Flugzeugabsturz auf dem Sinai: Russland trauert um 224 Tote

© dpa, Anatoly Maltsev

05. November 2015 - 19:55 Uhr

Landesweiter Tag der Trauer

Die in Ägypten abgestürzte russische Passagiermaschine ist nach Einschätzung Moskauer Behörden vermutlich während des Flugs auseinandergebrochen. "Die Zerstörung ist in der Luft geschehen. Aber es ist zu früh für Schlussfolgerungen", sagte Viktor Sorotschenko von der Untersuchungskommission am Sonntag. Auf der Sinai-Halbinsel seien die Trümmer des Airbus A321 auf einer Fläche von 20 Quadratkilometern verstreut, sagte er russischen Agenturen zufolge.

Beim Absturz des voll besetzten Urlaubsfliegers auf der Sinai-Halbinsel wurden alle 217 Passagiere und sieben Besatzungsmitglieder getötet. Der Airbus war kurz nach dem Start im Badeort Scharm el Scheich vom Radar verschwunden. Die meisten Fluggäste der Maschine nach St. Petersburg waren russische Urlauber.

Russland hat den Sonntag zum landesweiten Tag der Trauer erklärt. Fernsehstationen und Radiosender wollen weitgehend auf Unterhaltungssendungen verzichten. Die orthodoxe Kirche sowie Moscheen und Synagogen haben Gottesdienste organisiert. Behörden sagten Festveranstaltungen ab.

Die russischen Behörden setzen alles daran, die Unglücksursache zu finden. Es soll die Qualität des Flugbenzins überprüft werden. Ermittler haben in einem Lager in der Wolga-Stadt Samara Proben des Treibstoffs genommen, den auch die Unglücksmaschine im Tank hatte. Geprüft werden sollen auch Berichte, denen zufolge der Pilot des Airbus A321 über Probleme mit dem Triebwerk geklagt haben soll. Von den gefundenen Flugschreibern erwarten die Experten Informationen über die Absturzursache.

Auf dem St. Petersburger Flughafen Pulkowo richtete das Katastrophenschutzministerium einen Krisenstab ein. Etwa 100 Angehörige der Opfer seien in einem Hotel am Airport untergebracht, sagte ein Behördensprecher. Dutzende Psychologen und Ärzte würden die Hinterbliebenen betreuen.

Russen und Ägypter halten Abschuss für unwahrscheinlich

Flugzeugabsturz auf dem Sinai: Russland trauert um 224 Tote
Trauer und Beileidsbekundungen auch vor der russischen Botschaft in der ukrainischen Hauptstadt Kiew.
© dpa, Sergey Dolzhenko

Aus Russland flogen Katastrophenschutzminister Wladimir Putschkow sowie Verkehrsminister Maxim Sokolow und Flugaufsichtschef Alexander Neradko nach Ägypten. Sie sollen dort unter anderem über die Untersuchung der Katastrophe sprechen und den Transport der sterblichen Überreste in die Heimat koordinieren.

Die ägyptischen Behörden gehen nach Angaben aus Sicherheitskreisen von einem technischen Defekt aus, ein Terroranschlag wurde ausgeschlossen. Auch Russland bezeichnete einen angeblichen Abschuss als Ursache für den Absturz des russischen Passierflugzeugs über Ägypten als unwahrscheinlich. Ein ägyptischer Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat behauptete auf mehreren Internetseiten, der IS sei für den Absturz der Maschine verantwortlich. Solche Behauptungen lassen sich von unabhängiger Seite kaum überprüfen.

Der russische Militärexperte Igor Korotschenko sagte, für den Abschuss einer Maschine in rund 10.000 Meter Höhe besitze der IS wohl nicht die nötigen Waffen. "Was höher fliegt als etwa 4500 Meter, ist für sie ziemlich sicher nicht erreichbar", erläuterte er. Die Lufthansa und Air France kündigten an, nicht mehr über die Sinai-Halbinsel zu fliegen, solange die Absturzursache nicht geklärt sei.

Rettungskräfte fanden Trümmerteile des Airbus 321 in der Gebirgsregion nahe dem Al-Arisch-Flughafen im Norden des Sinai, wie die ägyptische Flugunfallbehörde mitteilte. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in einem Telefonat ihr Beileid aus. Auch der Präsident der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker, EU-Ratspräsident Donald Tusk, Bundespräsident Joachim Gauck und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) kondolierten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach ebenso sein Beileid aus.