4. April 2018 - 22:14 Uhr

Zuckersteuer vs. Zuckerwahnsinn

Wir Deutschen lieben Limos. Und besonders Jugendliche stehen auf zuckerhaltige Getränke. Ein halber Liter am Tag ist es bei Teenies im Durchschnitt. Das Problem: Das sind 15 (!!!) Mal mehr, als die 'Amerikanische Herzgesellschaft' empfiehlt! Es sind erschreckende Zahlen, die die Verbraucherorganisation Foodwatch jetzt in Berlin vorstellte. Andere Länder ergreifen nun drastische Maßnahmen: Großbritannien will ab dem 6. April mit einer Steuer gegen den Zuckerwahnsinn ankämpfen. Aber ist die Zuckersteuer auch ein Modell für Deutschland?

Zuckerhaltige Getränke haben Mitschuld am Übergewicht der Deutschen

Inzwischen gelte jeder zehnte Jugendliche als fettleibig und sogar jeder vierte Erwachsene, sagt Oliver Huizinga, Autor des 'Coca-Cola-Reports' von Foodwatch. Hauptverdächtiger in Sachen Dickmacher: Zuckerhaltige Getränke! Rund 60 Prozent der sogenannten Erfrischungsgetränke in Deutschland seien überzuckert. Sie enthalten mehr als vier Stücke Würfelzucker pro Viertelliter-Glas. Es gebe ausreichend Belege für einen Zusammenhang zwischen Übergewicht und Zuckergetränken, sagt Huizinga.

Foodwatch verlangt deshalb deutlich niedrigere Zuckeranteile in Softdrinks. Doch damit das wirklich so kommt, müsse die Bundesregierung eine Herstellerabgabe für überzuckerte Getränke einführen. Länder wie Frankreich, Belgien, Mexiko, etliche US-Bundesstaaten und jetzt auch Großbritannien erheben so eine Zuckersteuer auf Softdrinks bereits.

Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, stellt klar: In Deutschland kommt die Zuckersteuer erstmal nicht. Stattdessen spricht sie sich für Ernährungsbildung aus: "Verbraucherinnen und Verbraucher müssen wissen, was gut für sie ist und müssen bei der Nahrungsaufnahme erkennen können, was sie auch aufnehmen."

Limo-Riesen geben Foodwatch Kontra

Limo-Hersteller wie Coca-Cola und Co. sehen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Schrittweise sei Coca-Cola schon seit Jahren dabei, mit neuen Rezepten weniger Zucker für seine Limonaden zu verwenden, sagt der Manager Patrick Kammerer. Alle klassischen Sorten würden schon lange auch in zuckerfreien Varianten angeboten.

Uwe Kleinert, Leiter für Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung bei Coca-Cola bezweifelt außerdem den Effekt einer Zuckersteuer: "Sie kann nicht die Ernährung insgesamt ändern und sie kann schon gar nicht das Übergewichtsproblem lösen."