Flugzeugunglück in Hessen: Pilot verliert Kontrolle und tötet drei Fußgänger

15. Oktober 2018 - 7:33 Uhr

Schreckliches Flugzeugunglück auf dem Berg Wasserkuppe in Osthessen

Bei einem missglückten Landeanflug hat ein Sportflugzeug in der hessischen Rhön drei Menschen in den Tod gerissen. Zwei Erwachsene und ein Kind starben am Sonntagnachmittag, als das Flugzeug sie auf der Wasserkuppe – dem höchsten Berg Hessens – erfasste. Die Maschine habe nach einem missglückten Landemanöver noch einmal durchstarten wollen, sagte eine Polizeisprecherin.

Die Maschine vom Typ Cessna traf die Landebahn nicht richtig

Zahlreiche Rettungskräfte waren vor Ort.
Zahlreiche Rettungskräfte waren vor Ort.
© RTL

Es ist vorne links verbeult, Blutspuren sind zu sehen. Am Sonntag gegen 15.45 Uhr beendete ein tragisches Unglück bei bestem Herbstwetter die Ausflugsstimmung auf Hessens höchstem Berg, der Wasserkuppe. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei traten bei der Landung des Flugzeugs auf dem dortigen Flugplatz Probleme auf. Der 56 Jahre alte Pilot versuchte offenbar noch durchzustarten, was aber nicht gelang.

Die Maschine schoss über das Ende der Piste hinaus, durchbrach eine Absperrung und erfasste auf dem Gehweg einer direkt dahinter verlaufenden Straße drei Menschen. Erst Dutzende Meter später kam das Flugzeug dann zum Stehen. Die Spaziergänger hatten keine Chance. "Die waren sofort tot", sagte ein Polizeisprecher. Warum genau die Probleme bei der Landung auftraten, war zunächst unklar. Bei den Todesopfern handelt es sich nach Angaben der Polizei um zwei Frauen und ein Kind. Zwar habe die Polizei am Sonntagabend die erste Tote identifizieren können - Näheres zu der 1978 geborenen Frau oder ob die drei Opfer miteinander verwandt sind, wurde jedoch nicht gesagt. "Bisher ist noch nichts bestätigt", sagte der Polizeisprecher.

Tower: Wetterverhältnisse waren "perfekt"

dpatopbilder - 14.10.2018, Hessen, Gersfeld: Feuerwehrleute stehen nach einem Flugunfall neben einem Sportflugzeug. Das Kleinflugzeug hatte bei einer missglückten Landung auf Hessens höchstem Berg am Nachmittag eine Absperrung des Flugplatzes durchbr
Flugplatz-Chef vermutet einen Piloten-Fehler.
© dpa, Martin Engel

Die Piste ist nach Angaben des Flugplatzbetreibers rund 800 Meter lang, etwa 600 Meter davon seien asphaltiert. Unmittelbar hinter der Piste verläuft quer eine Landstraße. Der Flugplatz-Chef und Leiter der Fliegerschule Wasserkuppe, Harald Jörges, zeigte sich schockiert von dem Unfall. Er arbeite seit 1988 auf dem Flugplatz, sagte er. In dieser Zeit habe es keinen tödlichen Unfall gegeben.

Er selbst sei zum Zeitpunkt des Unglücks nicht auf dem Flugplatz gewesen, aber der diensthabende Flugleiter im Tower des Flugplatzes habe ihm berichtet, dass die Wetterverhältnisse "perfekt" gewesen seien. "Das muss ein Pilotenfehler gewesen sein", vermutete er. "Wahrscheinlich hat sich (der Pilot) zu spät entschieden durchzustarten." Womöglich sei die Maschine auch zu schwer beladen gewesen. Es handele sich um ein Flugzeug vom Typ Cessna 172, das eine Landegenehmigung für die Wasserkuppe gehabt habe.

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Der Berg ist beliebt bei Flugsportlern

Ob die drei Todesopfer miteinander verwandt waren, war zunächst unklar. Die Ermittler identifizierten bis zum frühen Abend eine der Toten als eine 1978 geborene Frau aus einem benachbarten Landkreis. Die Wasserkuppe liegt im Kreis Fulda. Entsprechende Ausweispapiere seien gefunden worden. Bei dem Kind handele es sich um einen etwa neun bis zehn Jahre alten Jungen.

Die Wasserkuppe im Drei-Länder-Eck Hessen, Bayern und Thüringen ist mit rund 950 Metern Hessen höchster Berg. Der Flugplatz liegt am Nordhang. Der Berg ist beliebt bei Flugsportlern jeder Art. Dort heben Segelflieger ab, kleine Motorflugzeuge und -segler starten zu touristischen Rundflügen. Auch etwa Ultraleichtflugzeuge, Gleitschirm-, Drachen- und Modellflieger gehen dort in die Luft. 20 000 Starts zählt der Flugplatz nach früheren Angaben im Jahr.