5.800 Euro an Schlepper gezahlt

Wegen Coronakrise: Migranten flüchten zurück nach Afrika

Rettungseinsätze im Mittelmeer
© picture alliance / Lena Klimkeit, Lena Klimkeit, lkl tba

28. April 2020 - 9:41 Uhr

Wirtschaftskrise treibt offenbar viele Menschen zurück in ihre Heimat

Die Europäische Union ist das Ziel vieler Menschen aus Afrika. Sie hoffen hier auf ein neues, besseres Leben - und gefährden ihr Leben beim Versuch, mit Booten über das Mittelmeer zu kommen. Die Coronakrise hat die Verhältnisse nun auf den Kopf gestellt. Um der Pandemie in Spanien zu entkommen, sind rund 100 illegal eingewanderte Marokkaner per Schlepper in ihr Heimatland zurückgeflohen.

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Migranten fliehen in die entgegengesetzte Richtung

Wie die spanische Zeitung "El País" berichtet, sei die Gruppe Ende März mit zwei Schlauchbooten aufgebrochen. Jeder von ihnen habe 5.500 Euro bezahlt, um aus vom Coronavirus stark betroffenen Land herausgeschmuggelt zu werden. Die Überfahrt führte offenbar nach Larache in der Nähe von Tanger. Dort habe ein weiterer Schlepper rund 300 Euro pro Kopf verlangt, um die Menschen an Land zu bringen.

Neben marokkanischen Medienberichten beruft sich die Zeitung auch auf einen internen Bericht der EU-Kommission, den sie einsehen konnte. Dort heißt es, die Mafia zeige "extreme Flexibilität", indem sie nun auch die Rückreise anbiete, da viele zumeist illegal eingereiste Marokkaner nun vor der Covid-19-Epidemie fliehen wollten.

Auch algerische Medien berichteten laut dem britischen "The Telegraph" über das Eintreffen mehrerer kleiner Boote, die Algerier aus Spanien zurück in ihre Heimat brachten, in der Küstenstadt Oran im Westen des afrikanischen Landes.

Arbeitsmarkt für illegale Migranten zusammengebrochen

Eine Ursache für die Flucht ist neben dem Wirtschaftseinbruch und der Grenzschließungen in Europa auch eine umstrittene Maßnahme Marokkos. Dessen Regierung hatte am 13. März einen vollständigen Einreisestopp verhängt und verweigerte damit auch eigenen Staatsbürgern im Ausland die Rückkehr. Auch sei der Arbeitsmarkt für die illegal eingereisten Marokkaner durch die rigorose Ausgangssperre zusammengebrochen, schreibt "El País".

Bislang wurden aus afrikanischen Ländern lediglich rund 18.500 Coronavirus-Infektionen und knapp 1.000 Todesopfer gemeldet. Doch Experten zufolge könnten die tatsächlichen Zahlen sehr viel höher liegen. In Spanien wurden bereits mehr als 207.000 Infektionen bestätigt. Insgesamt seien nunmehr 23.190 Menschen gestorben. 

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