Flugzeugabsturz über dem Sinai: IS-Terroranschlag? Hinweise auf Bombe an Bord

05. November 2015 - 19:55 Uhr

"Eindeutiges Gefühl, dass es ein Sprengkörper war"

Großbritannien hält einen Bombenanschlag als Ursache des Absturzes einer russischen Passagiermaschine in Ägypten für wahrscheinlich. Ein Sprengkörper an Bord sei eine "signifikante Möglichkeit", sagte der britische Außenminister Philip Hammond. Es seien verschiedene Quellen ausgewertet worden, bevor die Regierung zu dem Schluss gekommen sei.

Flugzeugabsturz über dem Sinai: IS-Terroranschlag? Hinweise auf Bombe an Bord
Sind die 224 Menschen Opfer eines Bombenanschlags geworden?
© dpa, Russian Emerge

Premierminister David Cameron sagte: "Wir können nicht sicher sein, dass das russische Passagierflugzeug von einer terroristischen Bombe zum Absturz gebracht wurde, aber es sieht mit zunehmender Wahrscheinlichkeit aus, als sei das der Fall gewesen." Ein Anschlag sei wahrscheinlicher, als dass es keiner war, fügte er hinzu.

Auch in den USA verdichteten sich offenbar solche Hinweise. "Es gibt ein eindeutiges Gefühl, dass es ein Sprengkörper war, der im Gepäck oder anderswo im Flugzeug versteckt wurde", zitierte CNN einen namentlich nicht genannten Vertreter der US-Regierung. Demnach gehen US-Geheimdienste davon aus, dass höchstwahrscheinlich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) dahinter stecke.

Deutschlands Innenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte, es gebe Hinweise, dass es ein Terroranschlag von innen aus dem Flugzeug heraus gewesen sein könnte. Doch es gebe auch Hinweise auf eine technische Ursache. Deutschland ermittle in der Sache allerdings nicht selbst. Man stehe aber mit den Ermittlern in engem Kontakt.

Die deutschen Sicherheitsbehörden prüfen ein Video, das möglicherweise einen Terroranschlag auf die russische Passagiermaschine zeigt. Das Video sei im 'Gemeinsamen Internetzentrum' (GIZ) betrachtet worden, teilte eine Sprecherin des Bundeskriminalamtes (BKA) mit. Eine Aussage, ob es tatsächlich den Absturz der russischen Maschine am vergangenen Samstag zeigt, könne vom BKA nicht getroffen werden.

Auf dem Video soll eine Explosion zu sehen sein. Anschließend stürzt eine brennende Maschine zu Boden. Das Video soll zudem mit einem Logo eines ägyptischen Ablegers der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) versehen sein.

Indes strich die Lufthansa bis auf weiteres alle Flüge der Airline-Gruppe nach Scharm el Scheich auf der Sinai-Halbinsel. Das betreffe eine wöchentliche Verbindung der Eurowings ab Köln/Bonn und eine Strecke der Edelweiss Air ab Zürich, sagte ein Sprecher.

In Ägypten werden derzeit die Flugschreiber ausgewertet. Nach dem Start in Scharm el Scheich war am Samstag der Airbus A321 der sibirischen Firma Kolavia über der Sinai-Halbinsel abgestürzt. 224 Menschen kamen ums Leben. Die Unglücksursache war bisher unklar. Es ist das schwerste Unglück in der Geschichte der russischen Luftfahrt. Hammond warnte vor Flugreisen nach oder über Scharm el Scheich in Ägypten. Es werde von allen Reisen an den Flughafen des Ferienorts am Roten Meer abgeraten, die nicht notwendig seien. Vorerst würden keine Flüge von Großbritannien nach Scharm el Scheich starten. Auch Irland ließ vorerst keine Flugzeuge mehr von und nach Scharm el Scheich fliegen.

Aus Deutschland wurden keine Einschränkungen des Luftverkehrs bekannt. Ägyptens Außenminister Samih Schukri hatte bereits die britische Entscheidung, Flüge für Mittwochabend zu stoppen, "vorzeitig und ungerechtfertigt" genannt. Er sei sehr enttäuscht, sagte er der BBC. Auf die Frage, ob er einen Terroranschlag für möglich halte, sagte er dem US-Sender CNN, dass müsse die Untersuchung klären. Bereits unmittelbar nach dem Absturz hatte ein IS-Ableger behauptet, dafür verantwortlich zu sein. Experten bezweifelten aber, ob das stimmt. Die Behörden in Russland und Ägypten hatten einen Anschlag als unwahrscheinlich bezeichnet.

Die Extremisten bekräftigten am Mittwoch in einer Audionotiz im Namen des IS-Ablegers auf dem Sinai ihre Behauptung, den Absturz verursacht zu haben. Gegebenenfalls werde man irgendwann nähere Informationen dazu veröffentlichen. Die Stellungnahme konnte zunächst nicht unabhängig verifiziert werden.

In Ägypten beginnt die Analyse der Flugschreiberdaten. Wie das Ministerium für zivile Luftfahrt am Mittwoch mitteilte, konnten die Informationen vom Datenrekorder sichergestellt werden. Der Stimmenrekorder, der Tonaufnahmen der Gespräche von Pilot und Copilot sowie weitere Geräusche im Cockpit speichert, sei jedoch zum Teil beschädigt, hieß es.