurück ins Formel-1-Cockpit

01. August 2020 - 11:09 Uhr

Der Traum des Hulk lebt wieder

Sein Überraschungs-Comeback bei Racing Point stand im Fokus an diesem ersten Trainingstag zum Großbritannien-GP in Silverstone. Neun Monate nach seinem Aus bei Renault ist Nico Hülkenberg in die Formel 1 zurückgekehrt – als Ersatzfahrer für Sergio Perez, der am Donnerstag positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden war. Im Interview mit RTL (Video oben) beschreibt der "Hulk" die irren Stunden von der Corona-Diagnose Perez' bis zu seiner ersten Ausfahrt im Home of British Motor Racing.

Hülkenberg war auf dem Weg zum Nürburgring

Als sich Hülkenberg 15 Minuten vor dem 1. Freien Training in einen  Overall seines neuen Teamkollegen Lance Stroll zwängte, war es keine 24 Stunden her, dass Racing-Point-Teamchef Otmar Szafnauer seine Dienste angefragt hatte.

"Ich war am Donnerstag auf dem Weg zum Nürburgring für ein anderes Rennprojekt, als der Anruf von Otmar Szafnauer kam", erzählte der Hulk. Es fühle sich für ihn "jetzt etwas surreal an".

Im Privatjet flog Hülkenberg nach Silverstone und machte sich sofort auf den Weg ins Racing-Point-Werk, zeitgleich wurde eine FIA-Superlizenz beantragt. Bis 1.30 Uhr blieb Hülkenberg in der Fabrik, in einer Hauruck-Aktion musste der Sitz auf seine Maße angepasst werden. Nach nur drei Stunden Schlaf meldete sich der 32-Jährige zurück zum Dienst – im Simulator machte er sich mit seinem neuen Dienstwagen vertraut.

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Video: Blitz-Comeback für Hülkenberg

„Ich mag Herausforderungen und das ist ganz sicher eine"

Dann fehlte nur noch der negative Coronavirus-Test. Knapp vor dem 1. Freien Training gab es grünes Licht, Hülkenberg durfte auf das Streckengelände, legte einen Dauerlauf zur Garage hin und war plötzlich zurück in einem Formel-1-Boliden.

Nach einer Stunde auf der Strecke musste er um eine Auszeit bitten. "Kann ich eine kurze Pause machen?", funkte Hülkenberg an die Box: "Meine rechte Pobacke wird taub, da unten ist ein Druckpunkt." Der in aller Eile angepasste Sitz ließ noch ein paar Wünsche offen und musste gepolstert werden.

"Ich mag Herausforderungen und das ist ganz sicher eine", sagte Hülkenberg nach den stressigen Stunden. "Ich springe ein und versuche, das Beste für das Team zu machen."

Und das gelang ihm: Hülkenberg fuhr zweimal in die Top Ten. In der Tageswertung belegte er Platz 7 und war dabei nur knapp sechs Zehntelsekunden langsamer als Stammfahrer Lance Stroll, der seinem Team überraschend auch noch die Bestzeit an diesem ungewöhnlichen Tag bescherte.

Zweiter Einsatz in Silverstone möglich

Noch ist unklar, wie lange Hülkenberg Perez ersetzt. Der Mexikaner kam sofort in Quarantäne und kann womöglich auch beim zweiten Silverstone-Rennen kommende Woche nicht starten. Dies hängt von der Dauer der Isolation ab.

Es herrscht Verwirrung, ob diese sieben oder zehn Tage dauern muss. "Wenn es zehn Tage sind, wird Nico beide Rennen fahren", sagte Teamchef Szafnauer.

Hülkenberg, der die Erfahrung von 177 Rennen mitbringt, fuhr bereits bis 2016 mit einer Unterbrechung vier Jahre lang für Racing Points Vorgänger Force India. Zuletzt saß er von 2017 bis 2019 im Renault und hatte im Vorjahr keinen neuen Kontrakt für 2020 erhalten. Doch jetzt lebt Hülkenbergs Traum von einer längerfristigen Rückkehr in die Königsklasse wieder – ebenso wie sein Traum, einmal in der F1 auf dem Podest zu stehen.

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RTL.de/dpa