Lufthansa Group schneidet besonders schlecht ab

Verbraucherportale checken Rückzahlungsmoral der Airlines: Welche Gesellschaften lassen die Kunden hängen?

Wie sieht es in der Krise mit der Rückerstattungsmoral der Airlines aus?
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26. Juni 2020 - 17:43 Uhr

Die Zahlungsmoral ist schlecht - aber bessert sich allmählich

Viele Menschen haben wie immer schon sehr frühzeitig ihren Urlaubsflug für den Sommer 2020 gebucht, aber dann kam die Corona-Pandemie – und viele Flüge wurden annulliert. Wie sieht es in dieser gerade den Tourismus hart treffenden Krise mit der Rückerstattungsmoral der Airlines aus? Größtenteils schlecht - aber die Lage bessert sich allmählich. Dank Verbraucherportale wie Flightright und EUflight.

Ticketkosten werden trotz klarer Rechtslage nicht zurückgezahlt

Basierend auf über 50.000 Anfragen von Passagieren im Zeitraum vom 20. April bis zum 21. Juni haben die Fluggastrechtsexperten des Verbraucherportals Flightright einen Überblick über die aktuelle Zahlungsbereitschaft von Airlines ermittelt. Der Ticketerstattungs-Monitor der Verbraucherschützer zeigt auch, wie deutsche Airlines abschneiden. "Zu Beginn zeigten alle Airlines eine sehr geringe bis keine Zahlungsbereitschaft", heißt es dazu einer Pressemitteilung von Flightright. Anstatt Ticketkosten für annullierte Flüge zurückzuerstatten, spielen viele Airlines auf Zeit. Geld sähen die meisten Passagiere nicht oder es würden nur Gutscheine angeboten, so das Resümee. "Wir beobachten seit Monaten bei vielen Airlines einen systematischen Rechtsbruch, die Ticketkosten trotz klarer Rechtslage einfach nicht zurückzahlen", sagt Flightright-Gründer Philipp Kadelbach.

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Flighright Erstattungsmonitor
50.000 Anfragen von Passagieren verwerteten die Verbraucher-Schützer von Flightright, um die Rückerstattungsmoral der Airlines abzubilden.
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Nur Rechtsmittel scheinen die Airlines zu überzeugen

Der zunehmenden Klagewellen-Druck auf die Fluggesellschaften seitens Flighright habe aber jetzt dazu geführt, dass inzwischen "einige Airlines, vor allem Easyjet und Singapore Airlines, auf die Zahlungsaufforderungen eingehen". Andere, wie beispielsweise Lufthansa und Ryanair, weigerten sich aber weiterhin strikt, den Ticketpreis zu erstatten, so die Verbraucherschützer. "Obwohl eine Staatsbeteiligung bei der Lufthansa immer konkreter wird, zahlt die Airline weiterhin nicht. Und auch Ryanair stellt sich strikt gegen die rechtmäßigen Forderungen, was eine Unverschämtheit den Passagieren gegenüber ist", sagt dazu Philipp Kadelbach, Geschäftsführer von Flightright.

Fluggast-Verbraucherportal EUflight macht gleiche Beobachtungen

Diese Beobachtungen bestätigen auch die Verbraucherschützer von EUflight: "Einzig easyJet ist aus unserer Sicht kundenfreundlich", sagt uns EUflight-Geschäftsführer Dr. Lars Waterman. Hier werde einigermaßen schnell reagiert und die Zahlungen würden auch innerhalb weniger Wochen ausgeführt. Die meisten Airlines seien den eigenen Recherchen und Kunden-Erfahrungen zufolge in dieser Sache aber ungenügend. "Vor allem die LH Group Firmen Lufthansa, Eurowings, Austrian Airlines und SunExpress wimmeln nach wie vor mit allen Tricks ab", so Waterman.

Lufthansa: "Auszahlung nicht in den sonst üblichen Fristen"

In einer Stellungsnahme gegenüber RTL verweist Dr. Jörg Waber, Pressesprecher Deutsche Lufthansa AG, darauf, dass dieses Jahr bislang eine Milliarde Euro an Erstattungen geleistet worden sei. "Wir bitten jedoch um Verständnis, dass die Auszahlung nicht immer in den sonst üblichen Fristen erfolgen kann", so Waber. "Wir erhöhen fortlaufend unsere Kapazitäten, um eine schnellere Bearbeitung der Anfragen zu ermöglichen." Dadurch seien Ticketerstattungen im dreistelligen Millionenbereich pro Monat möglich. Ziel sei es, den entstandenen Rückstau in sechs Wochen abgearbeitet und ausstehende Erstattungen ausgezahlt zu haben.

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