Flüchtlingsdrama in Calais: "Diese Nacht ist unsere letzte Chance"

24. Februar 2016 - 14:20 Uhr

Verzweifelte Fluchtversuche

Jede Nacht versuchen Hunderte Flüchtlinge von Calais aus durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen. Unter ihnen ist auch die schwangere Samra aus Eritrea. Wie die anderen verzweifelten Flüchtlinge, die unter katastrophalen Bedingungen in einem provisorischen Flüchtlingscamp in der französischen Hafenstadt hausen, versucht auch diese Frau die andere Seite des Ärmelkanals zu erreichen.

Calais: Samra aus Eritrea will nach Großbritannien
Die schwangere Samra aus Eritrea versucht verzweifelt nach England zu kommen.

Den Flüchtlingen ist dabei jedes noch so gefährliche Mittel recht. Sie springen auf Lastwagen, klettern auf Züge oder klammern sich als blinde Passagiere an Autodächern fest. Nur wenigen gelingt es tatsächlich, unter dem Ärmelkanal unbemerkt von Frankreich nach England zu kommen. Trotzdem versuchen es Hunderte Menschen Abend für Abend. Viele haben Verwandte in Großbritannien. Außerdem dauern die Asylverfahren im Vereinigen Königreich nicht so lange. Sechs Monate sind es im Schnitt – 18 in Frankreich.

Samra will ihr Kind in Großbritannien zur Welt bringen

Samra will nach Großbritannien, um dort ihr Kind zur Welt zu bringen. Sie möchte ihm ein besseres Leben ermöglichen. "Ich habe noch zwei Monate", sagt die Schwangere. "Ich hoffe, dass ich bis dahin nach England komme, damit mein Kind eine Zukunft hat." Doch die Ankündigung der britischen Regierung, umgerechnet weitere zehn Millionen Euro für die Grenzsicherung bereit zu stellen, macht Samra nervös.

Schon bald könnten die illegalen Fluchtversuche durch den Tunnel unmöglich werden. "Die britische Regierung will Soldaten hierher schicken", glaubt auch Ibrahim. "Deshalb ist diese Nacht unsere letzte Chance", sagt der Mann aus Eritrea. Schon jetzt herrscht Panik unter den Flüchtlingen. Mit vereinten Kräften versuchen Sie jede Nacht den Zaun, der sie vom Tunnel trennt, niederzureißen.

"Wenn es uns an einer Stelle zu schwierig erscheint, versuchen wir es an einer anderen wieder. So verbringen wir die ganze Nacht hier und tagsüber gehen wir schlafen", erklärt Jessin aus dem Sudan. Die Suche nach einem Schlupfloch wird immer verzweifelter. Großbritannien und Frankreich sind entschlossen, den Grenztunnel in Calais dicht zu machen. Bis es soweit ist, werden wohl viele Leib und Leben riskieren, und versuchen, die letzte Chance zu nutzen, nach England zu kommen.