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Flüchtlingsdrama weckt Erinnerungen: 2011 war Jenke von Wilmsdorff selbst auf einem Flüchtlingsboot

Flüchtlingsdrama weckt Erinnerungen: 2011 war Jenke von Wilmsdorff selbst auf einem Flüchtlingsboot

"Wechselbad von Gefühlen, das dramatisch ist"

Es ist das womöglich schlimmste Flüchtlingsunglück im Mittelmeer. Bis zu 950 Menschen sol-len am Wochenende ums Leben gekommen sein. Mit was für Ängsten die Menschen auf einem Flüchtlingsboot zu kämpfen haben, erfuhr der RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff 2011 am eigenen Leib, denn er war selbst auf solch einem Boot.

RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff überquert mit einem Flüchtlingsboot das Mittelmeer
RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff bei seiner lebensgefährlichen Überfahrt auf einem Flüchtlingsboot.

"Du wechselst in deiner Stimmung immer zwischen Angst und Hoffnung, Angst und Verzweiflung" beschreibt er seine Gefühle während der Überfahrt. "Die Gedanken wechseln minütlich." Unter Einsatz seines Lebens war es dem RTL-Reporter nach tagelanger Recherche gelungen auf einem Flüchtlingsboot mit 344 Menschen von Tunesien nach Lampedusa mitzufahren.

Er glaubt nicht, dass den Flüchtlingen vor der Überfahrt bewusst ist, was auf hoher See auf sie zukommt, geschweige denn in welchem Zustand das Boot ist. "Die meisten haben das Meer noch nie in ihrem Leben gesehen." Getrieben vom Traum an eine bessere Zukunft, lassen sie sich trotzdem auf die Deals der Schlepper ein.

45 Stunden dauerte seine Fahrt mit dem löchrigen Fischkutter. Viele der Flüchtlinge kollabierten oder sprangen vom Boot, weil die Nerven versagten. "Auf der ganzen Überfahrt hast du ein Wechselbad an Gefühlen, das dramatisch ist."

"Mischung aus Entsetzen und Wut"

Seine lebensgefährliche Fahrt ist vier Jahre her. Seither hat sich kaum etwas an der Situation geändert. Im Gegenteil. Die Bilanz der vergangenen zehn Tage mit deutlich mehr als 1.000 Toten ist erschreckend. Die immer wiederkehrenden Bilder wecken in Jenke eine "Mischung aus Entsetzen und Wut". "Es tut sich einfach nichts (…) das macht mich böse." Der RTL-Reporter kritisiert, dass das italienische Seenotrettungsprogramm 'Mare Nostrum' eingestellt wurde. Anstelle dessen trat eine abgespeckte Operation, die nur in Küstenbereichen eingesetzt wird. Die Rettung auf hoher See schließt das Programm aus.

Viele Politiker warnen vor einer Rückkehr zum alten Programm, weil damit neue Anreize für die Schlepperbanden entstehen könnten. Ein Lösungsansatz ist deshalb, die Flüchtlinge erst gar nicht auf ein Boot steigen zu lassen und sie in Lagern an der afrikanischen Küste zu sammeln. Jenke hält dies für den falschen Weg. "Es wird immer Menschströme geben, die um die Lager herum ihre Flucht wagen." Jenke von Wilmsdorff berichtet von seiner Überfahrt aus Tunesien, dass sich der Abfahrtsort an der Küste ständig verlagert habe, "teilweise um hunderte von Kilometern". Damit wäre ein Abfangen der Flüchtlinge kaum möglich. Auch über die Folgen solcher Lager macht er sich Gedanken. "Und dann? Was passiert mit den Menschen in den Lagern (…) da sind zu viele Fragen offen."

Er sieht deshalb die Überlegungen um eine Wiederaufnahme des 'Mare Nostrum' Programms mit einer Beteiligung der EU als unabdingbar.