RTL/ntv Frühstart

"Einzelhandel will sich nicht in Tonne gucken lassen"

07. September 2020 - 10:49 Uhr

Es müssen alle verpflichtet werden

Zu oft landen in Deutschland Lebensmittel nicht auf dem Teller, sondern in der Abfalltonne. Jeder Deutsche wirft pro Jahr Essen im Wert von rund 234 Euro weg. Doch auch die Akteure entlang der Wertschöpfungskette, bis die Lebensmittel überhaupt den Endverbraucher erreichen, tragen eine enorme Verantwortung.

Der Vorsitzende der Initiative "Foodsharing", Frank Bowinkelmann, hat nun von der Bundesregierung gefordert, deutlicher zu machen, dass auch Landwirtschaft, Transportgewerbe und Gastronomie in die Verantwortung genommen werden müssten.

"Wir fordern, dass alle dazu verpflichtet werden, ihre Zahlen offenzulegen – sie müssen ja schließlich wissen, was sie wegwerfen. Nicht, um sie zu denunzieren, sondern damit Experten gucken können, was weggeworfen wird und wie man das verhindern kann", sagte Bowinkelmann im "Frühstart" von RTL/ntv im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche von RTL.

Die Nachhaltigkeitswoche bei RTL: Lesen Sie hier weitere interessante Artikel zu dem Thema.

Der Einzelhandel weigert sich

Um wirklich einen Schritt in die richtige Richtung zu machen, bräuchte es entlang der gesamten Wertschöpfungskette deutlichere Regeln. "Man muss leider sagen, dass insbesondere der Einzelhandel sich weigert, sich in die Tonne gucken zu lassen. Da muss die Bundesregierung sich darauf verlassen, was die für Zahlen geben und wenn man in anderen Branchen guckt, wie der Autoindustrie, dann wissen wir, wie das ist, wenn man sich auf die Zahlen derjenigen verlässt", sagte Bowinkelmann.

Selbstverpflichtung sei in diesem Zusammenhang nicht wirksam, das zeige auch der Blick in andere Länder, wie z.B. nach Großbritannien, das schon seit acht Jahren versuche, Lebensmittelverschwendung zu halbieren – ohne Erfolg. "Wenn das nicht verpflichtend ist, dann werden wir das niemals schaffen", so Bowinkelmann.

Deswegen habe der Vorsitzende von "Foodsharing" derzeit "ernste Zweifel", ob das Ziel der Bundesregierung, die Lebensmittelverschwendung in Deutschland zu halbieren, überhaupt realistisch sei: "Davon sind wir weit entfernt, zumal wir noch nicht mal wissen, von was wir die Hälfte reduzieren wollen. Es gibt keine sichere Datenlage. Nur wir Endverbraucher sind ziemlich gut untersucht, da weiß man ungefähr, wie viel wir pro Jahr und pro Kopf wegwerfen."

"Wir brauchen Rechtssicherheit"

Weiter forderte Bowinkelmann, dass es für die Initiativen und Vereine, die Lebensmittel retten und spenden, mehr Rechtssicherheit brauche. "Wir haben eine große Rechtsunsicherheit, wenn wir Lebensmittel retten und sie weitergeben. Das gilt auch für die Spenderbetriebe."

Weiter sagte Bowinkelmann: "Oft hat man das Gefühl: Aus formaljuristischen Gründen werden keine Lebensmittel gespendet, weil Supermärkte unsicher sind, ob sie jemals aus der Haftung rauskommen." Das müsse sich schnell ändern.

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Bereits eine Woche im Voraus festzulegen, was täglich auf dem Teller landet, erleichtert die Planung und das Einkaufen und sorgt auch dafür, dass weniger Lebensmittel weggeworfen werden – denn mit einem Wochenplan lässt sich ganz genau kalkulieren, wie viel man wovon einkaufen muss und was verbraucht werden muss, bevor es schlecht wird. Hier finden Sie einen Essensplan für eine ganze Woche, inklusive Rezepte.

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