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Folter-Paar von Höxter: War Angelika B. ihrem Exmann Wilfried W. wirklich völlig hörig?

Folter-Paar von Höxter: War Angelika B. ihrem Exmann Wilfried W. wirklich völlig hörig?

Wilfried W. soll nicht die alleinige Schuld tragen

Jeden Tag kommt ein weiteres grausiges Detail über das Folter-Paar von Höxter ans Licht, das einem die Sprache verschlägt. Jetzt gibt es Zweifel an der Theorie, dass Angelika B. ihrem Exmann völlig hörig gewesen sei. So spricht nun erstmals der Anwalt von Wilfried W. Er kritisiert die mediale Darstellung, wonach dessen Exfrau allein auf sein Geheiß hin zwei Frauen zu Tode folterte.

Folter-Paar von Höxter.
In diesem Haus in Höxter quälte das Folter-Paar zwei Frauen.
dpa, Friso Gentsch

In der Untersuchungshaft hat Angelika B. eingeräumt, einen Großteil der qualvollen Misshandlungen selbst erledigt zu haben. Ihre Taten lesen sich wie eine Liste des Schreckens: sie würgte, trat und übergoss ihre Opfer mit kochendem Wasser. Auch Essensentzug setzte sie im Horror-Haus als Folter-Methode ein, um die gefangengehaltenen Frauen zu zermürben. Doch damit nicht genug: Angelika B. behauptet auch, dass sie die erste Leiche beseitigte.

Doch stand Angelika B. wirklich unter dem Einfluss ihres Exmannes, als sie diese grauenvollen Taten verübte? Handelte sie nur auf sein Geheiß oder hatte sie womöglich selbst Spaß daran, die Frauen über Monate zu quälen und damit langsam zugrunde zu richten? Der Anwalt von Wilfried W. streut Zweifel an der Theorie, dass sie nur das willenlose Folter-Instrument ihres Exmannes gewesen sei. "Die Rollendarstellung in der Medienlandschaft wird so nicht zutreffend sein," erklärt der Verteidiger im Interview mit RTL. Die Theorie, dass seine Exfrau ihm hörig gewesen sei und mehr oder weniger auf Befehl etwaige Taten begangen habe, könne vor Gericht wahrscheinlich nicht standhalten. Der Anwalt von Wilfried W. stellt entschieden klar, dass sein Mandat nicht die alleinige Schuld trage.

Sie zersägte im Keller eine Leiche, er hörte Radio

Angeblich soll Angelika B. den Körper einer toten Frau im Keller zersägt haben, während sie für Wilfried W. das Radio laut aufdrehte. Dem Angstforscher Borwin Bandelow drängt sich der Verdacht auf, dass Angelika B. dies auf seinen Wunsch hin übernahm. "Man hat den Eindruck, dass er das delegiert hat, weil er da selber Probleme mit hatte. Er hat es tatsächlich geschafft, die Frau so zu manipulieren, dass sie das in seinem Auftrag gemacht hat", glaubt der Forscher.

Der Anwalt von Angelika B. hält sich bedeckt. Er behauptet, noch nicht zu wissen, welche Rolle seine Mandantin im Horror-Haus spielte. "Ob sie jetzt ausführendes Organ war, ob sie ein willenloses Werkzeug in den Händen ihres Exmannes war, der als Bestimmer entschied, was sie zu tun hatte. Das können wir im Moment noch gar nicht sagen", betont er im Gespräch mit RTL.

Die Polizei hat eine Hotline für Frauen eingerichtet, die Hinweise zum Folter-Paar von Höxter geben können. Bislang erhielt die Polizei rund 50 Tipps aus der Bevölkerung.

Nach bisherigen Ermittlungen misshandelte das Folter-Paar vier weitere Frauen, die jedoch noch einmal mit ihrem Leben davonkamen. Darunter eine 51 Jahre alte Frau aus dem Raum Berlin. Drei Monate lang quälten Wilfried W. und Angelika B. sie bestialisch im Horror-Haus in Höxter. Vielleicht können die Überlebenden endlich aufklären, wer Folter-Knecht und wer Folter-Meister war.