Flüchtlingsstrom nach Deutschland - Polizei "personell und materiell an unseren Grenzen"

17. September 2015 - 19:39 Uhr

Einsatzkräfte an der Grenze "völlig erschöpft"

Die Kontrollen an den deutschen Grenzen halten die Asylsuchenden offenbar kaum auf. Nach Deutschland und Ungarn beschlossen unterdessen auch Österreich, die Slowakei und die Niederlande Grenzkontrollen.

Flüchtlingsstrom nach Deutschland - Polizei "personell und materiell an unseren Grenzen"
Bundesbeamte kontrollieren Flüchtlinge in Freilassing.
© REUTERS, DOMINIC EBENBICHLER

"Die Behörden rechnen heute offenbar wieder mit einem größeren Andrang. Auch die Kontrollen sind intensiver geworden", berichtet RTL-Reporter Dirk Emmerich von der deutsch-österreichischen Grenze in Freilassing. Der Zugverkehr sei erneut unterbrochen. "Es sind nach unseren Schätzungen rund 15.000 Flüchtlinge in Österreich. Es kann gut sein, dass sich der Druck auf die deutsche Grenze noch mal erhöht."

Derweil werden in Österreich die Plätze in den Notunterkünften knapp. "Wir haben eine krisenhafte Situation", sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Rund 20.000 Plätze stünden zur Verfügung. Seit Beginn der Woche seien knapp 24.000 Flüchtlinge eingereist. Die meisten von ihnen versuchen weiter, in Richtung Deutschland zu reisen.

Auch in Sachsen an der Grenze zu Tschechien und in Baden-Württemberg an der Grenze zu Frankreich sind Polizisten im Einsatz. "Es ist doch so, dass wir momentan personell und materiell an unseren Grenzen angekommen sind", sagt Arne Hettich von der Bundespolizei Offenburg. Die Einsatzkräfte seien völlig erschöpft, berichtet Polizeigewerkschaftssprecher Rainer Wendt der 'Bild'-Zeitung. Nun sollen Beamten, die kurz vor der Rente stehen, sogar um eine Verlängerung ihrer Dienstzeit gebeten werden, um die Grenzkontrollen aufrechterhalten zu können.

"Schämt euch, das ist nicht Europa"

Die Balkan-Route ist seit Montagabend dicht. Mit einem Güterwagen schlossen die Ungarn die Lücke auf den Bahngleisen zur Grenze nach Serbien. "Als er hier mit diesem Stacheldraht vorfuhr, riefen die Menschen, 'schämt euch' und 'das ist nicht Europa'", so RTL-Reporter Thomas Präkelt in Röszke.

Seit Mitternacht gelten verschärfte Gesetze in Ungarn. Wer illegal über die Grenze kommt, muss mit bis zu fünf Jahren Haft oder der sofortigen Abschiebung rechnen. Auch das provisorische Flüchtlingslager bei Röszke ist geräumt. Die Menschen wurden nicht registriert, sondern mit Bussen und Zügen durch das ganze Land bis zur Grenze nach Österreich gebracht. In Nickelsdorf strömten rund 6.000 Flüchtlinge bei heftigem Regen in die provisorische Auffangstation. Viele machten sich aber schon nach wenigen Stunden wieder zu Fuß auf Richtung Wien.