Forderungen nach Aufhebung der Impfpriorität mehren sich

Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
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15. April 2021 - 17:00 Uhr

Dresden (dpa/sn) - In Sachsen mehren sich die Forderungen nach Aufhebung der Reihenfolge für die Corona-Schutzimpfungen. Nachdem am Donnerstag der Medizinische Vorstand des Universitätsklinikums Dresden, Michael Albrecht, eine Abkehr von der Impfpriorisierung verlangte, legte wenig später die CDU-Landtagsfraktion unter der Überschrift "Impfen für alle!" nach. Um die Impfgeschwindigkeit zu erhöhen, sei es notwendig, die bisherige Priorisierung bis spätestens Mai komplett auszusetzen, erklärte CDU-Generalsekretär und Sozialexperte Alexander Dierks.

"Bund und Länder müssen hierfür zügig die rechtlichen Voraussetzungen schaffen. Die Priorisierung ist ein richtiges Instrument, um in Zeiten von Impfstoffknappheit besonders gefährdete Menschen zu schützen. Wenn allerdings kein Mangel mehr besteht, wirkt sie zulasten des notwendigen Impffortschritts", argumentierte Dierks. Die geplante Öffnung für die Prioritätengruppe 3 sei ein erster Schritt.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) hatten am Mittwoch auf einem Forum mitgeteilt, dass Sachsen in der kommenden Woche auch Personen der dritten Kategorie Impfungen ermöglicht. Aus dieser Gruppe betraf das bisher nur Leute im Alter ab 60. Nun soll es Impfungen auch für Personen mit bestimmten Erkrankungen sowie für Personal ausgewählter Branchen und Bereiche geben. Dazu gehören etwa Feuerwehr, Polizei, Bestattungswesen, Apotheken, Wasser- und Energieversorgung sowie Mitarbeiter des Einzelhandels und der Kinder- und Jugendhilfe.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums erhalten ab diesem Freitag alle Beschäftigten an allgemein- und berufsbildenden Schulen ein Impfangebot. Bisher waren nur Mitarbeiter in Kitas, Kindertagespflege sowie von Grund- und Förderschulen impfberechtigt. "Die Infektionslage spitzt sich weiter zu. Daher halte ich diesen Schritt für erforderlich. Schulen und Kitas sind ein besonders sensibler Bereich, den wir auch besonders schützen müssen", erklärte Köpping.

Uniklinik-Vorstand Albrecht mahnte mehr Tempo an. "Jetzt geht es um Geschwindigkeit", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Man müsse verstärkt die impfen, die viel unterwegs sind, Kontakte haben und gefährdeter sind, sich anzustecken. "Es geht darum, in kurzer Zeit möglichst viele Leute zu impfen und sich nicht endlos in bürokratischen Diskussionen um Priorisierungslisten aufzuhalten."

Die Lage in Krankenhäusern beschrieb Albrecht so: "Wir sind alarmiert". In der Region Chemnitz-Westsachsen sei die Dynamik deutlich stärker, die Situation im Erzgebirgskreis an der tschechischen Grenze sei besonders dramatisch. "Wir haben noch eine Woche Zeit, um die weitere Entwicklung abzuwarten." Am Mittwoch waren nach seinen Angaben knapp 1200 Klinikbetten auf Normalstationen mit Covid-19-Patienten belegt, aber die Region Chemnitz-Westsachsen hat mit 658 die regionale Grenze (500) schon um ein Drittel überschritten.

Bei mehr als 1300 belegten Betten landesweit sieht die aktuelle Verordnung eine Rückkehr zum strengeren Lockdown vor. Das sind laut Albrecht, der ein Prognosesystem zur Entwicklung der Situation sächsischer Krankenhäuser entwickelt hat, 40 Prozent der Belegung vor Weihnachten. "Nach meiner Prognose werden wir diese Grenze in etwa einer Woche (21. April) knapp reißen." Dann blieben zwei bis drei Wochen Vorlauf für den Effekt eines kompletten Lockdowns.

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Quelle: DPA

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