Gerald Knaus bei "ntv-Frühstart"

Migrationsforscher warnt vor "Scheitern eines Traums"

12. September 2019 - 14:24 Uhr

Migrationsforscher zur Flüchtlingspolitik: "Es fehlt ein Konzept"

Angesichts der wachsenden Flüchtlingszahlen auf den griechischen Inseln fordert der Migrationsforscher Gerald Knaus ein schnelles Handeln der Bundesregierung gemeinsam mit ausgewählten EU-Partnern. "Was ohne jeden Zweifel feststeht ist, dass wir hier das Scheitern eines Traums, eines Versprechens und eigentlich auch einer moralisch-rechtlichen Verpflichtung erleben", sagte Knaus mit Blick auf überfüllte Aufnahmelage der RTL/n-tv-Sendung "Frühstart", in der wochentags Politiker und Experten zu Wort kommen. "Das ist eine Schande, weil es nicht am Geld liegt. Wir haben zwei Milliarden Euro überwiesen an Griechenland. Es fehlt ein Konzept."

Knaus: Deutschland muss Griechenland mehr unterstützen

Knaus forderte, dass Deutschland zusammen mit anderen interessierten EU-Ländern wie Frankreich, den Niederlanden und Schweden die griechische Regierung dabei unterstützt, schnelle Asylprüfverfahren und Rückführungen abgelehnter Flüchtlinge in die Türkei zu organisieren. "Wenn es uns nicht gelingt, hier mehr als zwölf Leute im Monat aus einem EU Land zurückzuschicken, nur weil wir die Verfahren nicht beschleunigen, was sagt uns das über die Handlungsfähigkeit der Europäischen Union und über die Zukunft des Asylwesens?", fragte Knaus.

Griechenland habe mit Ausnahme Zyperns mehr Asylanträge pro Kopf zu verarbeiten als jedes andere EU-Land. "Was wir brauchen, ist ein Mechanismus, wo einige Staaten der EU, mit den Beamten, die das können, und mit den Asylsystemen so zusammenarbeiten, dass wir in der Lage sind, fair und schnell zu entscheiden", sagte Knaus. Andernfalls drohe das europäische Asylsystem zu scheitern.

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