Trotz jahrelanger Vorbereitungszeit

Lärmschutz für viele Flughafen-Anwohner fehlt: "Manche haben gezweifelt, dass BER-Eröffnung stattfindet"

Blick auf den Flughafen beim Fototermin anlässlich der Fertigstellung des Dienstgebäudes der Bundespolizei am Flughafen
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08. August 2020 - 9:21 Uhr

Flughafen BER: Erst 377 von 26.000 Berechtigten haben Lärmschutz-Umbau abgeschlossen

Am 31. Oktober soll es soweit sein: Der Hauptstadtflughafen BER soll nach jahrelangen Verzögerungen eröffnet werden. Es sollte viel Zeit für Anwohner gewesen sein, sich vor künftigem Fluglärm zu schützen. Doch die Möglichkeiten dazu haben erst wenige genutzt:  Von 26.000 Berechtigten haben nach Flughafen-Angaben erst 377 den vorgesehen Umbau vollständig abgeschlossen und die Kosten durch den Flughafen erstatten lassen. Bei weiteren 1.168 wurden Teile der Baumaßnahmen umgesetzt. Einer der Gründe für die Zurückhaltung liegt für Beobachter der BER-Bauarbeiten auf der Hand.

Anwohner zweifelten, ob BER-Eröffnung tatsächlich kommt

"Manche Anwohner haben bisher gezweifelt, dass die Eröffnung des BER tatsächlich stattfindet", sagte der Leiter des Schallschutzprogramms, Lars Wagner. "Nun ist es höchste Zeit, die Schallschutzmaßnahmen umsetzen zu lassen. In weniger als drei Monaten eröffnet der BER." Die Inbetriebnahme des Flughafens an der Berliner Stadtgrenze hatte sich wegen Baumängeln, Technikproblemen und Umplanungen um neun Jahre verzögert. Auch beim Lärmschutz für die Anwohner mussten die Betreiber nachbessern.

Allerdings sind bis Ende Juli erst für 13.654 Wohneinheiten Anträge auf Schallschutz eingegangen. Fast jeder zweite Anwohner zögert also noch. "Die Vorgaben zum Lärmschutz bedeuten sehr weitgehende bauliche Eingriffe, deshalb schrecken viele Betroffene vermutlich davor zurück", sagte Wagner.

Im Video: Testbetrieb-Tag am Flughafen BER

Anträge für gut 12.800 Haushalte hat die Flughafengesellschaft bearbeitet. In mehr als 7.000 Fällen davon haben die Eigentümer keine Erstattung von Baukosten erhalten, sondern eine Entschädigung in Höhe von 30 Prozent ihres Hauswertes. So sieht es die Planfeststellung vor, wenn die Kosten für den notwendigen Schallschutz über diesem Wert lägen. Die Entschädigung fließt ohne Zweckbindung, das Geld kann auch für Reisen, ein neue Auto oder alles andere ausgegeben werden.

"Ich kann nur noch einmal dringend an alle Entschädigten appellieren, die Gelder tatsächlich in den Schallschutz zu investieren, damit es kein böses Erwachen gibt", sagte Wagner. Schallschutz erhalten die Häuser etwa durch neue Fenster, Dämmung an Dach, Decken, Wänden und Rollladenkästen sowie den Einbau von Lüftern. "Wer nicht alles auf einmal machen möchte, kann schrittweise sein Haus schützen", empfahl Wagner.